Der Tod der Radfahrerin

Vor dem Gasthof stellt Rosa ihre Reisetasche ab. Mit einem Taschentuch wischt sie sich die Stirne trocken. Schweiß rinnt von ihren Achseln. Sie stützt sich am Torbogen ab. Der Stein fühlt sich bröselig an.

„Ich werde hinein gehen“, sagt sie.

Sie bückt sich nach der Tasche, die Schulter schmerzt vom Gewicht, sie öffnet die Tür und bückt sich wieder, weil der Torbogen so niedrig ist. Sie schaut sich um. Über ihr rissiges Holzgebälk. Unter ihr Kachelboden. Vor ihr ein Tischchen mit einer Holzfigur: Eine Frau, die Knie zur Brust gehoben, der Kopf nach vor gebeugt, Hände und Oberarme an den Kopf gepresst. Rosa berührt den Rücken der Gekrümmten.

„Sie wünschen?“, sagt jemand.

Rosa erschrickt.

„Sind Sie bei der Gruppe?“, fragt ein Mann.

„Ja.“

„Die Umweltgruppe?“

„Nein.“

„Die Familienaufstellung?“

„Nein, die Schreibgruppe.“

„Welche?“

Rosa nennt den Namen der Literatin.

„Ah, bei der“, sagt der Mann. Und dann: „Wir haben kein Doppelzimmer mehr, das Sie mit jemandem teilen könnten. Nur mehr Einzelzimmer. Ist leider teurer.“

Geld, denkt Rosa. Als wäre das noch wichtig. Der Mann führt sie eine Treppe hinauf, die Reisetasche muss sie tragen. Der Schlüssel, den er ihr in die Hand legt, ist so lang wie ein Suppenlöffel, und das Schloss zu ihrem Zimmer ist älter als Rosas Mutter.

Der Nachmittag ist noch etwas sonnig. Rosa geht im Garten umher und macht Fotos mit ihrem Handy. Vielleicht darf sie die Bilder mitnehmen. Erinnerungen vom letzten Tag. Aber auch das Handy werden sie ihr nehmen. Sie könnte ihren Freund anrufen. Und was sollte sie ihm sagen? Alles? Was könnte er tun? Nichts.

Sie denkt daran, dass sie mit ihm glücklich ist.

Glücklich war.

Eigentlich.

Bei Sonnenuntergang das gemeinsame Abendessen. Die Teller werden aufgefüllt. Jemand sagt Mahlzeit, Rosa greift nach der Gabel. Jemand erzählt Rosa irgendetwas. Rosa legt die Gabel zur Seite. Sie greift sich an den Hinterkopf. Dabei hatte sie noch so viel vor im Leben.

Zum Beispiel.

Dies.

Oder das.

Sie denkt an ihre Schwester. Die mit Haus und Mann, aber nicht an die, die jetzt durch Asien zieht und ab und an Postkarten schreibt, von Orten, die Rosa aus den Nachrichten kennt, wenn es wieder einmal Unruhen dort gibt und sich Mutter Sorgen macht.

Dann die erste Sitzung. Die Literatin kommt in den Saal, unter ihrem Arm ein Stapel Bücher. Feuerrotes Haar mit dunklem Ansatz. Die Literatin schreibt ihren Namen auf das Flip Chart. Malt eine Blume über dem I. Der Filzstift quietscht. Eine Minute lang. Wegen der vielen Blütenblätter. Die Literatin redet über das Ausschmücken von Texten. Weiblichkeit und Fülle in die Literatur bringen. Adjektiven den Raum geben, den sie verdienen. Duftende Sprache, meint sie. Und bunte Wörter. In der Vorstellungsrunde sagt Rosa, dass sie mit dem Schreiben angefangen hat, um sich über Dinge klar zu werden. Die anderen schauen sie an. Draußen klimpert ein Glockenspiel im Wind. Jetzt spricht wieder die Literatin. Die erste Aufgabe. Wir suchen Adjektive, die uns beschreiben. Rosa fragt sich, ob Rot ein Adjektiv ist.

Auch ein Mann ist dabei. Nachher stellt er sich zu Rosa. Sie war elf, als er geboren wurde. Was er denn bei Frauenliteratur zu suchen hätte.

„Ich will einen großen Frauenroman schreiben“, meint er.

Er schaut Rosa an.

