Grauko on air!

Für alle, die unsere letzten beiden Veranstaltungen versäumt haben, bietet Radio Helsinki (FM 92.6)die Gelegenheit, Mitschnitte davon zu hören.
Heute am 25.3. ab 11 Uhr geht die Sonntägliche Frühlingsstimmenlesung über den Äther.
Am 15.4. folgt dann, ebenfalls ab 11 Uhr der Mitschnitt der „Liebe, Tod und Teufel“ Show aus dem Stockwerk.
Alle, die nicht in Graz wohnen, können Radio Helsinki übrigens auch über das Internet hören.

P.S. Nicht vergessen. Heute abend im Stockwerk, Improtheater nach Texten von Grauko.

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Über das Verschellen

Über das Verschellen:

von Peter Heissenberger

Spuren waren für den Menschen seit jeher von extremer Bedeutung. So konnte es über Leben und Tod unserer Vorfahren entscheiden, zu wissen, ob Abdrücke im Sand von einem Säbelzahntiger oder einen Streifenhörnchen stammten. Unbekannte Fährten bedeuteten zuallererst Gefahr und mussten so schnell wie möglich abgeklärt werden. Es sind also verkümmerte prähistorische Instinkte, die sich dem modernen Menschen erhalten haben, wenn er sich in der sicheren Umgebung seines Wohnzimmers beim entspannten Lesen plötzlich fragt: „Wie mag wohl das Wort ausgesehen haben, das hier seine Spuren hinterlassen hat?“ Und vor allem: „Was ist mit ihm geschehen? Ist es verschwunden? Hat es je wirklich existiert? Oder ist es irgendwann verschollen?“

Betrachten wir doch nur diesen Absatz: Allein das letzte Wort: >>Verschollen.<< „Etwas ist verschollen“! Wir alle kennen dieses Wort, verwenden es täglich. Wie aber mag das Verb ausgesehen haben, das der beschriebenen Person ihr heutiges „verschollen sein“ erst ermöglicht hat?
Mit genau dieser Frage sah ich mich vor kurzem mitten in der Lektüre eines deutschen Klassikers konfrontiert und habe mich, als sie mir partout keine Ruhe lassen wollte, entschlossen, mich ihr auf dem Wege der schönsten aller uns zur Verfügung stehenden Künste zu nähern – nämlich dem der mathematischen Logik:

Lassen sie mich als ersten Schritt den Existenzbeweis führen, indem ich den folgenden fiktiven Zeitungsausschnitt zitiere:

„Der Südtiroler Extrembergsteiger und Abenteuersportler Reinhold Messner hat in seinem bewegten Leben viel erreicht. Er hat die Gipfel sämtlicher Achttausender, beide Pole, und auch sonst fast alle Orte, zu denen es keinen vernünftig denkenden Menschen je ziehen würde, teils alleine, ohne Sauerstoff und ohne die Unterhose zu wechseln etc. erreicht. Alles Leistungen, die ihm seinen Platz im Buch der Geschichte längst sichern – und doch blieb ihm eines stets verwehrt. Jene Leistung, die ihn gleichsam auf den Olymp der verwegenen Abenteurer, auf eine Stufe mit Scott, Mellory, St. Exypery, Franklin und Glenn Miller hieven würde. Bei all seinen Anstrengungen hat er bislang eines verabsäumt, nämlich zu verschellen.“

Damit wäre die Suche nach dem Wort eigentlich schon beendet: Verschellen!
Aber natürlich höre ich sofort ihre Einwände:

„Das Wort gibt es ja gar nicht.“

Dieses Argument kann ich zwar sofort mit dem Existenzbeweis entkräften, bin aber gerne bereit mich seiner abgeschwächten Form näher zu widmen:

„Das Wort habe ich bisher noch nie gehört.“

Das glaube ich ihnen ungesehen. Aber: Was ist mit: „Abderit“, „lenzen“, „Stase“, „refraktär“? Alles Wörter, die ich eben selbst, beim schnellen Griff in meinen Duden zum ersten Mal zu Gesicht bekommen habe. Selbstverständlich räume ich Herrn Duden in diesen Fragen weit größere Kompetenz ein. Aber auch er – und seine Nachfolger – können nichts erfinden sondern nur aus vorhandenen Texten zitieren. Die Rechtschreibprüfung meiner Textverarbeitung zum Beispiel akzeptiert „Verschellen“ seit zwei Minuten anstandslos.
Außerdem: Was ist mit solch schönen, neuhochdeutschen Wörtern wie emailen, layouten, carven, rendern, scannen und faxen? Auch diese wurden in den ersten 19 Jahrhunderten christlich abendländischer Kultur nicht gerade oft verwendet, trotzdem sind sie heute in aller Munde. Eine lebende Sprache ist nichts Konstantes. Neue Wörter entstehen, wenn sie zunächst vielleicht auch nur von wenigen Experten verwendet werden. Andere werden über Nacht zu Modewörtern, sind urplötzlich in, hipp, total cool und aus unserem täglichen Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken. Wieder andere hingegen legen mit der Zeit Staub an, geraten in Vergessenheit bis sie schließlich verschellen.
– Seien Sie jetzt bitte ehrlich, beim zweiten Mal sind sie vom Auftauchen dieses Wortes schon bedeutend weniger überrascht worden. Lesen sie diesen Text zu Ende, und auch sie werden verschellen in ihren täglichen Wortschatz übernehmen.

