Text von Helmut

Nachts auf der Reeperbahn

Satt war ich davon nicht.
Eineinhalb Sushi, und ein paar mickrige japanische Spießchen. Ein paar Bier in spießiger Runde. In-Treff nannten die das.
Ich zog los. Hotelwärts. Auf der Suche nach etwas Essbarem jeden Umweg in Kauf nehmend. Die Seitenstraße aufwärts. Dorthin, wo mehr Licht war. Auf das Rot zu und das Grelle.
Burschi, komm rüber, rief eine Stimme von drüben, von der anderen Straßenseite.
Hast was zu essen? rief ich zurück.
Ein wenig fühlte ich mich geschmeichelt durch das Burschi, aber ich ging doch nicht. Und sie kam nicht. Es gab hier klare Zonen und Straßenseiten, schien es.
Mitten drin war ich nun im Licht. Leuchtreklamen, Lichtkörper, Funkeln und Blitzen. Versprechungen und Verlockungen. Torkelnde Gestalten, lachend, suchend. Eingemummte Körper in Torbögen. Männer, in Eingängen verschwindend, wiederkehrend. Auf den Gehsteigen Gedränge, trotz der späten Stunde. Ich suchte auch, vergebens, war wohl zur falschen Zeit am falschen Ort. Ging nach rechts, in die Richtung, wo ich das Hotel vermutete. Die Lichter wurden weniger, wechselnden von Rot auf Blau und Weiß. Blinkten nicht mehr so stark, waren mehr Wort als Bild. Seriös fast.
Die Reeperbahn, nahe dem Ende. Hier oben war nicht mehr viel los. Cafès, schon finster. Lokale, die die Sessel schon auf den Tischen hatten. Mürrische Figuren, die mit Besen zwischen den Tischen die Reste der Nacht hinaus fegten. Shops, mit heruntergelassenen Rollladen. Schilder, nicht mehr beleuchtet. Ich wechselte hinüber, aber die andere Straßenseite sah nicht anders aus.
Eine Front war noch etwas heller, und da waren ein paar Gestalten.
St. Pauli Food. Arroganter Name für die Dönerbude.
Fleischliches nur noch in Form von Currywurst und Kebab.
Genau das, was ich wollte. Mein Magen verlangte nach etwas.
Ich strebte hin.
Zwei senkrechte Fleischspieße. Mit nur mehr wenig Fleisch. Der dazugehörige Türke hinter dem straßenseitigen Tresen. Im Gespräch mit zwei Männern, die nicht ins Bild passten.
Schwarzer Anzug, glänzend polierte Schuhe, dunkle Krawatte, kurz geschnittene Haare. Einer wie der andere. Auf der Straße, etwas entfernt vom Tresen stehend.
Versicherungsvertreter auf Abwegen.
Priester auf Mission.
Manager des Geschäfts dieser Straße.
Ich trat durch die Glastür, vorbei an den Schwarzmännern. Der Türke sprach weiter mit ihnen, es dauerte, bis er kam.
Ein Döner. Kalb.
Mit allem? Mit allem.
Die beiden schwarzgekleideten Gestalten waren hinter mir durch die Tür gekommen, wie ich nun bemerkte.
Was wollt ihr, fragte Ali. Ich nenne ihn so.
Auch einen Döner.
Mit allem? Mit allem.
Die beiden setzten sich an einen der kleinen Tisch, die an der Wand standen. Ich lehnte an einem schmalen Board, das gleich rechts nach dem Eingang an der Wand angebracht war.
Was macht ihr, fragte Ali.
Wie sind Transportunternehmer. Überführer.
Ja? sagte, fragte Ali.
Wir arbeiten für ein Bestattungsunternehmen.
Tote? fragte Ali.
Wir überführen.
Es sprach immer nur der eine, der mir gegenüber saß. Dunkles Haar, gescheitelt, mit viel Pomade drin. Vom anderen sah ich nur die breiten schwarzen Schultern und den Hinterkopf, kurz geschorenes Haar, dunkelblond.
Wie seid ihr dazu gekommen, hörte ich Alis Stimme.
Ein Schulkamerad, den ich nach Jahren wieder getroffen habe. Ich war arbeitslos und ziemlich herunten, damals. Komm mit, hat er gesagt, komm mit für einen Tag. Schau dir das an. Das habe ich dann gemacht.
Du fährst irgendwohin, ladest auf, bringst die Leiche zum Friedhof, oder sonst irgendwohin, wo die sie haben wollen. Ist eigentlich klasse. Seit einem Jahr bin ich dabei.
Er sprach sehr korrektes Deutsch, aber es wirkte, als fiele es ihm nicht ganz leicht, als bemühte sich darum, weil das zu seinem Auftreten und zum schwarzen Anzug passte.
Verdienst gut? wollte Ali wissen.
Wie man es nimmt. 15 pro Überführung. Aber manchmal bist du zwei Stunden unterwegs oder mehr. Sind dann 7,50 die Stunde. Dazu noch die Bereitschaft. Du wartest, bis ein Anruf kommt. Stunden. Leicht verdientes Geld, sagt der Chef. Jetzt beispielsweise sitzen wir hier auf der Reeperbahn und plaudern schön. Hat ja recht, der Chef.
Aber du fährst auch nach Sylt und Berlin. Fährst hin, holst oder lieferst ab, kriegst zu essen, Chicks am Weg.
Kannst auch länger bleiben, wollte Ali wissen.
Manchmal schon. In Russland war ich, die wollten den dort eingraben. Da kannst schon eine Nacht anhängen, fährst am nächsten Tag zurück. War nicht wirklich gut dort. Aber in Italien und Frankreich war ich, das war klasse.
Manchmal bin ich auch hier eingesetzt. Der Besitzer vom Imbiss unten, weißt du noch? Den hab ich überführt.
Die Döner sind fertig, erst meiner.
Zum Essen hier, fragt Ali.
Nein, sage ich. Nein, ja, doch, hier.
Ich will die Geschichte hören.
Es ist warm im Raum, und riecht verraucht. Ich ziehe die wetterfeste Jacke zu, auch wenn es dadurch noch heißer wird. Damit mein dunkler Anzug nicht zu sehen ist. Ich will nicht auffallen, versuche eine müde Gestalt zu sein, die teilnahmslos am Döner beißt.
Damit keiner fragt: Überführst du auch?
Was habt ihr für einen Wagen, will Ali wissen, als er den beiden ihre Döner bringt.
Die Augen des wortführenden Überführers leuchten.
Mercedes, 230 Sachen, mit allem, was Mercedes hat, Klima und so.
Wenn du die Leiche reinschiebst, brauchst nur anzutippen, und die Hecktür geht zu. Mit einem Schnurren. Echt klasse. Ist gleich verriegelt, da kann nichts aufgehen, wenn du bremst. Wär ungut, irgendwie.
230, wow, höre ich Ali.
130.000 kostet das Teil. Da musste ein normaler Mercedes zerschnitten werden, dann haben sie ein neues Heck angebaut. Ist schwer. Bilden sich Risse, manchmal, dort wo das angeschweißt ist.
Ich finds nicht in Ordnung, dass so ein Wagen anders verwendet wird, sagt der Überführer. Ich kenn einen, der schiebt am Wochenende den Kinderwagen rein. So was gehört sich nicht. Die Leute wollen, dass ihre Toten ordentlich behandelt werden. Ich hab schon islamische Tote überführt, aber es gibt auch islamische Kollegen, die machen nur das. Ist besser so, für die Familie ist es einfacher, wenn das einer macht, der das alles kennt, das Land und so.
Mein Kollege – er deutet mit dem Döner in der Hand auf Überführer Zwei – hat zigeunerische Freunde, und einmal ist er gefahren, und die waren da und waren so froh, dass er das macht und nicht irgendeiner. Da musst dann den Leuten auch zuhören, kannst nicht gleich weg fahren. Auch wenn’s deine Zeit ist. Der Überführte wird in die Leichenhalle geschoben, und du wartest, bis alle wieder da sind. Da merken sie dann, dass dir das auch nicht egal ist. Das ist richtig so.
Und du fährst nicht 230, gar nicht. Das gehört sich nicht.
Ich kaue langsamer, viel Döner ist nicht mehr da. Hinten steht ein Getränkeschrank, ich mache es den beiden Überführern nach und hole mir ein Bier.
Ich halte die Flasche Ali hin.
Zwei sechzig, sagt Ali.
Hier, fragt er.
Hier, sage ich.
Dann ist nur zwei.
Ich habe ihm zwei sechzig hingelegt.
Passt, sage ich und stelle mich wieder an meinen Platz an der Wand.
In engen Gassen ist es manchmal schlimm.Da musst du stehen bleiben, mit Warnblinklicht, und die Idioten hupen. Ich kann doch nicht den nächsten Parkplatz suchen und mit dem Handwagen durch die Gegen fahren.
Es ist nicht schlimm, du kennst die Leute ja nicht. Und hast sie vorher auch nicht gekannt.
Die Feuerwehr hat’s viel schlimmer. Die schneiden irgendwen aus dem Auto, und dabei stirbt er. Wenn wir kommen, ist das schon alles vorbei.
Ali erzählt von Istanbul.
Das ist nicht irgendeine Stadt. Istanbul ist genau zwischen zwei Kontinenten, und sie war einmal Konstantinopel, und dann war sie wieder anders, und dann sind die gekommen, dann die, dann die, was weiß ich. Aber das verstehen die Leute hier nicht.
Die Bierflasche ist leer, mir ist schlecht, ich gehe.