„Frauen verstehen?“, fragt sie.

„Ja“, sagt er. „Frauen über dreißig.“

Sie sprechen über Literatur. Dann gehen sie auf sein Zimmer. Sie klettert auf das Hochbett, er stützt sie dabei, mit seiner Hand auf ihrem Po. Kondome? Das ist doch auch schon egal. Aber er hat welche. Er bemüht sich. Er bindet sogar ihr die Augen zu. Er rollt sie auf den Bauch, legt sich auf sie, seine Hände unterfassen ihre Brüste. Sie sagt, du kannst mir richtig wehtun. Er bemüht sich.

Als es vorbei ist, richtet sich Rosa auf, stößt mit dem Kopf an die Zimmerdecke. Sie krümmt sich, zieht den Kopf zum Kinn, umfasst ihren Schädel. Er berührt sie, sie schüttelt sich. Als sie wieder denken kann, nimmt sie die Augenbinde ab, steigt die Leiter hinab, sammelt ihre Sachen ein, geht in ihr Zimmer, wäscht sich das Gesicht. Die Reisetasche gepackt, die Hände in den Schoß gelegt, die Haare aus der Stirn gestreift. Das Fenster offen. Der Wind hat nachgelassen, das Glockenspiel schweigt. Um vier Uhr morgens ist es soweit. Es klopft. Rosa erhebt sich. Zwei Männer.

„Wir sind wegen dem Unfall hier“, sagt der eine.

„Wir sind wegen des Unfalls hier“, sagt der andere. „Gestern Nachmittag.“

Sie gehen die Treppe hinab, vorbei an der Gekrümmten aus Holz, dann durch den steinernen Torbogen hinaus ins Dunkle.

„Ist das ihr Wagen?“, fragt einer. Mit seiner Taschenlampe beleuchtet er die Kühlerhaube. Etwas wird sichtbar.

(Entstanden anlässlich der Schreibwerkstatt mit Robert Schindel in Langschlag, September 2005. Die Aufgabenstellung lautete: Einen Text zum Thema „Tod einer Radfahrerin“ oder „Tod eines Radfahrers“ zu schreiben. Dabei durfte der Tod des Radfahrers nicht expliziert werden (Aussparung). Der Schlusssatz war ebenfalls vorgegeben.)

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Haiku

Eins:

Vor dem Glashaus liegt
ein Stein, doch nutzlos ist er,
zu schwer zum Werfen.

Zwei:

Drei kleine Haikus
spazierten auf der Straße,
Lastauto und aus.

Drei:

Ich schreibe Haikus
über Meere und Fische:
Hans Hass gab Hai Kuss.

Gehört am 11.9.2005 um 9:10 im Gasthof Wurzelhof in Langschlag bei Großgerungs:

Zur Nazizeit stand
dort nicht die Kaiserbüste?
Die? Steht immer noch.

(Die Haikus entstanden anlässlich der Schreibwerkstatt mit Robert Schindel September 2005. Die Aufgabenstellung lautete: Schreibe Haikus)

Chlorid

Draußen der Nebel, und ich sitze seit viereinviertel Stunden auf meiner blauen Couch. Es dämmert. Ich höre mich atmen.

Ich mag diese Couch. Die Lehnen sind schräg. Man kann sich bequem nach hinten lehnen. Vor viereinviertel Stunden habe ich die Handflächen neben meine Oberschenkel gelegt. Dort sind sie immer noch. Wenn ich etwas bewege, dann hauptsächlich die Augen und nur wenig den Kopf.

Das Wohnzimmer ist geräumig.

Links die drei Fenster. Keine Vorhänge, keine Jalousien. Ich habe in der Regel nichts zu verbergen.

Rechts die Wohnküche.

Weiße Kästen, alles sauber. Ich habe in der Regel nichts zu kochen.

Hinter mir eine Wand mit dem gemalten Bild. Wenn ich mich umdrehte, könnte ich es sehen. Aber das tue ich lieber nicht. Vor viereinviertel Stunden ist es noch da gehangen. Wenn es jetzt fort wäre, es würde meine Situation verkomplizieren. Darum denke ich mir, dass es noch da ist.

Über mir eine weiße Decke.

Unter mir, zwischen Boden und Fußsohlenhaut, ein Teppich.