Damit zum nächsten Einwand: „Wie soll das überhaupt ausschauen: Verschellen? Wie verschillt man?“

Ein sehr gutes Argument. Auch der leidenschaftlichste Verschellologe (gut: ich verspreche dieses Wort werde selbst ich nie wieder verwenden.) Also: selbst der leidenschaftlichste Verfechter der Existenz des Wortes „Verschellen“ wird zugeben müssen, dass er sich keine realistische Situation vorstellen kann in der ein, im Verschellen befindlicher Abenteurer mit angstvoll aufgequollenen Augen und hysterischer Stimme aufschreit: „Hilfe, ich verschelle!“
Zugegeben! Das jedoch liegt einzig und allein in der Natur des Verschellens. Demjenigen, der verschillt ist sein Tun im entsprechenden Moment gar nicht bewusst, da es ja auch keine von ihm selbst aktiv ausgehende Tätigkeit ist. Der Verschellende selbst weiß möglicherweise sehr genau, wo er sich befindet, oder dass er schon lange tot ist. Er kann jedoch in seiner augenblicklichen Lage nicht beurteilen, ab welchem Zeitpunkt er für andere als verschollen gilt. Oder um mit Einstein zu reden: Alles ist relativ und rein vom Standpunkt des Betrachters abhängig. Der für sein Land verschollene amerikanische Soldat kann möglicherweise seit 40 Jahren an einem dem vietnamesischen Geheimdienst sehr wohl bekannten Ort verscharrt sein.

Um weiteren Begriffsverwirrungen vorzubeugen ist es jetzt vielleicht an der Zeit, folgenden Satz zu formulieren:

Satz: (vom Verschellen)
Es kann nichts verschollen sein, ohne vorher zu verschellen.

Nach allgemeinen Grundsätzen der menschlichen Logik, mit speziellem Verweis auf den Existenzbeweis und das Prinzip von Ursache und Wirkung kann man den Beweis dieses Satzes wohl als trivial betrachten. Und damit sei der Frage nach Existenz und Sinnhaftigkeit des Wortes fürs erste zur Genüge Beachtung geschenkt. Wenden wir uns lieber, um allen obig erwähnten Zweiflern gerecht zu werden, dem genauen Zeitpunkt des Verschellens zu:

Gehen wir dazu an den Anfang zurück: Zwei Dinge sind notwendige und hinreichende Grundvoraussetzungen für den Verschollenen:
1. Seine Existenz.
Mit anderen Worten, zu einem beliebigen Zeitpunkt, (im weiteren T0), muss er – durch verlässliche Quellen bestätigt – existiert haben. Aus dieser Voraussetzung kann man sofort ableiten, dass Betrachtungen über das Verschellen des Yetis auf der Basis meiner Theorien (noch) nicht angestellt werden können.
Die zweite ebenso triviale Voraussetzung, ist das Verschollen sein zu einem Zeitpunkt T1.
Aus diesen beiden Voraussetzungen lässt sich folgendes Lemma definieren:

Lemma:
Für alle Verschollenen gilt: T1 > T0

Beweis: (indirekt) Annahme: Sei T0 >= T1. In diesem Fäll wäre die Existenz des Verschollenen einwandfrei belegbar zu einem Zeitpunkt, der nach dem vorgegebenen Verschellen liegt. Das hieße aber, der angeblich Verschollene war maximal für eine gewisse Zeit verschwunden, kann jedoch in unserem Sinn nicht als verschollen bezeichnet werden, die Zubilligung des Verschellens wäre somit vorschnell erfolgt.

Somit hat uns dieser Beweis gleichzeitig einen weiteren wichtigen Begriff geliefert: Das Verschwinden. Das Verschwinden ist der eigentliche Grund, warum das Verschellen zunächst nicht als ein solches erkannt wird und dadurch in unserem schlampigen Sprachgebrauch so gerne übergangen wird und damit halten wir endlich sämtliche Bausteine für das folgende Modell in Händen:

Das 5 Phasen Modell des Verschellens:

1. Phase: Gesicherte Existenz
2. Phase: Verschwinden
3.Phase: Verschwunden sein
4. Phase: Aktives Verschellen
5. Phase: Verschollen sein

Zur Erklärung:
In der ersten Phase wird der Abenteurer geboren, geht zur Schule und wird von der Abenteuerlust gepackt. Er bricht zu einer gewagten Expedition auf und verschwindet in der zweiten Phase. Nachdem er eine Zeit lang verschwunden geblieben ist (Phase 3) verschillt er und wird schließlich als verschollen angesehen (Phase 5). In Nachhinein betrachtet werden die Phasen 3 und 4 dann allerdings nur zu gerne übersehen. Wird einer Person nämlich einmal das „verschollen sein“ zugestanden, wird automatisch der Zeitpunkt des Verschellens mit dem Zeitpunkt des Verschwindens gleichgesetzt und aufgrund der oben geschilderten Problematik der Wahrnehmung des Verschellens einfach übersehen. Zurück bleibt also ein stark vereinfachtes Modell, das jedoch dem subjektiven Zeitempfinden der meisten Menschen genügt, nämlich:

Existieren – Verschwinden – Verschollen sein.

Dabei wäre es wichtig die grundsätzliche Analogie der beiden Vorgänge: „Verschwinden – Verschwunden sein“ und „Verschellen – Verschollen sein“ zu betrachten.

Auch der Verschwindende kann sich über den Erfolg seines Vorhabens nie sicher sein, wenn er großspurig ankündigt: „Ich verschwinde jetzt.“ Weltraumgestützte Spionagesatelliten können heutzutage selbst die dunkelsten Winkel bestens ausleuchten.
Der Verschellende noch viel mehr als der Verschwindende ist überdies von einer dritten Voraussetzung abhängig: Dem Vermissen. Man kann so gut verschollen sein wie man will, wenn einen keiner vermisst, wird das niemand bemerken. Dann kann man genau so gut gar nie existiert haben. Was uns wieder zum Satz vom Verschellen bringt, den ich gerne folgendermaßen erweitern möchte:

Satz vom Verschollen sein:
Es kann nur verschollen sein, an dessen Existenz man sich nach dem Verschellen noch erinnern kann.