Mitten am Gehsteig parkt ein Auto, das mir früher nicht aufgefallen ist.
Leichenwagen, silbergrau.

Text von Veronika

Späte Rache

Es war zwölf Uhr dreißig. Im Boltzmanngymnasium waren fast alle Lehrkräfte bei einer Dienststellenversammlung im Konferenzzimmer. Nur drei Professoren hatten den Unterricht der, wie es für sie schien, langatmigen und nervenden Diskussion vorgezogen. So klangen durch das leere Schulhaus nur Klaviermusik, das Brodeln von chemischen Experimenten und Piepsgeräusche von Computern. Plötzlich zerriss diese Beinahstille Sirenengeheul. Gleich darauf strömten die noch anwesenden Schüler in Zweierreihen den Fluchtwegen entlang ins Freie.
Auch die Lehrer drängten sofort, allerdings wesentlich undisziplinierter als ihre Schüler, zu den Türen. Als Sie öffnen wollten, mussten sie feststellen, dass beide zugesperrt waren. Fast gleichzeitig kramten alle ihre Schlüssel hervor, um sie den Kollegen an den Ausgängen zu reichen. Die konnten infolge der Drängerei nur mit Mühe die Schlüssel in die Schlösser stecken. Was war das? Die Bärte ließen sich keinen Millimeter bewegen. Hektik verbreitete sich.
„Lass mich probieren!“
„Geh was für ein Schwächling bist du?“
„Hast den falschen Schlüssel erwischt!“
„Nimm meinen, der sperrt sicher.“
Noch lag Spott in ihren Stimmen, denn sie glaubten an einen Übungsalarm. Da knackte es im Lautsprecher und aufgeregt stammelnd erklang die Stimme der neuen Sekretärin: „Es war ein Anruf. Eine Bombe…“
Betretenes Schweigen, dann fieberhaftes Rütteln an den Klinken. Weitere Schlüssel wurden ausprobiert. Vergeblich. Ein junger Physiker brüllte: „Seid ruhig! Ich rufe den Schulwart an!“ Triumphierend holt er sein Handy hervor und wählte die eingespeicherte Nummer. Aber gerade als sich Herr Wachter meldete, war die Batterie leer.
„Nimm meines!“, erbot sich eine Botanikerin.
„Hast du seine Nummer drinnen?“
„Leider nein!“
„Ruf das Sekretariat an!“, meinte darauf eine Anglistin.
„Da meldet sich niemand.“
Während sich die Diskussion , wohin telefoniert werden sollte zuspitzte, krachte und rumpelte es auf einmal. Ein Schauder ergriff die Lehrerschaft. Ihre Gesichter wurden starr und fast genauso weiß, wie das der Kollegin, die das Gepolter verursacht hatte, als sie in Ohnmacht gefallen war. Ein Mathematiker reagierte als Erster: „Ich mache ein Fenster auf, damit frische Luft hereinkommt.“ Schon hatte er die Hand am Riegel, riss daran nach allen Richtungen. Fast panisch probierte er es beim Nächsten, Übernächsten… Kein einziger ließ sich drehen.
„Ich rufe die Rettung an“, erbot sich endlich die Botanikerin. Noch während sie telefonierte, erklang das Horn eines Polizeiautos. Unmittelbar begannen alle wie verrückt an Fenster und Türen zu trommeln und überhörten beinahe die gehässige Durchsage: „Die Bombe liegt zwischen euch!“
Die Panik erreichte ihren Höhepunkt.

Oberinspektor Heger, ein fescher, sportlicher Vierziger, eilte zum zentralen Meldepunkt. Zu seinem Erstaunen fand er dort keine Menschenseele. Am gegenüberliegenden Zaun des Sportplatzes standen verstreut die Schüler von drei Klassen, deren Lehrer auf ihn zueilten. „Die Klassen sind vollzählig. Dürfen die Schüler wieder zurück in ihre Arbeitsräume?“
„Nein auf keinen Fall, es gab eine Bombendrohung. Bleiben Sie mit den Schülern bis auf weiteres hier!“ Damit eilte Heger ins Gebäude und wurde beim Eingang fast umgerannt, denn seine Kollegen hatten inzwischen die Eingeschlossenen befreit.
Mit äußerst angespannten Nerven durchforsteten die Polizisten nun das Haus. Jedes ungewöhnliche Geräusch brachte sie in Alarmbereitschaft. Als zwei der Beamten gerade an die Tür des Musiksaales kamen, trauten sie ihren Ohren nicht: „Tick, tack,tick,tack…“ „Das ist die Zeitschaltuhr.“ flüsterte einer, drückte bebend die Klinke nieder und lugte vorsichtig in den Raum. Am Klavier stand ein eifrig tickendes Metronom. Die Männer tauschten erleichtert ihre Blicke aus und die Spannung löste sich durch schallendes Gelächter.
Heger inspizierte zur gleichen Zeit den Keller. Verschwand da nicht gerade ein Punk zwischen den Spinds?
„Warte Bursche, dich krieg´ ich!“
Er hatte es nicht schwer ihn zu stellen. Die Spindreihen bildeten Sackgassen.
„Was machst du da?“
Der Punk fuhr erschrocken hoch und stotterte: „Iich wowollte meiein Häandy holen, aaber iich fifinde es nicht.“
„Vielleicht finden wir es, meinte Heger ironisch.
„Name, Adresse!“
Kaum hatte Häger den Jungen perlustriert und zu seiner Klasse zurückgeschickt, hörte er im Weitergehen eigenartiges Knacken aus einem Computersaal. Beim ersten Blick in den Raum konnte er nur Monitore sehen. Instinktiv spähte er unter die Bänke und entdeckte in der rückwärtigen Ecke eine besockte Fußspitze neben einem Rechnergehäuse.
„He, du da hinten! Willst du in die Luft fliegen?“
Zaghaft tauchte ein verstrubbelter Kopf eines Elfjährigen auf.
„Ich habe geglaubt, dass das eine Übung ist . Der Professor hat nicht bemerkt, dass ich mich nicht angestellt habe.“
„Jetzt aber raus mit dir!“
Hegers Kollegen waren mittlerweile im naturwissenschaft-lichen Trakt angelangt. Dort stank es bestialisch und unter der Chemiesaaltür drang oranger Rauch heraus. „Sollte nicht schon längst die Feuerwehr da sein?“, fiel dem einen ein.
„Schei…, ich habe vergessen weiterzumelden. Der Chef wird mir den Kopf abreissen.“
Jenem war ebenfalls gerade ihr Fehlen aufgefallen und er war dabei, sein Funkgerät einzuschalten, während er wahrnahm, dass die Tür zum Sekretariat sachte zugemacht wurde. Vorsichtig, die Pistole im Anschlag stieß er sie auf. Am Schreibtisch stand die Sekretärin und schob eiligst eine Lade zu. Ihr betretener Blick blieb an Hegers Gesicht hängen und wechselte zu Erstaunen und Erkennen.
„Wolfgang?“
„Leonie? Was machst du noch herinnen? Bist du lebensmüde? Geh schleunigst zur Sammelstelle, wir reden später miteinander!“
Wolfgang Heger dachte zurück an seine Schulzeit hier in diesem Haus. Leonie Höller war das Enfant terrible der Klasse gewesen und hatte die Lehrer auf die Palme gebracht. Sie hatte allerdings stets behauptet, von ihnen benachteiligt zu werden und daher in der vierten Klasse die Schule gewechselt. Er wunderte sich also sehr, sie hier im Schuldienst zu finden, verdrängte aber den Gedanken, um sich wieder auf die Untersuchungen zu konzentrieren und die Feuerwehr einzuweisen, die endlich eingetroffen war. Sogleich drang ein Mann mit schwerem Atemschutz ausgerüstet in den Chemiesaal ein um festzustellen, dass das Inferno einer kleinen Porzellan-schale entströmt , aber die Reaktion bereits erloschen war.
Die Suche nach einer Bombe blieb ergebnislos.

Für Heger war es augenscheinlich, dass ein rachsüchtiger Schüler den Lehrern Angst einjagen wollte. Dafür sprachen die blockierten Fenster und Türen des Konferenzzimmers. Er fragte sich nur, wie ein Schüler vor der Versammlung in den Raum kommen und ungesehen die Fenster manipulieren konnte. Danach in die Schlösser Superkleber zu spritzen, dürfte kein Problem gewesen sein. Fraglich war nur, war es ein Schüler der drei noch anwesenden Klassen?
Unvermittelt kam ihm eine Idee und er eilte zum Schreibtisch ins Sekretariat, zog die Lade auf und tatsächlich lag da ein Handy mit genau der Marke und dem Typ, wie es der Punk im Keller beschrieben hatte. Heger hüllte es in ein Plastiksäckchen, steckte es ein und begab sich zur Sammelstelle.
„Das Haus ist clean, ihr könnt eure Sachen holen!“
Dann legte er seine Hand auf Leonie Höllers Schulter: „Treffen wir uns morgen im Cafe, um von alten Zeiten zu reden?“
Als Leonie zum Treffen kam, wunderte sie sich, dass Wolfgang neben dem buntesten Punk der Schule saß. Noch bevor sie bestellen konnte, sah sie Wolfgang ernsthaft an: „Kennst du dieses Mobiltelefon? Deine Fingerabdrücke sind genau auf den Tasten der Rufnummer der Schule. Leonie, Du warst die anonyme Anruferin. Es tut mir Leid, ich muss dich verhaften. “
Leonie Höllers Augen glitzerten: „Endlich hab ich es diesen Tyrannen heimzahlen können!“
Heger legte das Gerät vor dem Punk auf den Tisch: „Habe ich dir nicht versprochen, es zu finden?“