Vor einigen Wochen hat sie mich besucht. Sie hat gelacht. Und dann hat sie gesagt, du wohnst schon so lange da, es sieht aber so unbewohnt aus, wann kaufst du dir Möbel. Da habe ich mir diesem Couchtisch besorgt. Dreifüßig, mit der Glasplatte, die auf drei Saugnäpfen ruht.

Ich höre das Atmen.

Neben mir, auf der Couch, dort, wo ein anderer Mensch Platz finden könnte, steht das Telefon. Es hat geläutet, ich bin aufgewacht, ins Wohnzimmer gewankt und habe mich hergesetzt. Der Anrufbeantworter hat sich eingeschaltet. Mein Ansagetext. Dann schweigen. Atmen. Der Anrufer offenbar verwirrt, nicht mit mir persönlich zu sprechen.

Dann hat er etwas gesagt. Seine Stimme hat im Zimmer gehallt. Ich habe den Hörer nicht abgehoben, denn die Stimme hat gleich geklungen wie die von der Ansage. Und ich bin sicher, dass ich die Ansage selbst aufgesprochen habe.

Die Stimme hat gesagt: „Ich bin am Sterben.“

Aufgelegt. Zweimal das Tuten des Telefons.

Stille.

Seither blinkt der Anrufbeantworter wegen der neuen Nachricht, und ich sitze hier. Die Handflächen neben den Oberschenkeln am weichen, blauen Couchüberzug.

Ich denke mir etwas. Nämlich, dass die Stimme nur aus einem Traum stammt. Dann denke ich nichts mehr. Spüre nur den weichen Möbelstoff auf den Handflächen und den Teppich auf den Sohlen. Früher habe ich über vieles nachgedacht. Aber da hatte ich noch Pickel. Die sind dann verschwunden.

Das Atmen wird lauter. Es ist fremdes Atmen.

Ich schaue auf die Saugnäpfe, auf denen die Glasplatte ruht. Wenn ich die Platte hebe, löst sie sich dann vor den drei Tischfüßchen? Ich beginne mich zu bewegen, um das auszuprobieren. Das Glas haftet nicht. Ich lege das Glas auf den Teppich, lecke die drei Saugnäpfe ab. Dann lege ich die Glasplatte wieder darauf, anpressen und warten. Zum Warten setze ich mich wieder auf die Couch. Es ist eigentlich alles so wie vorhin. Bis auf den Speichel zwischen Saugnäpfen und Glasplatte. Der Anrufbeantworter blinkt.

Das fremde Atmen will ich nicht mehr ertragen.

Ich stehe auf, mache vier Schritte zur Wohnküche und ich öffne einen Kasten. Da sind die weißen Plastikflaschen eingeordnet, mit je einem Liter Chlorid. Ich achte darauf, dass ich immer zehn habe. Man weiß ja nie, es kann schlimme Nächte geben. Chlorid erspart die Hausapotheke. Denn wenn alles sauber ist, gibt es keine Krankheit.

Ich schraube eine solche Flasche auf. Entleere sie in den Ausguss. Ein Aufschrei. Weißer Schaum dringt heraus, ich weiß, der Abfluss ist seit langem verstopft. Das Schreien verebbt, geht in Stöhnen über. Ich lege die Hand auf die Nirostaabwasch, spüre das Zittern. Wie von einem Fieberkranken mit Schüttelfrost. Drehe den Wasserhahn auf, Entspannung, das Zittern lässt nach.

Ich weiß, was da im Abfluss fest sitzt. Amorphe Masse, fett geworden. Es hat schwarze, glitschige Haut. Ich kenne es aus diesen Träumen, von denen ich nicht erzählen werde. Wenn die Säure seine Haut zerfrisst, gibt es Ruhe. Für eine Weile.

Ich könnte jetzt schlafen gehen.

Draußen der Nebel. Nach meiner Uhr müsste die Sonne schon aufgegangen sein. Nein. Stattdessen ein Grauschleier, nur gut, dass die Fenster zu sind, sonst würde der Nebel eindringen, sich über mein Gesicht legen und mich ersticken.

Ich sollte die Wohnung verlassen.

Vorher gehe ich noch zur Toilette. Aus Gewohnheit. Vergesse, dass ich nicht hinein kann. Denn die Türe ist von innen abgesperrt, noch immer.