Betrachten wir doch nur das Wort „verschellen“ selbst. Vor langer Zeit muss es aufgrund des Satzes vom Verschellen einmal existiert haben, ob es dann je verschollen ist, kann pikanterweise nicht mit Sicherheit behauptet werden, da es möglicherweise einfach nur vergessen wurde. Erst durch sein offensichtliches Fehlen im Fünf Phasen Modell wurde es von mir wieder vermisst und kam dadurch quasi rückwirkend in den Genuss des Verschollen Seins, dem es durch die erste Erwähnung in diesem Text sofort wieder entrissen wurde. Ein abenteuerliches Schicksal, von dem auch ein Reinhold Messner nur Träumen kann!

Mir bleibt zum Abschluss nur eine Bitte: Helfen sie einem lange Zeit verschollenen Wort auf seinem Weg zurück in die Gesellschaft unserer Wörterbücher und lassen sie in Zukunft zumindest jeden zweiten Tag etwas verschellen.
Vielen Dank!

(Zur weiteren Erklärung, der in diesem Artikel verwendeten mathematischen Fachtermina verweise ich auf weiterführende Literatur, im besonderen auf:
„Analysis I – Eine integrierte Darstellung“ von Kurt Endl und Wolfgang Luh, aus dem Aula Verlag in Wiesbaden. Speziell Seiten 63 – 68 und 122 / 123.
und
„Wahrscheinlichkeitstheorie und ihre Anwendungen.“ von Erwin Kreyszig, Verlag: Vandenhoeck und Hubcek.)

Liebe, Tod und Teufel. Szenische Lesung am 28. Februar!

Bei der Probe
Das Ensemble bei der Probe von GRAUKO-Texten

Für unsere jährliche Lesung, haben wir von GRAUKO uns etwas besonderes ausgedacht:
Wir lassen unsere Texte von einer Theatergruppe aufführen.

Es geht um
Liebe, Tod und Teufel.

Gemeinsam mit den Schauspielern greifen wir, das Grazer Autorinnen– und Autorenkollektiv GRAUKO, tief hinein in das, was das Leben ausmacht. Auf den Theaterbrettern wird geliebt und gemordet, es wird bekriegt und belacht.

Die Theatergruppe Theater im Stockwerk hat sich als kongeniale Ergänzung von uns Literatinnen und Literaten entpuppt – so ist ein ganzes Theaterstück in Planung.

Zeit: Sonntag, 28.2.2010 um 17:00
Ort: Theater im Stockwerk www.tis-graz.at
Cafe Stockwerk, Jakominiplatz 18/1 Graz
Eintrittspreis: 6 Euro

Das Theaterensemble bei der Probe
Das Theaterensemble bei der Probe

Porto Bello Girls: Kurzinhalt

Kurzinhalt:

Paul Richter verbringt seine Tage zunehmend in einer Traumwelt. Seit ihn seine Freundin verlassen und er auch seinen Job verloren hat, ist die Fernsehserie „Die Porto Bello Girls“ das einzige, das seinen Tagen noch etwas Struktur verleiht. Zu ihren Protagonisten hat er intensivere Beziehungen aufgebaut, als zu den meisten realen Menschen. Zu seiner Familie, bestehend aus seinem Vater und der 18 jährigen Schwester Eva, lebt er sehr distanziert.
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Klingels Reisen!

Vorwort

Mein erstes literarisches Großprojekt! Wurde von mir im Alter von 9 Jahren in einen Kalender geschrieben. Ist deswegen allerdings noch lange keine Kalendergeschichte.

Das erste Kapitel ist vollständig. Irgendwann mitten im zweiten habe ich dann zu schreiben aufgehört und das Buch soeben, nach 22 Jahren zum ersten mal wieder in die Hand genommen. Wenn ich mich jetzt also an’s abtippen mache, dann bin ich genau so gespannt wie Du, lieber Leser, wenn ich auch noch gewisse Erinnerungen an die Handlung habe. Ich werde alles so übernehmen, wie ich es damals geschrieben habe, also auch alle Fehler. Einzig die beiden Illustrationen kann ich wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt einfügen.

Vielleicht noch so viel zur Erklärung: Klingel war mein absoluter Lieblings Teddy, ein Hund mit einem weissen Strich. Sein Freund Skwirel war, wie man vermuten kann, ein Eichhörnchen, das diesen Namen von meiner Schwester erhalten hatte. Ich habe ihn in Unkenntnis des Englischen immer „Skwörli“ genannt.

So viel dazu. Jetzt aber auf zu Klingels Reisen!

1. Kapitel

In der Schweiz

Klingel und Skwirel packen Koffer. Sie wollen in die Schweiz fahren. Als erste Etappe wollen sie zum Bodensee fahren. Als sie wegfahren scheint die Sonne.

>>Zeichnung 1: Zwei Personen, eine davon mit einem Eichhörnchenschwanz in einem Auto<<

Sie fahren über Bruck / Mur denn Skwirrel verträgt das Tunnelfahren nicht. Die Verkehrsampeln in Leoben gehen Klingel auf die Nerven. Er sagt: „Steht man hinten muß man ein Ewigkeit warten bis es grün wird und man kommt höchstens bis zur Mitte des Sraus. Steht man endlich bei der Ampel, ist sie schon wieder rot. So ein Mist!“