Text von Maria

Pestonkels achtzigster Geburtstag

Ein lehmfarbener Opel Kadett fährt knirschend bis direkt vor den Eingang des zu einem Gasthaus umfunktionierten Bauernhofes. Aus dem Opel quellen nacheinander: eine junge, vorzeitig ergraute, angestrengt dreinblickende Frau, drei in geringem Zeitabstand
geborene Rotznasen und ein ächzender, asthmatischer
alter Mann mit gichtigen, verschobenen Gliedern. Beim Aussteigen bleibt sein Hut hängen und fallt zurück ins Wageninnere, seine über die Glatze gekämmten Schläfenhaare geraten dadurch aus der Form und stehen plötzlich nach allen Richtungen.
Darüber können sich die Kinder kaum beruhigen vor Kichern, der alte Mann verlangt lauthals nach seinem Hut und zweitens nach seinem Stock, so dass die Frau die erwischten Bubenohren wieder loslassen und zu Hilfe eilen muss.
Derweil der Alte die Stufen erklimmt, spielen die Kinderdurch dessen extrem ausgebildete O-Beine „Kukkuck“, und weitere Autos fahren vor. Eine Familienfeier braut sich zusammen.
Die angestrengte Frau, Hüldl gerufen, mahnt zischend ihre Kinder zur Ordnung, was diese ungefähr zwei Minuten beherzigen. „Es kommt noch eine Frau mit Rollstuhl, die braucht Platz zum Rangieren, an diesem Tischkönnen wir unmöglich sitzen!“ , beschwert sich eine augenscheinlich zur Familie gehörende Dame und fuchtelt mit ihrem Stock herum. Kellner Hannes versucht zu beschwichtigen: „Ja, das hätten Sie aber schon bei der Bestellung sagen müssen!“ – „Ich hab ja nicht bestellt, weil dann“ -giftiger Blick Richtung Hüldl – „sowas gar nicht passiert wäre. Aber die Jungen glauben ja immer, sie wissen alles besser.“ Noch bevor irgendjemand sie daran hindern kann, beginnt sie, von einem Nebentisch ein Ehepaar zu verscheuchen, das vor lauter Verblüffung einfach vergisst, sich zu wehren.
Der Alte hat endlich keuchend das Gastzimmer erreicht, unter der Hutkrempe schauen noch ein paar widerspenstige Haare hervor. „Ha, die Tante Mitzi hat das Ruder schon wieder in der Hand.“, grinst ein eben hereinkommender rotgesichtiger Mitvierziger mit Schnurrbart, Kotletten und gewachstem Seitenscheitel und stupst seinen Nebenmann, der wohl sein
Bruder sein muss, an. „Ich nehm‘ s ihr bestimmt nicht weg!“, gibt der schmunzelnd zurück. ,,Hüldl, greif an!“ befiehlt die Tante Mitzi, schlurft um den erkämpften Tisch herum und drückt einem der drei Buben ihren Stock in die Hand. Hüldl wird bei diesem Manöver
nicht gerade freundlich behandelt. „Was hast du dir dabei eigentlich gedacht? Soll der Onkel Hans mit seinem Katheder sich in diesem Eck einzwicken lassen? Und die Tante Lisl mit ihrem überbreiten Rollstuhl? Wie, glaubst du, soll sie diese Kurve ins Klo schaffen? – Wenn-man-sich-nicht-um-alles-selberkümmert. “
Zwei Frauen, wohl Schwägerinnen, tragen je einen Geschenkkorb herein. „Hast auch den gleichen Einfall gehabt?“- „Ich hab mich gleich gar nicht angestrengt, einen Einfall zu haben, Wilma.“, sagt die Angeredete und stellt den Korb auf einem Beistelltischchen ab.
„Hast recht. Was soll man so einem alten Menschen auch kaufen. Hat eh alles. Und passt eh nichts.“ Die zwei größeren Buben duellieren sich mit Tante Mitzis Stock, was dieselbe sogleich zu einer Äußerung über die erzieherische Unfähigkeit ihrer Schwiegertochter veranlasst.
Der arme Hannes hat alle Hände voll zu tun, das aufgebrachte Ehepaar zu beruhigen, das lautstark zum Aufbruch rüstet und verkündet, sich hier nie mehr sehen zu lassen – „Frechheit so etwas. Aber die Pensionisten dürfen sich ja alles erlauben!“ – „Die haben auch eine dickere Brieftasche als wir. Komm, Franz, wir gehen.“
Den angebotenen Gutschein schlagen die beiden aus und drohen stattdessen mit einem saftigen Leserbrief an die regionale Tageszeitung.
Eine große schlanke Frau in Schwarz rollt einen überbreiten Rollstuhl mit einer ungeheuer dicken, aufgeputzten Frau herein: Das muss Lisl sein. Endlich – Wilma und ihre Schwägerin unterhalten sich gerade über ein Rezept für AllerheiligenstriezeI, können sich nicht über die Zugabe von Zitronenschale einigen und hoffen jede für sich auf Hüldls Partei – trifft Onkel Luis ein, ein rüstiger, drahtiger Mann um die siebzig, dem eine Ähnlichkeit mit seinem seligen Vornamenskollegen Trenker schon aufgrund seines bergsonnenverbrannten Gesichtes nicht abzusprechen ist. Im Gefolge zwei augenscheinliche Töchter samt Ehegatten und Kindern. Auf diese Gesellschaft haben Hüldls Buben schon dringend gewartet, nach kurzem Begrüßungshallo verschwindet der Pulk nach draußen, man sieht sie bald unter den Ahornbäumen im knöcheltiefen Laub herumtollen.
Auch die Töchter des Onkel Luis haben Geschenkkörbe mitgebracht und stellen sie neben die vier bereits vorhandenen. Ganz können sie sich ein Vergleichen von Größe und Inhalt der gutgemeinten Spenden nicht verkneifen. „Ob der Onkel Hans wohl demnächst Weinbergschnecken statt Geselchtes jausnen wird?“ ätzt die eine, und die andere ätzt noch ein
Stückchen tiefer: „Die hat wahrscheinlich die Hilde einpacken lassen, weil sie selber darauf scharf ist!“
Einig sind sie sich, dass man einem alten Menschen, der nicht mehr gescheit beißen könne, keine Dauerwurst und kein Pumpernickelkaufen dürfe und schon gar nicht diese Dosenfrüchte, von denen ein alter Organismus nur Durchfall bekäme, und dass sie diesbezüglich schon geschaut hätten, dass alles, was im Korb sei, auch wirklich dem Beschenkten und nicht etwa seiner raffgierigen Familie zugute komme. Aber
man wisse ja nie.
Nacheinander umarmen und küssen sie den Jubilar, der schmunzelt und schweigt nur zu all den guten Wünschen, er weiß, dass sich soviel Glück und Gesundheit und Gottessegen in seinem Leben gar nicht mehr ausgehen kann, selbst wenn er hundertfünfzig würde.
Bevor Hannes noch zum Essenaufnehmen kommt, muss er die Katastrophebeseitigen, die die Tante Lisl mit ihrem Früchtetee angerichtet hat. Eine rote Lache breitet sich auf dem Tischtuch aus, die Ausläufer rinnen der vis-a-vis sitzenden Anni und ihrer Schwägerin
in den Schoß. „Macht doch nichts, Tante Lisl, das kann doch jedem passieren.“
Auch ihre schöne, schwarze Begleiterin hat etwas abbekommen, sie rennt hektisch auf die Toilette und versucht zu retten was zu retten ist, ihre Hose sieht ziemlich teuer aus.
Hannes tritt von einem Fuß auf den anderen, die Kinder können sich nicht entscheiden zwischen „Häuptlingsschnitzel“ und ,,Piratenscholle“, von ihren Eltern werden ihnen eher erfolglos Frankfurter und/oder Pommes frites empfohlen, schlussendlich bekommen
sie doch das Gewünschte und lassen drei Viertel davon stehen.
Tante Lisl und Onkel Hans verlangen lautstark, ihr Schnitzel geschnitten zu bekommen, die Luis-Töchter kommen der Aufforderung gern nach, werden dafür gelobt, was für nette Dirndln sie sind und bekommen zu hören, wie lieblos sie sonst behandelt werden, weil kein Mensch Zeit und Muße habe, sie mehr als nur notzuversorgen. Und was sie außerdem
