Theme from Subway sue

Schon mal von Subway Sue gehört? Ein Tipp: sie ist kein drogensüchtiges Original aus der New Yorker U-Bahn, auch kein Engel für Obdachlose ebenda. Sie ist auch keine Roman- oder Filmfigur, obschon der Titel „Theme from Subway Sue“ das vermuten lässt. Und ja, sie ist auch nicht die Hauptfigur eines Musicals. Sie ist das Geschöpf eines Menschen, der, wie er selbst sagt, nicht wirklich wusste, was er tat.

Dieser Mensch heißt David Surkamp. Mit 15 spielte er in einer Schülerband und entdeckte, dass er Lieder schreiben konnte. Aber weil er aus New Orleans stammte und naturgemäß dort nur Blues oder Dixieland zu hören bekam, wusste er damals nicht wirklich, was echte Musik ist. Erst als er Platten aus Übersee, also Europa hörte, lernte er die Welt der Harmonien ken­nen, sagt er. Und schrieb fortan Musik, die er Progressive Rock nannte, und das bis heute.

Er gründete eine Band, die seine Lieder spielen sollte. Aber weil er nicht wirklich wusste, was er tat, kamen ständig neue Musiker hinzu, ein Geiger, zwei Pianisten, und so weiter, bis sie zu siebt waren und noch immer keinen Sänger hatten. Nachdem das Los vergeblich seine Runde gemacht hatte, beschloss die Band, dass David seine Lieder selber singen solle. Das mochte er gar nicht, denn er hatte eine Stimme, als hätte er Helium inhaliert. Den Fans aber gefiel genau dieses Timbre, die Band wurde eine lokale Attraktion, und zwei Plattenfirmen ritterten um einen Vertrag mit ihr. David, immer noch nicht wissend, was er tat, unterschrieb beide Verträge, es regnete zweimal 500.000 Dollar für die erste LP, und die Platte kam tatsächlich binnen 4 Wochen zweimal heraus. Obschon sie sich gut verkaufte, erklomm sie nie die Charts, weil sie in diesen als zwei verschiedene LPs gezählt wurde. Und die zweite LP, die nur einmal raus­kam, verkaufte sich einfach so nicht, vielleicht wegen der europäischen Harmonien. Die dritte LP schließlich ging verloren, weil das Tonstudio abbrannte. Aber David hatte ohnehin vor, sich eine Zeitlang nur der Erziehung seiner neugeborenen Tochter zu widmen und so diverse Vertragssperren abzuwarten. Seine Fans rumorten, er sei an Heliumsucht verstorben.

Ich habe vergeblich zu eruieren versucht, warum er seine Band „Pawlow’s Dog“ nannte. Vermutlich wusste er auch da nicht, was er tat. Genauso wie bei seinem Song „Someday Soon“, der, vom Geiger als „Subway Sue“ vernommen, fortan nach der unbekannten U-Bahn-Lady benannt wurde. Das Stück übrigens genauso unglaublich wie sein Name: helium­ge­tränkte Theatralik meets belangloses Piano-Dixie-Geklimper on the rocks. Er werde spurlos verschwinden, kündet David an, und dabei nichts verlassen, nämlich jenes Nichts, das seine Ex hinterlassen habe.

Er hat sich nicht daran gehalten. Wie denn auch bei einem Menschen, der niemals wusste, was er tat! Die jetzige Besetzung von Pawlows Dog sei die beste ever, verkündete er vor einigen Jahren. Sie könnten zum ersten Male die Lieder so spielen, wie er sie komponiert habe. Ein beneidenswerter Mensch. Er wusste sein ganzes Leben lang nie, was er tat, aber er tat wohl immer das Richtige.

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