>> Zeichnung 2: Das Auto, diesmal ohne Insaßen vor einer roten Ampel<<

Aber dann hinauf die Lising freute er sich wieder über die Leere und raste. Skwirel als ein Beigeisterterer Bergsteiger strahlte: „Diese Berge ich möchte wirklich gerne klettern.“ In Selztahl sagte Klingel: „Endlich wieder Autos.“ Dann aber in Liezen: „Diese Ampeln gehen mir auf die Nerven!“ Der arme Klingel. Nach einiger Zeit ist für Skwirel die Stimmung auf dem Nullpunkt. Wie gesagt verträgt er keine Tunnels und da geht es von einem ins andere. Schließlich an Salzburg vorbei, stehen sie ein halbe Stunde an der Grenze. Gleich nachdem sie in Deutschland waren mußte Klingel tanken. Am Chiemsee an dem sie kurz darauf halt machten gab es gute belegte Brote. Zum Baden war es jetzt schon zu kalt den es ging gegen fünf Uhr. Kurz darauf ratterten die zwei in richtung München. Im Stadtverkehr mußte Skwirel fahren. Klingel war immerhin schon 300 Kilometer gefahren und in dem Getümmel konnte er nicht fahren. Zu viel für seine Nerven, sagte er. Alsbald lag die Millionenstadt hinter ihnen. Sie fuhren in richtung Bodensee. Bei dem Wegweiser München 20 km mußte Klingel wieder auf den Fahrersitz klettern. Über die Landstraße fegten unsere Freunde in Richtung Bodensee. Als sie nach 250 km endlich Lindau ereichten legten sie sich gleich im Hotel in ihre Betten.

Am nächsten Morgen fuhren die zwei erst mit dem Schiff über den Bodensee nach Romanshorn. Von dort ging es per Auto auf der zweiten Etappe nach Genf. – also durch die ganze Schweiz. Sie wollten ein paar Tage am Genfersee Urlaup machen ehe sie weiter fuhren. Sie fuhren gemütlich Romanshorn fuhren sie gemütlich erstermal nach Wintour. Sie mußten in Wintour tanken. Werend sich der Tank füllte gingen sie frühstücken, besser gesagt zum Frühstück was zum Futtern holen, denn sie kamen werend des Essens auf den Gedanken ein Piknick zu machen. Sie fuhren also in Richtung Zürich weiter. Aber schon fünfund zwanzig Kilometer vor Zürich machten sie halt und fertrükten ihr Frühstück. Endlich fuhren sie weiter. In Zürich war es zu langweilig um zu halten. Auf der Straße nach Bern fuhren sie an vielen Seen vorüber, aber sonst war nicht viel schönes zu sehen. Denn es regnete bis nach Bern. In Bern assen sie ihr Mittagessen. Aber auch bis nach Lausane regnete es. Und in Lausane angekommen regnete es immer noch und es war überhaupt kein Ende abzusehen. Sie fuhren von Lausane um den halben See herum nach Genf. Es war vier Uhr als sie in Genf einfuhren. Da es im See viel zu kalt war zu kalt obwohl der Regen jetzt aufgehört hatte gingen sie in das Hallenbad baden. Um fünf Uhr gingen sie ins Bett.

Am nächsten Morgen schrieb Klingel den Fünftageplan. Er war als erster aufgestanden. Er brachte keinen brauchbaren Plan zusammen. Als Skwirel aufwachte dachte er sich: Es wird mir nach dem Frühstück sicher mehr einfallen. Klingel aß beim Frühstück Emmentaler und Skwirel Marmeladebrote. Plötzlich hatte Skwirel eine Idee: Gehen wir doch heute wandern. Diese Idee gefiel Klingel und so gingen sie zum Hafen und fuhren mit dem ersten Schiff nach Lausane. – Schon nach einer dreiviertel Stunde kamen sie in Lausane an. Sie gingen schnell und schon nach fünf Stunden saßen sie auf einem Berg und schauten auf Lausane. Doch da schaute Klingel auf die Uhr: „He, Skwirel, du mußt dich beeilen in fünf ein halb Stunden müßen wir wieder in Lausane sein damit wir das Sieben – Uhr Schiff noch erreichen.“ „Ach was“, sagte Skwirel (das sich nicht satsehen konnte) „bleiben wir noch ein bißchen. Fahren wir ersr Morgen nach Genf und übernachten in Lausane.“ „Wunderbar die Idee könnte von mir sein“, sagte darauf Klingel was so viel heißt wie „Ja“. Sie blieben noch ein bißchen ehe sie den Rückweg antraten. Um 20 Uhr ließen sie dich in ein Hotelbett in Lausane fallen, und schliefen sofort ein. Skwirel aß am nächsten Morgen Nußkuchen und Klingel schien der Emmentaler noch besser zu schmecken als am Tag zuvor. Erst nach einer halben Stunde hörten sie auf zu essen. Klingel bezahlte auch gleich das Zimmer. Kurz darauf gingen die zwei durch Lausane zum Hafen. Das Schiff nach Genf wollte gerade auslaufen. Sie waren fast die einzigen die jetzt nach Genf wollten sieht man von einer großen Ladung Käse ab. Den Klingel als Emmentaler identifizierte. Die Leute beim herfahren waren nicht so schwer wie der Käse und das Schiff hatte auch weniger PS. So daß die Reise fast eine Stune dauerte. Sie gingen dann gleich zu einem Strandbad, wo sie bis 17 Uhr blieben. Es gab auch Leihangeln dort Klingel fing drei Fische und Skwirel fünf. Bei einem Restaurant wo man das was man Grillen wollte mitbringen mußte grillten unsere Freunde ihre Fische. Es wurde noch ein sehr lustiger abend. Sie kamen erst um ein Uhr ins Hotel. Zum Frühstück kamen sie nicht mehr. Erst zum Mittagessen erschienen sie wieder in Eßsaal des Hotel’s. Heute könnten wir in Kino gehen. Es spielt ein Western. Die Wilden am R- See, sagte Klingel. Gesagt – getan sie gingen zum Kino. Als der Film aus war es war 14 Uhr. Sagten beide, wir fahren lieber weiter nach Frankreich, hier langweilen wir uns nur. So bezahlte Klingel schnell die Hotelrechnung dann fuhren sie los.