fiir brave Kinder hätten, die so schön die Hand geben und ihren Eltern aufs Wort gehorchen. .
„Siehst du,“, raunt der Seitenscheitel seiner Frau zu, „so musst du es mit deinen Kindern auch machen.
Der alte Knacker hat Geld wie Heu.“ – „Gut dressiert.“, sagt Wilma und wischt an dem Teefleck in ihrer hellen Hose herum. Ihrer Schwägerin wirft sie einen vielsagenden Blick zu.
Endlich ist man bei Kaffee und Torte angelangt. ,,Hast du die selber gemacht, Hilde?“ will eine der Luis-Töchter wissen. „Die Hüldl macht alles selber. Ob der Hans und ich eine Kolik davon bekommen oder nicht.“, sagt die Tante Mitzi, bevor Hilde überhaupt den Mund auftun kann.
Hilde lässt sich auf keinerlei Diskussionen ein, sie hat genug damit zu tun, ihrem Jüngsten die Ketchupspuren aus der Frisur zu tilgen, die ihm sein älterer Bruder zugetilgt hat. Wilma und Anni tauschen wieder Kochrezepte, Annis Mann, ein Mittelscheitel, fachsimpelt mit seinem Bruder, anscheinend auch ein passionierter Passivsportler, über die Missgeschicke im letzten Match. Draußen beginnt es zu regnen, was die Kinder ins Gastzimmer flüchten, Hannes schier verzweifeln und sein Tablett ins Wankengeraten lässt, weil die Bande von ihren Eltern aus Narrenfreiheit genießt und ständig vor seinen Füßen herumwuselt. Einige turnen unter dem Tisch herum und verknoten Schuhbänder, andere machen sich über die restliche Torte her, wobei weitere Kleidungsstücke und Tischwäsche zu beklagen sind.
Die Luis-Töchter trauen sich endlich zu rauchen. Sie kommen sich ziemlich gut dabei vor, worauf Onkel Hans und Tante Lisl einen Teil der guten Meinung, die sie von den beiden gefasst haben, wieder revidieren: „… weil so ein Saubrauch für ein Weibsbild sich nicht gehört!“ Wilma, Anni und Hilde fühlen sich in der Gunst der beiden Alten wieder steigen und überbieten sich beim Beteuern, wie ungesund, abscheulich schmeckend, Geldbörsel belastend, schlechtes Vorbild gebend und überhaupt unsinnig die Raucherei sei. Die Ehemänner der beiden Raucherinnen – ganz emanzipiert -geben ihnen zwar recht, stellen aber fest, dass es deren Sache und Beuschel sei und es sie nichts angehe. Worauf hin sich auch die Schöne in
Schwarz eine Zigarette anzündet. Anni will aufs WC, scheitert bei diesem Vorhaben an
ihren verknüpften Schuhbändern, schimpft auf die Kinderfratzen, aber nicht sehr, weil es genauso gut ihre eigenen gewesen sein könnten. Mitzi vermutet die Übeltäter naturgemäß in ihren Enkeln.
Als auch Kuchenteller und die meisten Kaffeetassen abserviert sind und nur mehr vereinzelt Limo-, Wein- und Biergläser herumstehen, stellt sich am Tisch Leerlauf ein, wie stets bei solchen Familienfesten, wenn alle so vollgegessen sind, dass sie sich kaum mehr rühren können. Sämtliches Blut ist in die Verdauungsorgane geflossen, sodass auch kein gescheites
Gespräch mehr zustande kommt.
Diese Gelegenheit nützt Tante Mitzi, sie schlägt ein paarmal mit dem Stock an die Tischkante und ergreift das Wort – sofern sie es denn je losgelassen: „So -da ihr nun alle auf meine Kosten gefressen und gesoffen habt, fragt ihr euch sicher, was der Grund
unseres gemütlichen Zusammenseins ist – außer, dass der Onkel Hans Geburtstag hat natürlich. Was glaubt ihr, wieso ich darauf bestanden habe, euch alle hier zu haben?“
Sie wartet eine Reaktion erst gar nicht ab und verkündet: „Nächste Woche bekomme ich ein künstliches Hüftgelenk. Danach gehe ich auf Kur und anschließend auf Urlaub zu meiner Freundin in Bayern. Ich kann also meinen Bruder nicht pflegen. Ihr seid jetzt dran.“
Das Brüderpaar zuckt beinah synchron die Achseln, als wüssten sie nicht, was das mit ihnen zu tun haben könnte. Wilma betrachtet verstohlen die Gesichter der anderen.
Walter und Hüldl schauen sich an. Sie haben die Arme verschränkt. „Nein.“, sagt dieser Blick.
Die große Schöne in Schwarz lächelt kaum merklich und streichelt Lisls Wurstfinger: „Ich hab eh mein Liserl.“
„Das sie jeden Monatsersten im Altersheim besucht…“ lästert Anni und muss sich dafür per Blick von Tante Mitzi erdolchen lassen. Die betretenen Gesichter in der Runde verheißen
nichts Gutes. Onkel Hans schaut sie der Reihe nach interessiert an und lässt schamlos die Winde wehen.
Der neben ihm sitzende Bub hält sich die Nase zu und wendet sich ab. Mitzi schäumt. ,,Da,schau,Hüldl, deine Krätze! Wenn der Onkel Hans dir einen Hunderter zusteckt, drehst du dich dann auch weg von ihm?“
„Der Onkel Hans stinkt wie die Pest!“
Seine größeren Brüder wollen ihm noch den Mund zuhalten, aber der Kleine kommt erst in Fahrt: „Der Onkel Hans hat immer dreckige Fingernägel und ein nasses Hosentürl, seine Zuckerln hat er solang einstecken, bis sie klebrig und voll Mist sind, und seine Hunderter sind verschwitzt. Außerdem stinkt er aus dem Mund und macht blöde Witze über die Mama
und ihre Figur, und der Papa ist ein Waschlappen, sagt er, und ich will überhaupt niiie mehr zu ihm!“
Was an Anspannung noch in ihm ist, macht sich jetzt mit einem Weinen Luft.
Niemand spricht.
Erst Mitzi bricht das Schweigen: „Vielleicht bleibe ich auch ganz in Deutschland.“
„Einen alten Baum kann man nicht verpflanzen. Punktum.“, sagt Wilma, und man weiß nicht so recht, wen sie da jetzt meint. Annis Mann raunt seiner Frau zu: „Wenn du den Alten im Haus hast, brauchst du nicht mehr Eier sortieren gehen.“
„Und bin angehängt wie ein Kettenhund. Danke.“
Bei diesen Worten schaut sie ihren Mann derart scharf an, dass er nichts mehr sagt. Die jenige der Luis-Töchter, die nach ihrem Hüftspeck zu urteilen nicht unter dem Joch wie immer gearteter Mehrfachbelastung ächzt, hat es plötzlich sehr eilig. Hektisch sammelt sie ihre Familie ein, und sie verabschieden sich reihum, mit dem Lächeln der gerade noch Davongekommenen. „Danke für die Einladung, Tante Mitzi, bleib gesund, Onkel Hans.“
Die andere scheint berufstätig zu sein, sie und ihr Mann sehen der Komödierelativ unbeteiligt und beinahe belustigt zu. Der kleine Bub sitzt mit rot geklopften Ohren unter dem Tisch und sinnt auf Rache. Onkel Hans nestelt mit zugekniffenem Mund und seltsam feuchten Augen an seinem Katheder herum und wird dafür von Mitzi zurecht gewiesen: „Jetzt lass das doch einmal in Ruhe, du machst dich nur wieder nass. Der schöne Steireranzug. “
Nach einer weiteren Minute Schweigen lehnt Tante Mitzi sich zurück und schnaubt: „Ihr seid mir eine Bagage. Aber macht eh nichts. Ich hab mir ja schon fast so was gedacht, und drum haben der Hans und ich uns auch schon ein schönes Pensionistenwohnheim ausgeschaut,
gell Hans.“ Der nickt bestätigend, aber nicht wirklich froh. „Dort könnt ihr dann eure Melkkuh besuchen gehen. Nur leider, zu melken wird’s nichts mehr geben. Dann
melken nämlich wir.“