Dass ich nicht ins Klo kann, ist kein Problem. Ich benutze eben das Waschbecken, ich schaue mir dabei gerne ins Gesicht, ob ich noch pickelfrei bin. Zwei Tage, nachdem sie sich eingesperrt hat, habe ich den Türspalt zugeklebt. Mit Isolierband. Wegen des Geruchs. Nach einer Woche ist etwas durchgesickert. Unter der Türe. Also habe ich Fensterkitt verwendet.

Seither keinen Damenbesuch mehr in dieser Wohnung.

Ich war gezwungen, meinen Stuhlgang anders zu organisieren. Dafür habe ich mir die Verschweißmaschine angeschafft. Eine praktische Sache für Lebensmittel, die man luftdicht in Gefrierbeutel verschweißen will. Aber ich habe in der Regel keine Lebensmittel. Und auch keine Gefriertruhe. Darum verwende immer zwei Gefrierbeutel, doppelt hält besser, denke ich, wegen des Geruchs. Die Plastikbeutel schlichte ich über den Chloridflaschen ein.

Ich verlasse die Wohnung.

Ich gehe in die Garage.

Starte meinen Wagen, kontrolliere, ob die Klimaanlage auf Umluft eingestellt ist.

Fahre durch die Stadt, parke, steige aus, halte mir ein Taschentuch vor das Gesicht, wegen des dichten Nebels.

Gehe in ein Haus, in den zweiten Stock. Ordination Dr. Müller steht hier. Ich läute, die Empfangsdame schaut mich an.

„Was haben Sie?“, fragt sie.

„Müde bin ich“, antworte ich.

„Ach, warum denn?“

„Heute habe ich mich mitten in der Nacht angerufen. Das hat aufgeweckt.“

Sie kichert, ich gehe durch das Wartezimmer, wo schon etliche Frauen sitzen, ich grüße, gehe in das Behandlungszimmer, ziehe mir einen weißen Mantel über das Sakko und lese die Krankengeschichte der ersten Patientin. Ich bitte sie herein, eine junge Frau. Halbjährliche Untersuchung. Ich sage ihr, sie soll sich frei machen, wir machen jetzt einen Abstrich, das kennen Sie ja. Sie setzt sich auf den Stuhl, die Beine hoch und gespreizt, sie erzählt mir unaufgefordert von ihrer letzten Beziehung. Frauen erzählen mir immer viel. Sie vertrauen mir.

Ich werfe einen kurzen Blick auf ihr Geschlecht, dann ziehe ich mir Gummihandschuhe an und öffne den Kasten, wo ich die Chloridflaschen eingeordnet habe.

Peter gewinnt den „Natur pur“ Wettbewerb!

Peter bei der Natur-pur Lesung

Zum Finale des ihres diesjährigen Literaturwettbewerbs hatte die Bücherei Margarethen 11 AutorInnen zur Finallesung nach Wien geladen. Jede TeilnehmerIn durfte den eingesandten Text vor (zahlreich erschienenem) Publikum lesen, und wurde anschließend von diesem benotet. Nach einer ebenfalls unter dem Motto „Natur pur“ stehenden Fotoshow hatte die Jury die abgegebenen Stimmzettel ausgewertet und der Präsident der Wiener Büchereien konnte das erfreuliche Ergebnis bekannt geben: Peter Heissenberger wurde vom Publikum für seinen Apfelkrimi das beste Zeugnis ausgestellt. Neben den literarischen Lorbeeren für sich und Grauko durfte er auch den Gutschein für einen Urlaub im Nationalpark Thayatal mit nach Hause nehmen.

Niels mehr Naomi, Oda?

Es ist nicht wirklich ein Rainer Maria Zufall, dass plötzlich alles Andreas sein soll. Ich dachte zunächst, dass mein Bewusstsein mir einen Patrick spielte, und ich bin noch immer ganz geschüttelt von dem, was ich da heute Früh in der Zeitung lesen hab müssen. Nichts ist mir mehr Clara.