Ende des 1. Kapitels

2. Kapitel

In Frankreich

Schon nach zehn Minuten standen die zwei an der Grenze. So im Stau dachten sie über die weiter Reise nach. Sie einigten sich über die Rute: Genf – Chamonix – an der Italienischen Grenze nach Niza. In Chamonix schoß Skwirel viele Fotos vom Mont Plance. Sie fuhren kurz nach Italien. In Turin kauften sie ein ehe sie nach Frankreich zurückfuhren. Sie fuhren dann auf einer Hochbergstraße. Es war langweilig allein in 2000 Metern Höhe zu fahren. Aber wenn sie an den Verkehr in den Großstädten dachten waren sie gleich wieder fröhlich. In Monaco fühlte sich Klingel auf der Formel 1 Strecke wie Niki Lauda und raste herum. In Nizza aber etwas später kam er kaum in dem Verkehr vorwärts. Am Abend lagen sie in einer kleinen Pension am Stadtrand von Nizza. Am nächsten morgen nach dem Frühstück fuhren sie per Schiff nach Marseille, wo sie zwei Tage bleiben wollten. Aber es dauerte etwas länger als vorgesehen. Am ersten Tag fuhren sie mit einem kleinen Segelboot auf das Meer hinaus um einige kleinen Inseln zu erforschen. Als sie auf die erste kamen war für sie nichts besonderes an der Insel sonnst hätten sie sie nie betreten aber in diesem Augenblick war nichts davon zu sehen was in der Mitte der Insel war. Sie gingen also in einen großennWald hinein und fanden nach etwa einer Stunde einen eingang zu einer Höle die sehr groß war aber auf keiner Karte zu sehen war. Als sie etwa 20 Meter gegangen waren kamen sie zu einem Schild mit der Aufschrift Heilquelle Sant John…

Nachwort

An dieser Stelle habe ich anscheinend nicht mehr weiter gewußt. Bis nach Romanshorn konnte ich noch auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, die restlichen Infromationen sind dem Autoatlas entnommen. Nach der etwas eintönigen Reiseschilderung wollte ich offensichtlich auf eine spannende Abenteuerhandlung umschwenken. Nun werden wir wohl nie erfahren, was mit den beiden auf dieser geheimnisvollen Insel passiert ist. Erinnert mich irgendwie an das „Blair Witch Project“ – ich war meiner Zeit eben immer schon voraus.

© Peter Heissenberger

Der Hamletburger

Zehn Minuten -Schauspiel nach
klassischem Vorbild

Vorgeschichte:

Dieses Stück wurde von mir für den „10 – Minuten Hamlet“ Wettbewerb des Grazer „Theater im Bahnhof“ im März 2000 geschrieben. Vorgabe war, den klassischen Hamletstoff in einer beliebigen Form in zehn Minuten zu präsentieren. Aufgeführt habe ich das Stück dann selbst und zwar allein: Nachdem ich den Text auf Kassette gesprochen hatte habe ich alle sechs Rollen gespielt und dabei versucht mich in der Interpretation meiner Darstellung an den übertriebenen Gesten der frühen Stummfilmschauspieler zu orientieren. Vor allem bei der Fechtszene mußte ich sämtliche Schubladen meines beschränkten schauspielerischen Talents ziehen, hatte aber zumindest die Lacher auf meiner Seite und wurde am Ende Zweiter der Jurywertung.

Personen:

Josef Prinz (von allen seit seiner Kindheit nur „Hamlet“ genannt)
Klaus, sein Onkel
Pole, der Geschäftsführer
Lars, Sohn des Polen
Ophelia, seine Schwester
Trude, Josefs Mutter

Ort:

Die Küche einer Raststation an der Autobahn Helsingör / Kopenhagen. Josef Prinz, der Sohn des unlängst verstorbenen Besitzers bei der Arbeit. Er arbeitet als Koch in der Raststation, die inzwischen von seinem Onkel Klaus geführt wird. Zusätzliche Pikanterie erhält die Situation durch die Tatsache, daß dieser Onkel Josefs Mutter, also die Witwe seines eigenen Bruders, nur wenige Monate nach dem Tod ihres Mannes geheiratet hat.

Einziger Aufzug:

Josef zerkleinert mit einem Metzgerbeil einen Berg Hammelfleisch um daraus Hammelfleischlaibchen zu machen. Das im Hintergrund laufende Radio bringt eine Verkehrsmeldung:

Radio: „Achtung, Achtung! Auf der Autobahn Helsingör / Kopenhagen kommt ihnen ein Geisterfahrer entgegen. Bitte bleiben sie rechts und überholen sie nicht.“
Josef: „Immer diese verdammten Geisterfahrer! Noch nicht einmal ein halbes Jahr ist es her, daß mein eigener Vater von so einem Wahnsinnigen von der Straße gedrängt worden ist. Zwei Stunden haben sie gebraucht, um seine Leiche aus dem Wrack zu schneiden. Das war kein schöner Anblick: Die Antenne hatte sich mitten durch sein Ohr gebohrt. Aber den Geisterfahrer haben sie nicht erwischt.“
Er schlägt mit dem Beil energisch auf das Stück Fleisch ein.
Josef: „Aber das Leben geht ja weiter. Nicht war Mama? Aber warum ausgerechnet meinen Onkel? Die schnellsten Entscheidungen müssen eben nicht immer die besten sein. Diesen versoffen Kerl mußte sie heiraten. – Der fährt schon seit Jahren ohne Führerschein durch die Gegend, den hätte es ruhig erwischen können, nicht meinen Vater. Der hätte er verdient. – Ach, was soll’s.“
Er hackt weiter.
Josef: „Ich versteh ja, daß sie nicht ewig allein bleiben konnte. Wer will das schon? Aber Onkel Klaus? Wenn er wenigstens ein bißchen mehr Ähnlichkeit mit meinem Vater hätte, dann verstünde man vielleicht warum. Aber so? – Wie hat er vor der Hochzeit so schön gemeint?“ (verächtlich) „Ich hoffe, daß sich dadurch nichts ändert zwischen uns Hamlet.“ (gespielt zuckersüß) „Aber natürlich nicht ‘Onkter’, oder sollte ich besser sagen ‘Vankel’?“ (wie vorher) „Pah! Auf einmal spielt er sich hier auf wie der große Macher. Veranstaltet einen Riesen Empfang für die Rosenstern & Güldenkranz Versicherung und ich kann hier unten Hammelburger machen, bis ich schwarz bin. Weil er nämlich keine Ahnung davon hat. Dabei sind die Hammelburger unsere Spezialität. Aber die hat natürlich mein Vater erfunden – darum war er auch der Burger-King. Nur der Name, der ist von mir. Da war ich drei oder vier damals und soll gebrabbelt haben: ‘Mmmhm! Hamletbörger!’ Und was soll ich sagen, der Name ist bis heute geblieben: ‘Hamletburger’ , steht sogar auf der Speisekarte – und zu mir sagt jeder Hamlet. Na ja. Das werd’ ich wohl nie mehr los.“
(Auftritt Onkel Klaus)
Klaus: „Alles klar Hamlet?“
Josef: (mürrisch) „Danke der Nachfrage.“
Klaus: „Gut, mein Junge. Du weißt: Der heutige Abend ist sehr wichtig für uns, vielleicht können wir dann öfter solche Empfänge veranstalten.“
Radio: „Achtung! Wir wiederholen die Geisterfahrermeldung: Zwischen Helsingör und Kopenhagen kommt ihnen auf der D1 noch immer ein Auto entgegen. Bitte fahren sie weiterhin vorsichtig.“
Klaus schließt die Augen, wird ganz blaß, kommt leicht ins Schwanken und muß sich mit der Hand an Josefs Arbeitsplatte abstützen.
Josef: „Was ist denn los?“
Klaus: „Ni – nichts. Ich mußte nur gerade an deinen armen Vater denken.“
Josef: „Dann ist es allerdings nicht erstaunlich, daß dir schlecht wird.“
Klaus: (Gewinnt seine Fassung wieder) „Wie meinst du das?“
Josef: „Das weißt du doch genau.“
Klaus: „Aber Hamlet. Das haben wir dir doch schon tausendmal erklärt, deine Mutter und ich. Schau, wir … ach, ich bin heute nicht in der Verfassung, mit dir zu streiten.“ (geht schnell ab)
Josef: „Da geht er dahin. Ist es nicht unglaublich, wie er auf jetzt auf Mitleid macht?“
(hackt gedankenverloren auf den Hammel ein)
Josef: (nachdenklich) „War aber schon komisch, wie er eben reagiert hat. .. Sehr komisch sogar. Fast ein bißchen schuldig. …Hm!“
Er hört zu arbeiten auf und tritt mit dem Beil in der Hand vor den Tisch.
Josef: „Kann es sein, oder kann es nicht sein? Ist er nicht an jenem Abend gerade aus seinem Auto gewankt, als ich das Haus verließ? Und war das nicht kurz nach dem Unfall meines Vaters. Nur wenige Minuten später sogar? So viele Minuten etwa, wie man von der Unfallstelle zu unserem Haus braucht? Und hat er da nicht genau so blaß ausgesehen?“ (schreit auf) „Es ist doch so klar! Natürlich! Oh, dieser verdammte Saufkopf! Dieser Verbrecher dieser .. Mörder!“
(Auftritt des Polen)
Pole: „Hallo Hamlet!“
Josef: (fährt herum und hebt sein Beil, während er brüllt) „Wer?“ (läßt das Beil sinken als er den Polen erkennt) „Ach.“
Pole: „Uh! Du hast aber miese Laune. Hast dich wohl wieder mit meiner Tochter gestritten, was?“
Josef: „Wie? Äh, … Ja, wahrscheinlich.“
Pole: „Jaja, das hat sie von ihrer Mutter. Mach dir nichts d’raus. Wollte sowieso nur schnell schauen, wie weit du schon bist. – Na ja. Ein bißchen Beeilung könnte nicht schaden, die Gäste kommen schon bald. Paß auf, daß das Fett nicht zu heiß wird.“
Josef: (mit den Gedanken ganz woanders) „Wie? – Ja, gut.“
(Pole geht ab, Josef wieder alleine.)
Josef: „Es ist unglaublich. Mein Onkel, der eigene Bruder. Und steht dann daneben, mit Tränen in den Augen – und meine Mutter! Oh diese verdammte Brut, wenn ich die zwischen die Finger kriege, dann mache ich was anderes aus denen als Hammelburger.“
(Starrt gebannt auf das Beil in seiner Hand, würde es gerne irgendwo hinwerfen, weiß aber nicht wohin.)
männliche Stimme: „Hamlet?“
(Josef fährt herum, und schleudert sein Beil in Richtung der Stimme)
Josef: „Du Brudermörder!“
(Das Beil trifft den gerade durch die Tür tretenden Polen am Kopf und spaltet ihm die Stirn. Der Pole sinkt leblos zu Boden. Josef erkennt seinen Fehler und stürzt auf den Sterbenden zu.)
Josef: „Pole! Oh, nein!“
(Auftritt Lars)
Lars: „Vater! – Was hast du getan Hamlet?“
Josef: „Es war ein schrecklicher Unfall.“
Lars: (Indem er nach dem Beil im Kopf seines Vaters greift) „Du Mörder!“
(Lars nimmt das Beil an sich und will sich damit auf Josef stürzen)
Josef: „Lars! Bitte beruhige dich!“
(Josef weicht zurück und nimmt dabei ein langes Messer vom Tisch.)
Josef: „Lars, laß mich doch erklären!“
(Lars stürmt auf Josef zu, ein Kampf entbrennt. Josef versucht sich zunächst nur zu verteidigen, doch nach den ersten Verletzungen stößt auch er auf Lars ein.)
(Auftritt Ophelia)
Ophelia: „Lars! – Hamlet! – Was ist los mit euch? – Vater? Vater!“ (hysterisch schreiend) „Vater!!!“ (Sie wirft sich über die Leiche, während sich die zwei Streitenden bereits blutüberströmt am Boden wälzen)
(Auftritt Trude, Klaus.)