Text von Peter

Die man sich nicht aussuchen kann.
(erschienen 2001 im „Verwandtenhasserbuch“ des Aarachneverlags)

Ist das ein Rotkehlchen, das da auf meiner Veranda vor dem Regen Schutz sucht? Hat einen roten Fleck auf dem Bauch, sitzt auf der Lehne des alten Korbsessels und schaut mit einem Auge recht dumm in meine Richtung. Mein Opa hätte das sicher ganz genau bestimmen können und ich wohl auch, wenn ich ihm auf unseren vielen ausgedehnten Waldspaziergängen ein bißchen besser zugehört und mir weniger Gedanken über die Fernsehsendungen gemacht hätte, die ich in der Zwischenzeit versäumte. Aber so ist aus mir trotz bester erblicher Voraussetzungen dann doch kein Hobby Ornithologe geworden.
Im nächsten Moment fliegt diese Rotbauchschwalbenschwanzmeise einfach weiter, ohne sich vorgestellt zu haben – wahrscheinlich liegt meine Katze draußen irgendwo herum. Als ob dieses Wiskas verwöhnte, ausgefressene Trumm auch nur den Kopf nach einem so mageren Piepmatz heben würde.
Jetzt bin ich mit meinen Gedanken also bei meinem Großvater angelangt – auch das noch. Nicht nur, daß er mich immer zu diesen endlosen Naturlehrstunden in den Wald gezerrt hat, ausgerechnet mich, der ich schon damals zu den Vorreitern der aufkommenden Couch-potato Generation gehört habe. Pünktlich wie schmerzhafte Zahnarztbesuche durfte ich ihn außerdem zweimal jährlich zu den Promenadekonzerten im Kurpark unserer Stadt begleiten und dort einigen Cousins und Cousinen höheren Grades zusehen, wie sie ihre frisch gewaschenen Hälse in diverse Blechblasinstrumente entleerten, die ich Banause nicht einmal namentlich unterscheiden konnte.
„Schau Dir den X und die Y an.“, hieß es dann immer, „Wie die schneidig frisiert und hübsch angezogen sind. Und wie sie erst toll spielen.“
Bei all seinen vorwurfsvollen Blicken dürfte er über die Jahre allerdings eines vergessen haben: Die musikalischen Mitglieder unserer Sippe waren allesamt Nachkommen der Geschwister meiner Großmutter. Wenn ich also aus seiner Sicht derart mißraten war, dann lag es wohl eindeutig an seinen Genen.
Was würde ich heute dafür geben, wenn mir Mendels Gesetze damals schon ein Begriff gewesen wären. So habe ich immer nur beschämt neben ihm gestanden und auf einen überraschend aufziehenden Platzregen gehofft, der mir genau so oft versagt geblieben ist.
Mein Großvater ist nun schon seit über zehn Jahren tot und somit ist ihm das Schicksal meiner restlichen Familie erspart geblieben. Bei diesem Gedanken hellt sich mein Blick wieder auf.
Seit einer guten Viertelstunde sitze ich jetzt schon neben meinem Schreibtisch und schaue durch das Fenster in den Garten. Der friedliche, regnerisch trübe Herbstvormittag hat keine Ahnung, welcher Amoklauf in diesem Zimmer gerade erst zu Ende gegangen ist. Nicht einmal meine Katze hat etwas bemerkt, aber die reagiert sowieso nur noch auf das Rattern meines elektrischen Dosenöffners.
Auch der Garten ist friedlich. Die schweren, satt grünen Grashalme sind schon wieder viel zu lang, werden aber heuer wohl nicht mehr gemäht werden, von mir auf jeden Fall sicher nicht. So stelle ich mir ein geruhsames Wochenende vor: Keine Verwandtenbesuche, kein Grund aus dem Haus zu gehen und kein schlechtes Gewissen, wenn man sich in eine Decke wickelt, eine Pfeife anzündet und sich mit einem guten Buch in diesen Korbsessel setzt.
Gestern war ein ganz normaler Samstag: Es wurden zwar wieder einmal alle Erwartungen auf außergewöhnliche Unterhaltung enttäuscht, trotzdem kam ich zu fortgeschrittener Stunde relativ gut gelaunt nach Hause und hatte heute in der Früh unter keinerlei Nachwirkungen des feuchtfröhlichen Abends zu leiden. Woher dann beim Frühstück plötzlich dieser unbändige Haß gekommen ist, ist mir daher vollkommen unerklärlich. Es war wohl einer jener Augenblicke in denen man auf einmal neben sich steht und seine weiteren Handlungen nur noch machtlos aus der Ferne beobachten kann.
Jetzt, da alles vorbei ist, bin ich wieder in mir und vollkommen ruhig. Dabei sollten mich eigentlich heftigste Schuldgefühle plagen. Lediglich meine rechte Hand, die eben noch die Tatwaffe gehalten hat, zittert ein wenig.
Das ist wirklich erstaunlich, denn immerhin habe ich in einer knappen Stunde sämtlichen Mitgliedern meiner, zugegebenermaßen nicht gerade sehr großen Familie, ein spektakuläres Ende bereitet. Nichts Gewöhnliches – keine Pistole, kein Gift, schließlich hat man als kreativ arbeitender Mensch auch einen Ruf zu verlieren.
Nach getaner Arbeit sitze ich hier und bin erschrocken über diesen Rausch der Gewalt. Erschrocken ja – aber bereuen? Nicht ein bißchen!

Ich schaue zum Himmel. So schnell wird der Regen wohl nicht nachlassen, er hat sich über der Stadt festgesetzt und auf einen längeren Aufenthalt eingerichtet. Trotzdem wird es allmählich Zeit für meinen schweren Gang, ich kann mir keinen weiteren Aufschub mehr gönnen. Sicher suchen sie schon nach mir.
Ich stehe auf, rücke den Stuhl peinlich genau zurecht und gehe, während ich meine Jacke überziehe, mit leisem Stöhnen nach draußen, wo ich sofort von einem kalten Windhauch willkommen geheißen werde. Während ich also den Jackenkragen aufstelle schaue ich nach meiner Katze, doch die hat sich offensichtlich an einen wärmeren Ort verzogen – ist ja auch nicht dumm das Vieh.
Die Schultern hochgezogen laufe ich zum Gartentor und stoße dabei an die feuchten Äste der Büsche, die ich schon vor Wochen hätte zurückschneiden sollen. Sofort höre ich die Stimme meines Vaters: „Wenn man bei deinem Gartentor reinkommt, weiß man schon alles. Der Eingang ist die Visitenkarte des Hauses .. bla .. bla .. bla….“
Was war es doch für eine große Illusion, zu glauben, ich könnte mit dem Umzug in das, von meiner Großtante geerbte Häuschen ein wenig Unabhängigkeit gewinnen. Seit mein Vater in Pension ist sehe ich ihn öfter als zu der Zeit, als ich noch zu Hause wohnte. Immer kommt er zu absolut unchristlichen Zeiten, und immer mit einem vollkommen unnötigen Vorhaben im Kopf. Wenn er es mir auch nie glauben wird, ich bin ganz zufrieden in meinem Refugium. Es ist mir vollkommen egal, daß der Wind durch die alten Holzfenster pfeift, daß ich mit irgendwelchen Niedrigtemperatursparradiatoren meine Heizkosten erheblich senken könnte, daß die Brombeerbüsche verwildern oder an meinen Dachrinnen langsam die Farbe abblättert. Ich bin schließlich Schriftsteller und kein Multifunktionshandwerker, das ist MEIN Haus, nicht ich der Mensch dieses Hauses. Aber das hat mein Vater nie verstanden, und auch nicht, daß ich nach jedem seiner Besuche mindestens einen halben Tag brauche um mich wieder auf meine Arbeit konzentrieren zu können.
Irgendwann mußte dieser aufgestaute Haß ja einmal explodieren – dabei würde man mir den Tod meines Vaters wahrscheinlich noch als Unfall abkaufen:

Der rüstige Witwer lebt alleine in seinem perfekten Haus. Nicht das kleinste Unkraut stört die Monotonie des englischen Rasens, die Rosen stehen in Reih und Glied, die ausgewogene Wohnatmosphäre wird von sieben Schichten Farbe eisern geschützt und Zugluft ist selbst auf dem Dachboden so passé wie die Beulenpest. Endlich in Pension kann er sich jetzt 20 Stunden pro Tag seinem Schmuckstück widmen und wurde endgültig zum Mensch des Hauses. Wahrscheinlich schläft das Haus schon ganz schlecht bei dem Gedanken, daß er eines Tages sterben wird und es sich dann nach einem neuen Pfleger umschauen muß.
An einem regnerischen Herbstsonntag fällt sein wachsamer Blick auf einen geknickten Ast des alten Weichselbaumes. Äußerlich mag er vielleicht den Mundwinkel verziehen, aber tief drinnen freut er sich, daß er jetzt einen Grund hat um in seine Gummistiefel zu schlüpfen und in den Garten zu gehen. Schließlich steht der Baum auf einem Hügel und ist von der Straße aus im Herbst sehr gut zu sehen. – Wie schaut denn das aus, ein schief herabhängender Ast? Was sollen da die Leute denken?
Im Gerätekeller untersucht er zunächst seine Leiter peinlich genau. Nichts haßt der alte Mann nämlich mehr als verdrecktes Werkzeug und diese Alu-Leiter hat ihm sein leider vollkommen aus der Art geschlagener Sohn erst gestern zurück gebracht, dabei hat der sie sicher schon seit zwei Wochen nicht mehr gebraucht. Oberflächlich mag sie ja sauber erscheinen, aber seinem prüfenden Blick entgeht nicht die kleinste Verunreinigung. „Na ja.“, seufzt er, die muß nachher sowieso noch einmal geputzt werden. Dann wickelt er seine Baumsäge aus dem ölgetränkten Lappen und geht an die Arbeit.
Es sind immer die obersten und am schwersten zugänglichen Äste, die am leichtesten brechen. Vorsichtig auf die regennassen Sprossen tretend klettert er alsdann nach oben. Bei jedem Schritt prüft er den Stand der Leiter und so dauert es drei Minuten bis er den fraglichen Ast erreicht, einen sicheren Stand gefunden und mit der Arbeit begonnen hat. Nach zwei Dritteln steigt er eine Sprosse höher um einen günstigeren Arbeitswinkel zu erhalten, leider vergißt er dabei auf sämtliche Vorsichtsmaßnahmen: Sein linker Fuß gleitet über das nasse Metall wie über eine unsichtbare Bananenschale, seine Hände greifen verzweifelt ins Leere, die Säge fällt zu Boden und der verhinderte Holzfäller stürzt kopfüber hinterher. Hätte er den Sturz an sich mit etwas Glück noch überleben können, so macht die in der Erde stecken gebliebene Säge jede Hoffnung zunichte. Einen solchen Schnitt bringt man allerdings nur mit einem sorgfältig gepflegten Sägeblatt zusammen.
Was für ein kopfloses Ende für einen derart bedachten Mann!

Ja, ja, mein Vater. Wie war noch sein goldenes Zitat, als ich ihm vor Jahren stolz meine erste Laubsägearbeit präsentierte?
„Kreativität ist gut und schön, aber das wichtigste ist, daß man nachher das Werkzeug wieder sauber aufräumt.“
Habe ich diesen Ratschlag nicht brav befolgt? Woher sollte ich denn wissen, daß Schmierseife nicht das richtige Mittel ist, um eine Leiter zu putzen.

