Margarita über ihre erste Zeit bei GRAUKO

… und warum sie immer noch gerne dabei ist

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Margarita heute (Sommer 2015) – fotografiert von ihrer GRAUKO-Freundin Isolde

2007 – ein Sommer, wunderbar heiß, und ein ganzes Jahr lag vor mir, denn ich hatte mir 13 Monate Pause vom Brotjob gegönnt, um mich dem Schreiben zu widmen. Mein Problem: Ich hatte in meinem Freundeskreis niemanden, der schrieb. Ich wollte mich austauschen, ich brauchte sprachbegabte Menschen, die mir ehrliches Feedback gaben. Und so fand ich Thomas, der mich schließlich zu einem Stillfried-Wochenende mit GRAUKO einlud.

Ich war super nervös. In Stillfried waren damals Peter, Maria und Thomas – sowie ein zweiter Gast. Ich wurde so herzlich in die Runde aufgenommen, als würde ich jede Woche  mit GRAUKO zusammensitzen.

Dann kam der Moment, in dem ich ermutigt wurde, etwas vorzulesen. Ich erinnere mich noch sehr gut. Es war bereits dunkel und  Peter (der vorhin so nett zu mir war) meckerte unglaublich viel an meinem Text rum. Ich hab tapfer gelächelt, mich gerechtfertigt, mich geschämt. Wenn man neu in eine Gruppe kommt und dann wird man gleich kritisiert, will man am liebsten ein Loch graben und darin verschwinden.

Am folgenden Morgen begrüßte man mich am Frühstückstisch, als wäre nichts geschehen, als wäre ich nicht die, die so schlechte Texte produziert. Nach dem Essen wurde die bevorstehende Lesewanderung besprochen – und ausgerechnet Peter lud mich ein! Mein Stil gefalle ihnen, sagten auch die anderen.

Ehrliches Feedback anzunehmen, muss man lernen. Das ist eine Übungssache. Wenn GRAUKO auf sprachliche Feinheiten eingeht, dann kann das oft nach Meckern klingen. Das passt nicht, jenes passt nicht. Da überhört man ganz leicht, dass der Text, der Stil als solches gelobt wurden.

Meine Beiträge für die Lesewanderung 2007 waren die Kapiteln 1, 2 und 5 meines Debütromans. Mehr als diese Entwürfe gab es damals nicht. Bei der Abschlusslesung bekam ich meinen ersten frenetischen Applaus (von Thomas, der aufstand, laut klatschte und Wahnsinn! rief).

4 Jahre später war es Thomas, der mich tröstete, als die erste Absage kam. Der mich coachte, als ich mich mit einem Verleger  traf, der mir beistand, als ich mich dann sogar zwischen 2 Verlagen entscheiden musste. Im Jänner 2013  ging er mit mir bei Minus 20 Grad in den Prater fotografieren, damit ich ein schönes Foto für das Verlagsprogramm  habe.

Mittlerweile schreibe ich an meinem dritten Roman.

neuer roman
Stillfried 2012. „Mittelstadtrauschen“ ist fertig und bei einem Verlag untergekommen. Ich stelle GRAUKO die ersten Kapitel meines neuen Projekts vor. 3 Jahre später erscheint „Die Schmetterlingsfängerin“ im Deuticke-Verlag.

Seit 2007 habe ich mir oft Feedback geholt – meist komme ich mit Romananteilen, um zu sehen, ob die Handlung anspricht, ob Stil und Aufbau passen. Ich habe durchaus schon Feedbacks erlebt, die lauteten: „Margarita, nein, das kannst du viel besser, bitte quäl uns nicht so!“

Wenn meine GRAUKO-FreundInnen ein paar Sekunden lang schweigen, nach Worten suchen und schließlich der erste sagt: „Das ist gut, das wird ein schönes Projekt!“, dann weiß ich: So kann ich weitermachen.

Im Übrigen sind meine GRAUKO-KollegInnen sogar strenger als meine Lektorin. Und das ist auch gut so, denn so weiß ich, dass mein Manuskript durch eine strenge Prüfung muss.  Das Romanschreiben besteht für mich zu einem großen Teil aus Überarbeiten, denn ich schulde es meinen LeserInnen, das beste von mir zu geben – immerhin haben sie 20 Euro ausgegeben und nehmen sich Zeit für mein Buch.

Jeder muss seine Arbeitsweise finden. Meine ist ohne GRAUKO nicht mehr denkbar.

Seit Jänner 2014 bin ich selbständige Autorin. Kurz nachdem ich die Kündigung eingereicht hatte, traf ich mich mit Isolde in Graz. Eigentlich war ich nach Graz gefahren, da im Literaturhaus eine Podiumsdiskussion stattfand, die zu meinem Romanthema passte. Mehr aus Jux und Träumerei besichtigten Isolde und ich davor zwei Mietwohnungen. Nun lebe ich in einer von ihnen, es war eine Entscheidung, die schnell und spontan in nur einer Nacht getroffen wurde. Ich wollte einfach näher an GRAUKO sein – und der Stadt Graz habe ich mich immer schon nahe gefühlt.  

Wie mein Leben ohne GRAUKO verlaufen wäre? Nun, ich denke, ich wäre heute noch Angestellte in Wien, die vom eigenen Buch träumt. Einen Roman zu schreiben und zu überarbeiten erfordert vor allem eine konsequente Arbeitshaltung. Die GRAUKO-Treffen, das Feedback und die Projekte der anderen haben mich immer motiviert, nicht vorzeitig aufzugeben – und sie tun es heute noch.

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