Klaus: „Was wird hier gespielt?“
Trude: „Hamlet!“
(Josef und Lars stehen einander gegenüber. Lars bricht, mit Josefs Messer in der Brust, sterbend zusammen.)
Lars: „Aaaah!“
(Josef betrachtet die Tiefe Wunde, die Lars Beil hinterlassen hat und stirbt dann ebenfalls)
Josef: „Verdammte Scheiße! Und der Rest ist Schweigen.“
Trude: „Hamlet! Mein Sohn!“

(Das von Hamlet zu lange unbeaufsichtigt gelassene Fett in der auf Höchststufe laufenden Friteuse entzündet sich mit einem lauten Knall. Eine Feuerkugel erfüllt den Raum und tötet alle noch lebenden Anwesenden.)

Das Restaurant wird – mangels lebender Erben – von einer norwegischen Kette aufgekauft.

Ende

Man beachte die ungewollte Doppeldeutigkeit des Dialogs: „Was wird hier gespielt?“ – „Hamlet!“

© Peter Heissenberger

Hinterland

Ein Adler stürzt vom Himmel, packt seine Beute und fliegt mit schweren Flügelschlägen wieder davon.

Auf der anderen Seite des Hügels spiegelt ein grauer Bus die tiefstehende Sonne, die noch eine halbe Stunde von dem entfernt ist, was eine mittelmäßig eingefärbte Abendstimmung zu werden verspricht. Aber für so etwas hat der alte Mann am Felsen sowieso kein Auge. Er war nie ein Mann der Augen gewesen, weder damals noch heute.

Er ist zu diesem Aussichtspunkt hinaufgeklettert, weil es von ihm erwartet wurde. Langsam, den anderen seine Verachtung leise hinterher fluchend, weil unten zu bleiben auch keinen rechten Sinn gemacht hätte. Außerdem sollte bloß keiner denken, dass er es nicht mehr schaffen würde, er mochte jetzt alt sein, aber woher glaubten die, hatte sein Enkel die sportliche Statur?

Als junger Mann hat er die Filme der Leni Riefenstahl im Kino gesehen und sein Leben lang davon geträumt.

Jener Enkel bereut schon lange, die Reise gebucht zu haben. Sie war den Athleten für die Woche nach olympischen Spiele angeboten worden, griechisches Hinterland / Peloponnes. Damals hatte er sich schnell entscheiden müssen, dabei hätte ihm eigentlich klar sein müssen, dass man den Großvater keine Woche lang in einen Bus voll Ausländer pferchen darf. Da kommt dann immer nur die alte Schule zu Tage.

Ohne den Grund zu erkennen denkt der Alte plötzlich an Schildkrötensuppe. Hält das Gesicht in den Wind und denkt an den Geschmack von Schildkrötensuppe, die er nie in seinem Leben gegessen hat.

Auf einmal sieht er sein altes Wohnzimmer, die alte Couch, die immer schon alt und den alten Teppich, der sehr wohl einmal neu und wertvoll gewesen war. Über diesen Teppich war der Graubler gelatscht, hatte sich in jene Couch gelümmelt und seine Frau hatte kein Wort gesagt. Kein Wort über die schmutzigen Schuhe, den Dreck, den er bei jedem Schritt verloren hatte. Stumm hatte sie im Eck gestanden – für ein einziges Mal in ihrem Leben ohne Worte.

Der Enkel betrachtet den Großvater von der Seite. Leichtathlet, StuKa Flieger, dann Oberstudienrat, Mathematik und Physik – lange schon im Ruhestand. Jeden Zentimeter alte Schule – immer wieder peinlich.

Unbemerkt von den beiden trägt der Adler seine schwere Last nach oben. Die Beute tut, was ihr der Instinkt von abertausend Generationen gelehrt hat, sie wartet ab, zieht sich tief in ihre uneinnehmbare Festung zurück, nicht ahnend, dass Darwins Selektion ihrem Gegner längst die besseren Karten in diesem Duell zugeteilt hat.

Geredet hatte damals allein der Graubler. Der alte Mann hatte sich nur gefragt, wer dieser Kerl eigentlich war, der das Wohnzimmerbodenheiligtum seiner Frau so ungestraft entweihen durfte und jetzt über Schildkrötensuppe sprach, als sei es das Wichtigste der Welt.

Wie gut sie ihm doch einmal geschmeckt habe und dass der Sepp, wenn er dann in Argentinien angekommen war, natürlich nicht als erstes, aber doch irgendwann, ihm bitte ein paar Dosen besorgen solle. Als ob es nichts anderes zu besprechen gegeben hätte, im Wohnzimmer einer Familie, die gerade dabei war, ihren einzigen Sohn zu verlieren.

Wenn Freddy Quinn im Radio vom Heimweh singt, muss der Alte heute noch weinen.

Der Enkel sieht den aufgebrochenen Schildkrötenpanzer sehr wohl, der da vier Meter vor ihnen zwischen den Felsen liegt. Zuerst denkt er an die resche Wurstsemmel aus einem alten Volkschulwitz. Dann aber gleich an einen Bären, von dem er allerdings nicht annimmt, dass er am Peloponnes heimisch ist. Eine Karate gelehrte Springmaus kann das aber auch nicht geschafft haben. Vielleicht ein Hund mit Dosenöffner. Er sieht sich vorsichtig um und hofft, das dieser Jäger streng nachtaktiv ist.