Inzwischen bin ich an der Bushaltestelle angekommen. Natürlich drei Minuten zu spät. Das paßt genau zu diesem Tag! Als ich gerade zu einem derben Fluch ansetzen will, kommt hinter mir der Bus. Es geht eben nichts über pünktliche Verkehrsbetriebe.
Ich steige ein und schaue auf den Streckenplan: Zum Polizeipräsidium? – 17 Stationen, aber wenigstens muß ich nicht umsteigen.
Wer von uns hat sich noch nie gefragt, wie es zu einem Amoklauf kommt? Ich weiß es jetzt: Schwierig ist nur der erste Schritt, der Rest kommt ganz von selbst. Und von meinem Vater führte der natürliche Lauf der Dinge geradewegs zu meinem Onkel.
Hier glaubt mir keiner mehr den Unfall. Eine elektrische Heizdecke kann natürlich sehr wohl einen Kurzschluß haben, und zu einem Brand kann es dann auch kommen. Aber die Explosion, die dem armen Mann keine Chance mehr gegeben hat, sein Bett zu verlassen und gleich das ganze Haus zum Einsturz gebracht hat? Nein, da muß ganz eindeutig Dynamit im Spiel gewesen sein.
Die Heizdecke brauchte er für sein Rheumaleiden. Mein Onkel: Postamtsleiter im Vorruhestand – natürlich wegen des Rheumas! In seiner Jugend begeisterter Segelflieger und später auf der ganzen Welt unterwegs gewesen: Armenien, Pakistan, ganz Südamerika und was weiß ich noch wo. Früher konnte er uns Kindern mit seiner beruhigenden Baßstimme die tollsten Geschichten erzählen, da vergaß selbst ich manchmal das Fernsehprogramm. Heute kennt er nur noch ein einziges Thema: Sein Rheuma, sein beschissenes vollkommen uninteressantes Rheuma. Milliarden werden sinnlos in die Rüstung gestopft, aber noch niemand hat ein Medikament gegen sein Rheuma gefunden. Sein Rheuma! Immer nur SEIN Rheuma, als ob er der einzige Mensch auf dieser Welt mit Gliederschmerzen wäre.
Tja, wenn man es so will, SEIN Rheuma habe ich jetzt kuriert – mit sehr viel Wärme. Und seine beiden Söhne auch, meine lieben Cousins, die hab ich gleicht mit kuriert – Prävention sozusagen, Rheuma soll ja erblich sein. Müssen schon skurrile Bilder gewesen sein, wie man sie aus dem Schutt geborgen hat: Der eine von einem kanadischen Elchkopf erschlagen – ich verzichte aus Pietätsgründen auf jeglichen Kommentar, wer dümmer dreingeschaut hat. Der andere mit je einer Billardkugel in jeder Augenhöhle.
Die zwei haben ja immer schon geglaubt, etwas besseres zu sein. Früher wegen dem Billardtisch im Keller und erst recht als sie der Herr Dipl. Ing. und der Herr Mag. Dr. Jur. wurden. Was sich allerdings vor zwei Wochen abgespielt hat, hat jedem erdenklichen Faß die Krone aufgesetzt:
Da gehe ich – eh schon schlecht gelaunt – in ein Innenstadtlokal. Nur auf ein schnelles Bier. Wer steht da lässig an der Bar? Meine Cousin Hans, in der ganzen anzüglichen Pracht seiner Anwaltstracht inklusive gräßlicher Krawatte und Hochglanzschuhen. Natürlich sieht er mich auch und winkt mich zu sich, um mich seinen Kollegen vorzustellen:
„Mein Cousin bla bla bla, der Schriftsteller bla bla bla glaubt er zumindest ha ha ..“
Ich hab gar nicht erst zugehört, doch dann dreht er sich auf einmal zu mir, den Rest irgendeiner abfälligen Bemerkung noch frisch auf den Lippen und meint wörtlich: „Nicht wahr, Schreiberling?“
Schreiberling! Und so was von einem Rechtsverdreher! Aber es war ja nicht dieses Wort allein, bei weitem nicht, es war die verächtliche Art, mit der er es mir vor die Nase gelegt hat – hingespuckt, ja hingekotzt hat. Ich kann gar nicht richtig beschreiben wie. Am ehesten stellt man sich dazu ein Raumschiff vor und ein sieben Meter großes, rotes Monster, dem Feuer aus jeder Pore spritzt, dessen totbringende, meterlange Gifttentakel wild durch den Raum zischen und das soeben die gesamte Besatzung des Raumschiffs wie Streichhölzer geknickt hat, weil sie ihm keine Antwort auf eine bestimmte Frage geben konnten. Tief unter ihm, im hintersten Eck des Raums sitzt verschreckt bibbernd die elendste Menschengestalt im ganzen Universum: Ein Schriftsteller auf dem Weg zur großen Buchmesse auf dem Saturn. Diesen Wurm bemerkt nun das Monster, fährt sein sabberndes Teleskopauge aus, sieht ihn mit der versammelten Verachtung der Fleischfresser sämtlicher Galaxien an und fragt ganz langsam. „Nun? Kannst DU es mir sagen? SCHREIBERLING?“
Ich weiß auch nicht, wie mir damals ausgerechnet dieses Bild vor Augen kam, aber man muß es kennen um zu verstehen, wieso ich nach einer kurzen Pause: „Rumpelstilzchen?“ gesagt und daraufhin die versammelte Anzugträgerkompanie wortlos stehen gelassen habe.

„Nächste Haltestelle Rotenturmstraße!“

Ich schaue auf. Bin ich etwa schon zu weit gefahren? Diese abschweifenden Tagträume sind so etwas wie die Berufskrankheit eines Geschichtenerzähler. Ein Blick auf den Streckenplan beruhigt mich: Noch zwei Stationen.
Bis auf eine Mutter, die versucht ihre zwei Kinder im Vorschulalter darauf einzuschwören, dieses eine mal bei der Großmutter nicht gleich sämtliche Wohnzimmerschmuckgegenstände auf den Boden zu zerren, ist der Bus inzwischen leer.
Also zwei Minuten noch. Kurz spiele ich mit dem Gedanken einfach sitzen zu bleiben, weiter zu fahren. Einmal die ganze Runde, zurück nach Hause und mich dort ganz tief in meinem Bett zu vergraben. Aber ich weiß, daß es keinen Sinn hat. Aufschieben macht alles nur schlimmer. Wenn ich jetzt komme, wird es mir sicher noch zu meinem Vorteil ausgelegt.
Noch eine Station: Der Bus bleibt stehen, die Tür vor mir geht auf und zwei Pensionisten quälen sich die Stufen herauf, offensichtlich auf dem Weg zum Sonntagstreffen der Arbeiterwohlfahrt. Ohne daß ich weiß, welcher Schalk mich reitet stehe ich im nächsten Moment auf und biete den beiden meinen Sitzplatz an. Als ich in ihren Gesichtern auf blankes Unverständnis stoße deute ich erklärend auf das grell gelbe Schild hinter mir:
<>
Lächelnd stolpere ich im anfahrenden Bus nach hinten. Was für ein herrliches Gefühl, ein Böser – ein Outlaw zu sein.
Durch die Windschutzscheibe kann ich schon das Polizeipräsidium sehen. Selbst bei Sonnenschein ist ein trostloses Gebäude. Grau und schmucklos stammt es aus dem 19. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz. Als Kind hab ich dort einmal eine Zeugenaussage gemacht, bei einem Verkehrsunfall. Keine aufregende Sache, ich bin nur am Straßenrand gestanden und war von der Karambolage viel zu fasziniert als daß ich bei der Verhandlung irgendeine Hilfe hätte sein können. Nervös war ich mit meinen 9 Jahren natürlich trotzdem genug. Vorher habe ich eine halbe Stunde auf dem Gang gewartet und durch den Innenhof auf die vergitterten Fenster des Untersuchungsgefängnisses gestarrt. Das muß so sein wie Schule nur ohne Ferien, hab ich mir damals gedacht, aber auch ohne Hausaufgaben.
Der Bus bleibt stehen, ich steige aus, wie auch die leidende Mutter, die versucht ihre hüpfenden Bälger unter dem Schirm zu halten. Drei Paar Schuhe gehen dann gestreßt in Richtungen Großmutter davon. Nur ich stehe noch an der Haltestelle. Erst jetzt bemerke ich die verräterischen Spuren meiner Taten am rechten Zeigefinger. Obwohl ich weiß, daß es keinen Sinn hat, beginne ich daran zu reiben während ich über die Straße gehe. Es ist wieder einmal typisch für meine Familie, daß wir den Geburtstag meines Onkels ausgerechnet im Restaurant „zur Justiz“ feiern müssen. Ein düstereres, stimmungsloseres Lokal kann man selbst mit viel Mühe nicht finden. Hat wahrscheinlich Hans vom Büro aus organisiert. Ambiente, das Wort hat der sicher noch nie gehört.

Den Türgriff schon in der Hand bleibe ich ein letztes mal stehen. Der Tintenfleck am Zeigefinger ist noch immer deutlich zu sehen, dafür ist mein linker Daumen jetzt auch noch blau. Drinnen warten sie alle, die „Wieder mal was verkauft?“ – „Was macht das neue Buch?“ – Partie. Ein tiefer Atemzug dann bin ich bereit. Und wenn es zu schlimm werden sollte, dann brauche ich ja nur an die Geschichte zu denken, die ich heute morgen geschrieben habe.

„Hallo Onkel Ernst! Alles Gute! Tut mir leid, daß ich so spät komme. Was macht das Rheuma?“

Italienische Reise

von

Helmut Zsifkovits

Wir stecken fest. Nichts bewegt sich, wir können nirgendwohin, nicht nach links, nicht nach rechts, nicht vorwärts, nicht rückwärts. Niemand außer uns zieht in Betracht sich rückwärts zu bewegen, aber da vorne sitzt Angelo, der Meister der Kehrtwendungen, der unerwarteten Schwenks, der Rückkehr zum Ursprung, des Denkens in Kreisen.