Ich verließ heute meine Bettina um halb Sixtus und traute meiner Iris nicht, als auf der Titusseite der „Neubert freien Presse“ stand: „Staat sagt: Niels mehr Naomi, Oda?“ Wir dürfen keine Naomis mehr verwenden – Niels? Das ist keine Kleinigkeit, das ist Rudimentär. Gut, unsere Giselschaft und Sprache ist in den letzten Jahren von Naomigebungen überflutet worden. Allerdings ist das ein ganz Normaner Trent, genauso, wie vor Jahrzehnten unsere Sprache von Angelas überschwemmt worden wurde, und davor von Franzis. Wir haben das alles ganz Gutbert überlebt. Aber plötzlich Austin mit all den schönen und unschönen Naomis? Plötzlich ein Bantus auf jegliche Verwendung von Naomis? Plötzlich Goldiestrafen, wenn man nur an Naomis denkt!? Absolute Kurtsichtige KontRoland? Das ist Hartmann!

Wie soll ich denn mein All-rund-herum plötzlich nennen, damit mich jeder versteht, wenn ich keine Naomis mehr verwenden darf? Vergessen sind ja die Olganale, vergessen, wie man alles früher nannte und schrieb. Sven der Saat unbedingt will, dass wir keine Naomis mehr verwenden dürfen, dann ohne Michi. Ich will meine Kebabette noch immer am Jimbiss essen, meinen Johnnie Walker an einer Barbara trinken, mir meinen SonnenBrandon noch immer im Sindbad holen, mein Glück in der LottokollektUrsula versuchen, mir Medizin von der ApotHeike holen und im SuperMark an der Kassandra mein tiefgefrohrenes Gordon-bleu zahlen. Und wie soll man das den Lenas in der SchUlrike beibringen, die da alles wieder umlernen und umlehren müssen? Da kann die SchUlrike gleich ihre Doris schließen! Und darf ich jetzt keinen Roman Oda Ramona mehr lesen?

Hias meine Botschaft!

Das ist der TodeszungenMarkus für eine moderne Sprachkultur und Giselschaft, die sich halt der Naomis angenommen hat. Mickrig und Minni kommt mir das Ganze vor. Man kann doch einfach nicht Pascalisch alle Naomis verbieten! Dann werden wir ja Robertisiert. Maximilian hätte ich mir vorstellen können, dass Manfred darüber debattiert. Aber alles so Ernst und Willibald und ohne jemanden zu fragen? Was kann Rainer sein, als die Gedanken und Freiheit so auszudrücken, wie es einem gefällt? Josomirgott!!!! Niels, Nina!!!!! Ich lasse mich nicht Benediktieren!!!!! Nein, Anke!!!

Megan die hohen Herren denken, was sie Mechthild, aber da müssen sie sich den Konrad von einem Gescheiteren holen. Horst du schon einmal gehört, dass man über das Volker einfach so bestimmen kann? Kent irgendwer eine Bundes-Regina in den Hauptstädten der Welt, die sich heute so was Traudel? Das war früher, das war einst. Da müssen sie schon Freda aufstehen. Wir wollen doch alle nur Fridolin und Gottfried; und dann das! Aber was soll man schon machen, als kleiner Burkhard? Nadja. Simon wir uns ehrlich, viel geht da nicht. Da steht man dann am Glenda vor dem Abgrund der Staatspflicht und muss sich entscheiden, spring ich, Oda Nick? Und springt man, dann kommt man hinter Brigitta. Magdalena denken was er/sie will, aber Karina schert sich um den kleine(n) Mann/Frau.

Margot! Was kann ich tun? Nidger mit dem Staat – schreit’s mir aus der Brust! Aber aus der Notker werden die besten Idas geboren. Aber ich bin Alaina zu schwach und zu Atlas. Ich möchte einfach nur Heidi und in Frieda gelassen werden. Würde mich aber im Kampf gegen diese Parteidiktatur jemand unterstützten – Tanja!!! Schluss mit Heidi und Frieda! Sofort wär ich dabei. Aber Alaina ist das alles ein Moritz. Und ich war mit Mut immer Percy. Ich glaube, ich kümmere mich um dieses Problem Petra. Nein, nicht Petra, dass wär zu Peter!

Aber ich Rene mir sicher nicht mehr Alaina die Füße Kunigund. Ich, Nick!!! Mir wird da der Sigismund verschlossen bleiben. Vielleicht braucht man da schon einen wackeren Silvester, um ein neues Zeitalter der Freiheit zu beginnen. Doch ich bin gerade mal der kleinste Tyler jedes Bruches mit Traditionen. Aber Tess kann doch nicht wahr sein!!! Mir scheint, ich bin der letzte Thilo, der für Freiheit kämpfen will.