Der Großvater hat den Graubler nur einmal wieder gesehen. Für ein paar Augenblicke auf einem überfüllten Marktplatz, damals war der Sepp schon zwei Jahre tot gewesen. Er war stehen geblieben, der Graubler weiter gegangen, hatte ihn wahrscheinlich gar nicht erkannt, vielleicht war aber auch die nie erhaltene Schildkrötensuppe der Grund für das Übersehen gewesen.

Inzwischen hat der Adler hat sein Ziel fast erreicht.

Wenn er auch kaum noch sehen kann, dieses Bild wird der Alte nie vergessen. Er, seine Frau, sein Sohn, alle drei wortlos vor Schmerz, dazwischen dieser kaum-Bekannte, den er nie vorher und nur einmal danach bewusst wahrgenommen hatte. Der aber redete ohne Unterlass, und als er dann endlich gegangen war, hätte man ihn sofort wieder zurück gewünscht. Sollte er doch ruhig stundenlang über Leberknödel- und Lungenstrudelsuppe philosophieren, wenn er nur diese schreckliche Stille vertreiben konnte.

Und dann ist das Taxi gekommen.

Einmal hat er Freddy Quinn im städtischen Freibad gesehen, bei der Wende sogar kurz mit ihm gesprochen, hatte von dem Konzert gar nichts gewusst, versprochen, sich sofort eine Karte zu kaufen. Lange schon ausverkauft hieß es und dann war der Freddy weiter geschwommen. Wer hatte auch schon in der Badehose etwas zum Schreiben dabei.

Seinen Enkel hat der alte Mann zum ersten Mal im Alter von sechs Jahren gesehen. War mit seiner Mutter aus Argentinien gekommen um auf eine Österreichische Schule zu gehen. Wer denn der Junge sei, der auf all den Fotos im Haus der Großeltern zu sehen sei, hat er unschuldig gefragt. Da haben sie dann alle verschämt zu Boden gestarrt.

Irgendwann, es mag 15 Jahre her sein, hat der Enkel im Readers Digest einen Artikel über die schlauen Jagdgewohnheiten mancher Tiere zu lesen begonnen, war dann aber von einem Telefonanruf unterbrochen worden und so nie zu den Adlern des Peloponnes gekommen und wie sie ihre Hartschalenbeute aus großer Höhe auf Felsen knallen lassen, sonst wäre er wohl nicht so ruhig vor jenem Schildkrötenpanzer sitzen geblieben.

Dass allerdings weltweit mehr Menschen von zu Boden fallenden Cocosnüssen als von Haien getötet werden, das hat ihm erst unlängst ein Freund erzählt.

Nach einem Jahr war sie dann wieder weg, die Mutter und Schwiegertochter, die sowieso nichts wert gewesen war. Sie haben den Buben aufgezogen wie seinen Vater vor ihm und da soll ihnen nur ja keiner einen Vorwurf draus machen. Oder kommt heute etwa schon jeder zu den olympischen Spielen?

Der alte Mann dreht sich zur Silhouette des Enkels und lächelt stolz.

Als er die Riefenstahl eines Tages aus einem deutschen Autobahnrestaurant kommen gesehen hatte, war sein Kugelschreiber im Auto und eh er damit zurück, sie längst weitergefahren.

Hundert Meter über den beiden geht die Reise für den Passagier derweil zu Ende. Der Adler öffnet seine Krallen.

Fast hätte der Enkel das Papier in seiner Hand vergessen. Hat auf dem Anstieg das Autogramm des Italieners besorgt. Der war nämlich Olympiasieger. Trotzdem hätte der Großvater den sicher nie gefragt. Schon allein wegen Südtirol und so.

Niemand schaut nach oben, dabei würde der alte Mann das Schauspiel über seinem Kopf sicher bewundern. Vor allem wie der Vogel  seiner Beute jetzt hinterher stürzt. Die Ju 87 im Sturzflug, das ist in der siebten Klasse immer sein Lieblingsparabelbeispiel gewesen, wenn sich einige dieser modernen Eltern auch beim Direktor über seine Geschichten beschwert haben.

Natürlich konnten da auch Flüchtlingskolonnen dabei gewesen sein. Der Feind musste erst recht im Hinterland geschwächt werden.

Der Enkel reicht dem Großvater den unterschriebenen Zettel. Der greift danach und zieht die Brille mit den dicken Gläsern aus der Jackentasche.

Die Erdbeschleunigung hat den Panzer längst zum tödlichen Geschoss gemacht.

Für einen Augenblick war man nach dem Hochreißen immer bewusstlos. Damals hat er das weggesteckt und keine Fragen gestellt. Heute wird ihm schon schwindlig, wenn er schnell aufstehen muss, so wie jetzt, reflexartig, weil mit der Brille sein Kugelschreiber aus der Jacke gefallen ist.

Aus manchen seiner Fehlern hat er schon gelernt. Nie mehr unbewaffnet. Was, wenn jetzt plötzlich Nana Mouskouri ums Eck gekommen wäre!

Er macht einen unsicheren Schritt und bückt sich nach seinem Jagdgerät, als hinter ihm eine zweiundachtzig Jahre alte Schildkröte laut krachend und spektakulär ihr Leben beendet.

Die Köpfe der ganzen Gruppe fahren erschrocken herum. Ein Panzersplitter streift den Enkel am Unterarm. Verwirrung aller Orten. Ungläubig dazwischen nur ein Mann mit einem Kugelschreiber.

Quadratur des Lebenskreises für Mathematiker nicht möglich.

© Peter Heissenberger