Jetzt ist auch ihm jedes Schlupfloch verwehrt, die Hände liegen resignierend am Lenkrad des Busses, nur der Gasfuß zittert leicht.
Der Stau auf der Gegenfahrbahn ist wahrscheinlich viel länger, zehn Minuten lang waren wir vorbeigefahren an familiengefüllten Autos und Lastwagenfahrern mit Coladose und Wurstbrot, an schwitzenden und fluchenden Nadelstreifmanagern mit Handy, an quiekenden Viehtransportern, an Bussen voller frohlockenden Schulkindern, die mit diebischer Freunde den Zwangsausfall der Rechenstunde antizipieren.

Alle waren sie stillgestanden, hatten ein paar Quadratmeter Asphalt für sich, manche mehr, andere weniger. Hatten sich zugesehen beim Wurstbrotessen und Colatrinken und Telefonieren und Fluchen. Angelo hatte noch breit unter seiner Sonnenbrille hervor gegrinst und unseren himmelblauen Bus zwischen die feuerroten Ferraris auf der linken Spur gezwängt, unbeeindruckt vom wilden Gehupe.

Irgendwann waren auch wir stillgestanden. Der rote Sportwagen vor uns hatte noch einmal aufgeheult, doch auch die solcherart demonstrierte Kraft der blechbewehrten Pferdestärken hatte nichts an seiner Bewegungslosigkeit zu ändern vermocht. Und Angelos Gasfuß zittert leicht. Wir stecken fest. Eingezwängt zwischen drei Millionen Idioten, die zur Fiera
Ceramica, der weltgrößten Messe für Fliesen fahren. Eine Stadt erstickt. In
zweitausend Jahren wird Bologna wiederentdeckt werden, unter einer Schicht von
fünfzehn Meter Fliesen. Scheiß Italiener. Warum können sie ihre Böden nicht mit Spannteppichen belegen, oder mit Holzparkett. Oder asphaltieren. Oder in ihren Nationalfarben streichen.

Und Angelos Gasfuß zittert leicht. Ohnmächtig starrt er vor sich hin, und die endlose Schlange der Fahrzeuge der Fliesenfetischisten spiegelt sich in seinen Sonnenbrillen. Er sagt italienische Worte, die ich nicht verstehe und wohl besser auch nicht verstehen sollte. Ich krame in meinen Gedanken und finde den italienischen Film aus meiner Kindheit, von dem ich nicht mehr weiß wann er entstanden ist und wer der Regisseur war und wer die Darsteller. Ich weiß nur noch, dass er an einem Abend im Fernsehen lief und „Der Stau“ hieß. Eine Familie fährt in den Urlaub oder aus dem Urlaub. Vielleicht waren es auch drei Freunde auf dem Weg zur Hochzeit des vierten Freundes oder ein
junges Pärchen oder die Teilnehmer an einem Firmenausflug oder der
Produktionsleiter mit der Schwester der Buchhalterin auf dem Weg zu ihrem
verschwiegenen Liebesabenteuer in den Bergen oder am Strand oder am
Autobahnparkplatz. Wer immer sie sind, sie fahren auf der Straße, und plötzlich stockt der Verkehrsfluss, bald darauf steht alles. Die Autofahrer hupen, schimpfen, diskutieren. Sie steigen aus und versuchen die Ursache des Stillstands zu ergründen. Die Schlange vor ihnen scheint endlos, einige gehen los und kehren nach kurzer Zeit wieder und wissen nichts und gehen nochmals los und kommen nach langer Zeit wieder und wissen nicht mehr.

Die Menschen sammeln sich in Grüppchen und kommen ins Gespräch, erzählen sich
und schimpfen und schließen Bekanntschaften. Gemeinschaften entstehen, der
Leidenden, der Zornigen, der Gleichgültigen, der Hinterfragenden. Stunden vergehen, die Straße ist zu einem Campingplatz geworden, mit provisorischen Sitzgelegenheiten und Picknickkörben, Dächern aus Decken und Kleidungsstücken, aufgespannt gegen die lastende Hitze. Als die Menschen begonnen haben sich in ihre Situation zu finden und aufgehört
haben zu fragen und die Sonne verschwunden ist und die Menschen begonnen haben
sich in die Decken einzuwickeln, kommt ein Schrei von vorne, aus der Kolonne der stehenden Autos, ganz fern, dann lauter, wird weitergereicht und erreicht schließlich alle. Etwas hat sich bewegt. Hektik entwickelt sich, die Gestrandeten bauen ihre Behelfsquartiere ab und räumen die Jausenreste und die Kinder und die Meerschweinchen ins Auto und werfen ihren Müll über die Straßenbegrenzung.

Alle sitzen sie wieder im Auto, auch die Familie oder die Freunde oder das Pärchen. Langsam rollt die die Schlange an, Minuten später fließen die Autos wieder dahin, und die Straße sieht aus, als wäre hier nie das temporäre Dorf mit den Menschen und den Treffpunkten und den Gesprächen und den spielenden Kindern gewesen.

Diabolito flucht, nein, er heißt Angelo, immer noch. Der Gasfuß hat aufgehört zu zittern. Seit vier Tagen sind wir unterwegs, mit 21 Studenten auf Exkursion in der Region um Bologna. Jeden Tag fahren wir in eine andere Richtung, und jeden Abend kehren wir zurück nach Ravenna, wo wir uns einquartiert haben, in der Nähe von Dantes Grab und dem Mausoleum des Theoderich und dem Grabmal des Unbekannten Soldaten. Angelo steuert uns mit seinem Bus durch alle Klippen. Nie kommt uns eine Straße bekannt vor, auch wenn wir das Gefühl hatten in die gleiche Richtung zu fahren wie am Tag zuvor. Immer wenn wir denken, nun würde Angelo abfahren, fährt er weiter,
zur nächsten Abfahrt oder zur übernächsten, oder er fährt von der Autobahn ab und wieder auf, und zwei Abfahrten weiter wieder ab. Fiera, sagte er bedeutungsvoll. Mit jedem Tage scheinen die Strecken länger. Angelo chauffiert uns gegen Einbahnen in winzige Seitenstraßen, und auch Sackstraßen akzeptiert er erst als solche, wenn sich eine Mauer vor ihm aufbaut. Er fährt ebenso schnell rückwärts wie vorwärts, und die nationalen Geschwindigkeitsrekorde auf Autobahnausfahrten und in der Einfahrt zu
Mautstellen sind fest in seinen Händen.

Wenn er auf Baustellenabschnitten auf die schmale linke Spur fährt und zum
Überholen ansetzt, lehnen sich die Insassen unseres Busses nach links, als könnten sie so verhindern, dass wir den Sattelschlepper rechts neben uns rammen. Unsterblichen Ruhm erlangte Angelo, als er in einem engen Kreisverkehr eine innere Spur zum Überholen fand, die niemand dort vermutet hatte. Alle im Bus hielten den Atem an, und selbst den temperamentvollen italienischen Autofahrern stockte der Ton in der Hupe.

Und nun sitzt Angelo vor seiner Windschutzscheibe, vornüber gebeugt, die
Sonnenbrille ist auf die Nase gerutscht, der Gasfuß zittert nicht mehr, und Angelo flucht. Dann, plötzlich, ist es wie im Film. Ein Sattelschlepper beginnt sich zu bewegen, weit vor uns in der Schlange, und zieht andere mit in seiner Bewegung. Angelo schnaubt durch die Nase, rückt die Sonnenbrille zurecht und lässt den Motor aufheulen. Dann fahren wir, nein, wir rollen, ganz langsam nur, aber wir sind in Bewegung.

Sechzig Minuten später werden wir es bis zur Ausfahrt 17 geschafft haben, die
verbleibenden vier Kilometer, und dann werden wir bald vor dem Werkstor stehen. Granolatte heißt die Firma, die Milchfabrik ist eines unserer Exkursionsziele. Gestern haben wir zwei Dinge erfahren. Erstens, wir sollen eine halbe Stunde später kommen. Die Arbeiter müssen noch schnell einen Streik beenden, da hat gerade niemand Zeit für uns. Aber dann ist es gut, der nächste Streik ist erst am Dienstag. Zweitens wissen wir nun, dass das in etwas eckigem Englisch formulierte Mail den gesammelten Wortschatz des Unternehmens enthält. Presentatione will be in Italiano, stand am
Ende. Niemand von uns beherrscht mehr Italienisch, als es für die Bestellung einer Pizza Margarita erforderlich ist. Es wird hoch peinlich werden. Wir werden uns gegenüber stehen wie ein neu entdeckter Urwaldstamm im Urwald von Guinea den europäischen Eroberern. Und wir wissen nicht einmal, wer die Eingeborenen waren und wer das Volk aus der Zivilisation. Einer der Studenten schlägt vor, in den Stau zurück zu fahren. Dies würde alles lösen. Aber da eilt schon eine Dame auf uns zu und begrüßt uns mit lautem Buon giorno. In diesem Moment höchster Anspannung erinnert sich meine Kollegin Selina, dass sie in der Schule eine Kurzeinführung in die italienische Sprache erhalten hatte. Drei Jahre nur, aber doch, ein paar Grußfloskeln sind noch da, und sie meint drei Arten von Spaghetti schon unterscheiden zu können.