Was Trent uns, junge, wilde Geneva-ration? Ich brauche gerade EUCH. Hört doch auf durch stupide Fernsehkanäle zu Seppen! Georg ein Risiko ein! Ich war auch ein-Marlene so jung wie ihr, lange Zeit Trevor. Es dreht sich alles nur um eine Frage, die geschlechts- und zeitlos ist: Toby or not Toby! Wie Veit wollen wir uns Norbert unterdrücken lassen? Wendy Stunde geschlagen hat, und Sven wir uns verbünden würden, dann schlagen wir zu! Ich brauche Mut, genauso Wido! Willie das, musst du das auch wollen! Sei ein Freund der Freiheit! Wir werden unseren Kampf nicht mit Darleen bezahlen, sondern mit Blut. Andy Tyrannei und Unterwerfung will und kann ich mich nicht erinnern! Brent der Hut, braucht man eben Blut und Mut! Da braucht man im Gemüt eine gewisse Constanze. Klingt das alles zu Dick und aufgeBlasius? Nadja. BeEugen wir die Fakten: Die meisten denken, alles ist Ewald und ein Anders sollte das machen. Jedem liegt die Initiative Fernando; und sie Hadrian, weil zu Paul. Ibrahim fühlen sie dieses Verlangen nach Freiheit – tun aber nichts. Igor – sie versagen und fühlen sich miserabel.

Aber wir, wir edlen Wilden – ihr könntet mit mir können – seid doch alle Edeltraut! Aber eigentlich ist mir Blut zu blöd und deshalb machen wir das ganz Gerlinde. Sonst sperren sie uns hinter Gitta. Herta und fester im Herzen zu werden ist klug. Das Herz darf nicht Jill-en. Gwen das Herz gewinnt, ist uns aller emotionaler Reichtum sicher. Sperren wir diese Bundes-Regina in Kate-n!!!! Kasimir kann mir sagen, dass das nicht funktioniert. Manuel zu reagieren und Blut zu vergießen, ist falsch, der Gedanke und das Gefühl zählen. Ja, es stimmt, wir brauchen schon ein Miriam, Eva-tuell Geld (aber wer ist schon Richard?), dass das gelingt, aber Melinda gesagt, du brauchst nur DICH, um alles zu schaffen. Sonst verläuft alles in Sandra.

Hoch heben wir unser mit Rainstem Wein gefüllte Tassilo und schwören uns Perpetua, dass Phil geschehen muss, damit wir unsere Ziele erreichen! Ich will Naomis!!!!! Das würde mich Felix machen. Das ist jetzt nicht der Placido und die Zeit, um Zweifel zu hegen. Ihr braucht Stefan-vermögen. Ich will kurz, Prikt und Prokop euer Einverständnis. Habakuk dich in den Spiegel! Sebald ihr euch entschieden habt, stürmen wir los im Naomi der Freiheit! Sam-a Revolution, Oda Nick? Jack it out!

Sicher schaffen wir das – Nona, Nora, net!

Ich würde 100 Liter FreiPia zur Verfügung stellen, wenn wir eine Damianstration Balduin organisieren könnten.