Die italienische Dame sagt etwas und winkt in einer Weise, die uns die
vorangegangenen Worte als Aufforderung verstehen lässt ihr zu folgen. In diesem Augenblick der Krise fallen Selina noch vier weitere Worte ein, sie meint sogar, sie würde auch noch auf deren Bedeutung kommen. In einem Ausbruch von Heroismus sagt sie, sie werde übersetzen. Wir sind gerettet, die Blamage ist von unserem Land genommen, und Selina ist der große Orden für Verdienste um die Nation gewiss. Die italienische Dame geleitet uns in ein Bürogebäude, führt uns in den ersten Stock, in ein großes Besprechungszimmer und bedeutet uns Platz zu nehmen. Selina sitzt in der ersten Reihe, sie hält ein Wörterbuch umklammert und spricht ein Gebet, zumindest scheint es so.

Heilung

von

Maria Edelsbrunner

Wenn sie den Staub auf den Küchenschränken und den Dreck an den Festern deutlicher wahrnimmt, weiß sie, es ist Frühling. Die Bäume, die sie letzten Herbst gepflanzt hat, scheinen den Winter gut überstanden zu haben.
Zeit, wieder einen Teil der alten Kleider zu entsorgen. Das letzte Stück wegzugeben schafft sie noch nicht, nicht dieses Jahr.
Die Fotos sortieren.
Die Fotos, auf denen beide abgebildet sind, lachend, jeweils eine Bierflasche in der Hand, ein Abend war das gewesen, der sich ins Endlose gedehnt hatte.
Alle Abgebildeten bleiben stehen in ihrem Jahr. Die Bäume im Garten wachsen nicht weiter.
Nur sie selber wird älter, sie achtet darauf nicht fotografiert zu werden, damit sie auch stehen bleiben kann.
Zeit, das Reisig auf dem Grab zu entfernen und die eingegangenen Stiefmütterchen durch frisch gekaufte zu ersetzen.
Es liegt sehr weit entfernt, dennoch besucht sie es regelmäßig.

Sie geht an seiner Seite durch eine belebte Einkaufstraße, es muss wohl in Wien gewesen sein, und sie waren vorher bei einem ehemaligen Arbeitskollegen von ihm zu Besuch gewesen. Der erste Tag im Jahr ohne Strümpfe, der Wind streicht warm um ihre Beine und spielt mit ihrem Kleid und ihren Haaren, eine Eisbude lockt sie, sie essen das erste Eis im Jahr.
Automatisch steuern sie beide auf die gleiche Bank zu, sitzen dort, blinzeln in die Sonne und reden nichts.
Später wird sie diesen Tag als einen der schönsten ihrer gemeinsamen Zeit in Erinnerung haben, so wie alle Erinnerung trügerisch ist.
Die Tage, die sie so für sich haben, sind selten, und wenn sie ihnen zufallen, wissen sie zuerst gar nicht, was sie damit anfangen sollen.
Erst als das letzte Kind auszieht, sind sie wieder ein Paar und können plötzlich das Paarsein nicht mehr.
Sie versehen das Haus mit neuen Fenstern.
Er geht zu den Eisschützen und langweilt sich.
Sie hilft ehrenamtlich in einer Obdachlosenküche mit, arbeitet mit Frauen im ähnlichen Alter, mit ähnlichen Vorzeichen, trinkt Kaffee und lacht mit ihnen und bleibt doch die ganze Zeit für sich und verspürt den Impuls, sich einfach ins Auto zu setzen und nicht nach Hause zu fahren.
Sie versuchen Geschäftigkeit, Hobbys, Reisen, Freundschaftsbesuche und laden ihre Kinder ein, nicht zu oft, damit sie immer noch gern kommen können.
An manchen Tagen stellt sich unvermutet etwas wie Gemeinschaftlichkeit, Zufriedenheit, vielleicht eine Art dumpfes Wohlbefinden ein, dann, wenn sie still nebeneinander sitzen und Kaffee trinken oder wenn sie im Garten den Wein aufbinden und die arbeitenden Hände in geübtem Einverständnis ineinander greifen.
Man könnte glücklich sein, wenn man entschlossen genug dazu wäre.

Der Tag, an dem ihr Schutzmechanismus versagt, ist ihr deutlich in Erinnerung. Sie ist zur Blutabnahme zum Arzt bestellt, trifft dort auf den Ex-Freund ihrer ältesten Tochter und fängt ein Gespräch an. Sie bleibt unverbindlich, es geht sie nichts an, was damals vor sich gegangen ist.
Er erzählt von sich aus.
So hat sie ihn in der Zeit, wo er zur Familie gehört hat, nicht erlebt.
Sie treffen sich nach dem Arztbesuch in einem Kaffeehaus. Er erzählt weiter.
Sie redet immer weniger und schaut ihn nur an.
Sie schaut demonstrativ auf die Uhr, bezahlt die beiden Kaffee und entschuldigt sich.
Die Flucht kommt viel zu spät.
Sie kann gar nicht glauben, dass er sie wieder sehen will.
Sie gehen zusammen auf einen Jahrmarkt und fahren Autodrom und es ist ihr egal, was sie zusammen für ein Bild abgeben.
Sie stehen an einem Weinstand und trinken ekelhaft warmen Welschriesling. Sie umarmen sich, bevor sie ins jeweilige Auto steigen.
Am nächsten Morgen hat sie Kopfschmerzen und macht sich Tee statt Kaffee zum Frühstück.
Ihr Mann schaut sie an und fragt, ob es ihr nicht gut gehe.
Sie denkt an die vergangene Nacht, an das Wachliegen, an das Versprechen.
Sie sagt wahrheitsgemäß, dass sie nicht gut geschlafen habe. Dass sie sich wieder hinlegen wolle. Er hebt andeutungsweise die Schultern und lässt sie wieder sinken und vertieft sich in die Zeitung.
Er drückt ihr einen flüchtigen Kuss auf und fährt in die Arbeit.
Sie zwingt sich zu Routinearbeiten, ruft ihre Freundin an, erledigt Behördengänge, schaut sich eine Ausstellung an, ohne nachher sagen zu können, was sie gesehen hat, besucht ihren Sohn, putzt ihr Auto außen und innen, rupft abgeblühte Sommerblumen aus und wirft Laub auf die abgeschnittenen Rittersporne, versieht die Rosenbüsche mit Mist, gräbt Dahlienknollen aus und Tulpenzwiebeln ein und kommt nicht zur Ruhe.

Erschöpft und aufgedreht sitzt sie ein paar Tage später auf der Terrasse, eine Decke um die Schultern, die flachen Strahlen der Oktobersonne auf dem Gesicht und versucht, sich in ein Buch fallen zu lassen.
Als das Handy läutet, wird es endlich still in ihr.
Sie schreibt einen Zettel und sperrt das Haus ab.
Sie holen sich Kaffee in Plastikbechern, finden einen Platz am Flussufer, wenig frequentiert, setzen sich nah nebeneinander und reden und reden, und ihre Hände finden sich ganz selbstverständlich.
Eine große Ruhe breitet sich in ihr aus, als sie sich folgerichtig küssen.
Das Handy vibriert schon zum wiederholten Mal in ihrer Hosentasche.
Sie vereinbaren nichts und verabschieden sich.

Im Auto sieht sie endlich nach, wer angerufen hat und erkennt die Nummer nicht.
Ihr ist schlagartig klar, dass sich alles ändern wird, wenn sie zurückruft.
Der Arbeitskollege ihres Mannes scheint selber unter Schock zu stehen, so sachlich und unbeteiligt klingt seine Stimme.
Erst am Ende des Gespräches versagt sie ihm. Er bietet ihr an, sie ins Krankenhaus zu fahren.
Sie lehnt ab und fährt los. Ein Mädchen in einem hellgelben Mantel überquert einen Zebrastreifen, es trägt schwarze Schnürstiefel, die eingezogenen Bänder sehen schmutzig aus. Die Haare leuchten in einem verwaschenen Orange
Noch Jahre später kann sie jedes Detail an diesem Mädchen beschreiben.

Was sie von ihrem Mann zu sehen bekommt, sind Kabel, Schläuche, bleiche Hände auf weißem Bettzeug und die groteske Silhouette darunter, die von einem vollständig und einem halb abgetrennten Bein herrührt. Sie darf anstandslos zu ihm.
Sie berührt seine Hände, küsst sein Gesicht auf eine unverletzte Stelle. Eine Krankenschwester bringt ihr einen Sessel und ein Glas Wasser. Sie setzt sich nah zu ihm und erstarrt.
Es scheinen Stunden zu vergehen, bis ein Arzt kommt und sie zum Gespräch bittet.

Die Versteinerung löst sich erst Wochen nach dem Begräbnis.
Nach einem Gespräch mit ihren Kindern überträgt sie den Verkauf des Hauses einem Maklerbüro und findet weit entfernt ein kleines Häuschen mit großem Garten.
Sie gräbt ihre Rittersporne und Rosenbüsche aus, packt die Papiersäcke mit den etikettierten Dahlienknollen ein und siedelt weitere Pflanzen um. Die Tulpen, der Lavendel, die Obstbäume, die Weinstöcke bleiben zurück.
Sie setzt sich mitten in ihrem neuen Garten auf die Erde und beginnt auf einem Bogen Packpapier einen Plan zu zeichnen.
Anfang Dezember entzündet sie in einer großen Schale auf der Terrasse ein Feuer.
Sie wartet, bis die kleinen Buchenscheite eine schöne wärmende Glut ergeben.
Dann legt sie ihr Handy darauf und sieht zu, wie es sich verwirft, Blasen bildet und dabei ein hässliches Ächzen von sich gibt.