Text von Helmut

Nachts auf der Reeperbahn

Satt war ich davon nicht.
Eineinhalb Sushi, und ein paar mickrige japanische Spießchen. Ein paar Bier in spießiger Runde. In-Treff nannten die das.
Ich zog los. Hotelwärts. Auf der Suche nach etwas Essbarem jeden Umweg in Kauf nehmend. Die Seitenstraße aufwärts. Dorthin, wo mehr Licht war. Auf das Rot zu und das Grelle.
Burschi, komm rüber, rief eine Stimme von drüben, von der anderen Straßenseite.
Hast was zu essen? rief ich zurück.
Ein wenig fühlte ich mich geschmeichelt durch das Burschi, aber ich ging doch nicht. Und sie kam nicht. Es gab hier klare Zonen und Straßenseiten, schien es.
Mitten drin war ich nun im Licht. Leuchtreklamen, Lichtkörper, Funkeln und Blitzen. Versprechungen und Verlockungen. Torkelnde Gestalten, lachend, suchend. Eingemummte Körper in Torbögen. Männer, in Eingängen verschwindend, wiederkehrend. Auf den Gehsteigen Gedränge, trotz der späten Stunde. Ich suchte auch, vergebens, war wohl zur falschen Zeit am falschen Ort. Ging nach rechts, in die Richtung, wo ich das Hotel vermutete. Die Lichter wurden weniger, wechselnden von Rot auf Blau und Weiß. Blinkten nicht mehr so stark, waren mehr Wort als Bild. Seriös fast.
Die Reeperbahn, nahe dem Ende. Hier oben war nicht mehr viel los. Cafès, schon finster. Lokale, die die Sessel schon auf den Tischen hatten. Mürrische Figuren, die mit Besen zwischen den Tischen die Reste der Nacht hinaus fegten. Shops, mit heruntergelassenen Rollladen. Schilder, nicht mehr beleuchtet. Ich wechselte hinüber, aber die andere Straßenseite sah nicht anders aus.
Eine Front war noch etwas heller, und da waren ein paar Gestalten.
St. Pauli Food. Arroganter Name für die Dönerbude.
Fleischliches nur noch in Form von Currywurst und Kebab.
Genau das, was ich wollte. Mein Magen verlangte nach etwas.
Ich strebte hin.
Zwei senkrechte Fleischspieße. Mit nur mehr wenig Fleisch. Der dazugehörige Türke hinter dem straßenseitigen Tresen. Im Gespräch mit zwei Männern, die nicht ins Bild passten.
Schwarzer Anzug, glänzend polierte Schuhe, dunkle Krawatte, kurz geschnittene Haare. Einer wie der andere. Auf der Straße, etwas entfernt vom Tresen stehend.
Versicherungsvertreter auf Abwegen.
Priester auf Mission.
Manager des Geschäfts dieser Straße.
Ich trat durch die Glastür, vorbei an den Schwarzmännern. Der Türke sprach weiter mit ihnen, es dauerte, bis er kam.
Ein Döner. Kalb.
Mit allem? Mit allem.
Die beiden schwarzgekleideten Gestalten waren hinter mir durch die Tür gekommen, wie ich nun bemerkte.
Was wollt ihr, fragte Ali. Ich nenne ihn so.
Auch einen Döner.
Mit allem? Mit allem.
Die beiden setzten sich an einen der kleinen Tisch, die an der Wand standen. Ich lehnte an einem schmalen Board, das gleich rechts nach dem Eingang an der Wand angebracht war.
Was macht ihr, fragte Ali.
Wie sind Transportunternehmer. Überführer.
Ja? sagte, fragte Ali.
Wir arbeiten für ein Bestattungsunternehmen.
Tote? fragte Ali.
Wir überführen.
Es sprach immer nur der eine, der mir gegenüber saß. Dunkles Haar, gescheitelt, mit viel Pomade drin. Vom anderen sah ich nur die breiten schwarzen Schultern und den Hinterkopf, kurz geschorenes Haar, dunkelblond.
Wie seid ihr dazu gekommen, hörte ich Alis Stimme.
Ein Schulkamerad, den ich nach Jahren wieder getroffen habe. Ich war arbeitslos und ziemlich herunten, damals. Komm mit, hat er gesagt, komm mit für einen Tag. Schau dir das an. Das habe ich dann gemacht.
Du fährst irgendwohin, ladest auf, bringst die Leiche zum Friedhof, oder sonst irgendwohin, wo die sie haben wollen. Ist eigentlich klasse. Seit einem Jahr bin ich dabei.
Er sprach sehr korrektes Deutsch, aber es wirkte, als fiele es ihm nicht ganz leicht, als bemühte sich darum, weil das zu seinem Auftreten und zum schwarzen Anzug passte.
Verdienst gut? wollte Ali wissen.
Wie man es nimmt. 15 pro Überführung. Aber manchmal bist du zwei Stunden unterwegs oder mehr. Sind dann 7,50 die Stunde. Dazu noch die Bereitschaft. Du wartest, bis ein Anruf kommt. Stunden. Leicht verdientes Geld, sagt der Chef. Jetzt beispielsweise sitzen wir hier auf der Reeperbahn und plaudern schön. Hat ja recht, der Chef.
Aber du fährst auch nach Sylt und Berlin. Fährst hin, holst oder lieferst ab, kriegst zu essen, Chicks am Weg.
Kannst auch länger bleiben, wollte Ali wissen.
Manchmal schon. In Russland war ich, die wollten den dort eingraben. Da kannst schon eine Nacht anhängen, fährst am nächsten Tag zurück. War nicht wirklich gut dort. Aber in Italien und Frankreich war ich, das war klasse.
Manchmal bin ich auch hier eingesetzt. Der Besitzer vom Imbiss unten, weißt du noch? Den hab ich überführt.
Die Döner sind fertig, erst meiner.
Zum Essen hier, fragt Ali.
Nein, sage ich. Nein, ja, doch, hier.
Ich will die Geschichte hören.
Es ist warm im Raum, und riecht verraucht. Ich ziehe die wetterfeste Jacke zu, auch wenn es dadurch noch heißer wird. Damit mein dunkler Anzug nicht zu sehen ist. Ich will nicht auffallen, versuche eine müde Gestalt zu sein, die teilnahmslos am Döner beißt.
Damit keiner fragt: Überführst du auch?
Was habt ihr für einen Wagen, will Ali wissen, als er den beiden ihre Döner bringt.
Die Augen des wortführenden Überführers leuchten.
Mercedes, 230 Sachen, mit allem, was Mercedes hat, Klima und so.
Wenn du die Leiche reinschiebst, brauchst nur anzutippen, und die Hecktür geht zu. Mit einem Schnurren. Echt klasse. Ist gleich verriegelt, da kann nichts aufgehen, wenn du bremst. Wär ungut, irgendwie.
230, wow, höre ich Ali.
130.000 kostet das Teil. Da musste ein normaler Mercedes zerschnitten werden, dann haben sie ein neues Heck angebaut. Ist schwer. Bilden sich Risse, manchmal, dort wo das angeschweißt ist.
Ich finds nicht in Ordnung, dass so ein Wagen anders verwendet wird, sagt der Überführer. Ich kenn einen, der schiebt am Wochenende den Kinderwagen rein. So was gehört sich nicht. Die Leute wollen, dass ihre Toten ordentlich behandelt werden. Ich hab schon islamische Tote überführt, aber es gibt auch islamische Kollegen, die machen nur das. Ist besser so, für die Familie ist es einfacher, wenn das einer macht, der das alles kennt, das Land und so.
Mein Kollege – er deutet mit dem Döner in der Hand auf Überführer Zwei – hat zigeunerische Freunde, und einmal ist er gefahren, und die waren da und waren so froh, dass er das macht und nicht irgendeiner. Da musst dann den Leuten auch zuhören, kannst nicht gleich weg fahren. Auch wenn’s deine Zeit ist. Der Überführte wird in die Leichenhalle geschoben, und du wartest, bis alle wieder da sind. Da merken sie dann, dass dir das auch nicht egal ist. Das ist richtig so.
Und du fährst nicht 230, gar nicht. Das gehört sich nicht.
Ich kaue langsamer, viel Döner ist nicht mehr da. Hinten steht ein Getränkeschrank, ich mache es den beiden Überführern nach und hole mir ein Bier.
Ich halte die Flasche Ali hin.
Zwei sechzig, sagt Ali.
Hier, fragt er.
Hier, sage ich.
Dann ist nur zwei.
Ich habe ihm zwei sechzig hingelegt.
Passt, sage ich und stelle mich wieder an meinen Platz an der Wand.
In engen Gassen ist es manchmal schlimm.Da musst du stehen bleiben, mit Warnblinklicht, und die Idioten hupen. Ich kann doch nicht den nächsten Parkplatz suchen und mit dem Handwagen durch die Gegen fahren.
Es ist nicht schlimm, du kennst die Leute ja nicht. Und hast sie vorher auch nicht gekannt.
Die Feuerwehr hat’s viel schlimmer. Die schneiden irgendwen aus dem Auto, und dabei stirbt er. Wenn wir kommen, ist das schon alles vorbei.
Ali erzählt von Istanbul.
Das ist nicht irgendeine Stadt. Istanbul ist genau zwischen zwei Kontinenten, und sie war einmal Konstantinopel, und dann war sie wieder anders, und dann sind die gekommen, dann die, dann die, was weiß ich. Aber das verstehen die Leute hier nicht.
Die Bierflasche ist leer, mir ist schlecht, ich gehe.

Mitten am Gehsteig parkt ein Auto, das mir früher nicht aufgefallen ist.
Leichenwagen, silbergrau.