Walpurgis-Lesung in der mongolischen Jurte

Zwei Jahre ist es her, dass wir die Walpurgisnacht (damals sogar inklusive Kinderprogramm) vorbereitet haben, voller Vorfreude Geschichten erfunden, Kulissen entworfen und unseren Auftritt geplant haben … 
Wer von uns hat beim ersten Lockdown im März 2020 schon geahnt, dass wir selbst im Mai 2021 noch immer auf ein Zusammenkommen auf der Ragnitzwiese verzichten werden müssen?

Am Samstag (den 30. 04. 2022) war es dann endlich wieder soweit. Und ja, selbst das Wetter hat mitgespielt, GRAUKO hatte den Regen nicht abonniert.
Für uns als Kollektiv war es nicht nur die erste gemeinsame Lesung nach langem, sondern auch das erste »echte« Zusammentreffen, denn in den letzten Monaten haben wir uns ausschließlich via Bildschirm getroffen. (Obwohl – ohne den von Google generierten Konferenz-Link mit der Buchstabenfolge „crmytxtejwg“ wären wir nie auf die Idee gekommen, einer unserer Sendungen den Titel  »cry my texte – Jung wie Goethe« zu verpassen. So haben auch alle weniger angenehmen Dinge etwas Gutes …)

Trotzdem. Eine Live-Lesung ist eine Live-Lesung!
Bei unserer Ankunft erwartete uns dann gleich eine Überraschung der ganz besonderen Art: Als Lesezelt stand diesmal eine mongolische Jurte bereit!

Und die war dann auch schnell gefüllt, denn unser Publikum hatte sich nach zwei Jahren kultureller Durststrecke schon sehr auf das Event gefreut. Damit wir unseren Zuhörer:innen etwas Spannendes bieten können, haben wir dann auch gleich mal unsere besten Geister- und Toten-Texte und Legenden ausgepackt …

Den Beginn machte Isolde Bermann mit einem Gespenster-Dramolette – unterstützt wurde sie dabei von ihrer Lesepartnerin Irene Fritz. Ganz in Weiß saßen die beiden Geistererscheinungen im Dunkeln der Jurte und tauschten sich darüber aus,  wie man die Lebenden denn nun am besten zu Tode erschrecken könnte. Denn ganz so leicht scheint die Sache nicht zu sein, selbst wenn man nach dem Lehrbuch „Geistern leicht gemacht“ vorgeht …

Irene Fritz und – unter dem Geisterschleier – die schon sehr verblichene Isolde Bermann

Wer gestern Nachmittag nicht dabei sein konnte und neugierig geworden ist, sollte am Dienstag, 24. Mai um 18.00 Radio Helsinki aufdrehen, denn da wird der gespenstische Dialog erstmals über Funk (und Live-Stream) ausgestrahlt!

Ein großes Danke an unser treues Publikum!

Im Anschluss las Thomas Wollinger Texte über den perfekten Augenblick im Leben eines Kindes. Texte, die nicht aus seiner Feder stammen, wie er zugab, sondern von seinem mechanischen Ghostwriter auf open.Ai.
„Verfasse eine sehr traurige Geschichte über den perfekten Tag eines Kindes“ lautete die Anweisung, die Thomas nicht nur einmal in die Maschine eingab, sondern gleich mehrmals. Heraus kam Erstaunliches – Kostproben kann man auch in unserer Sendung „Der perfekte Augenblick“ hören.
Aber, wie Peter dann ganz richtig feststellte: Die überraschenden Wendungen, das Um-die-Ecke-Denken und das Hervorkramen ungewöhnlicher Metaphern – das können wir GRAUKOs zum Glück doch noch besser!  (Wenngleich wir uns ein bisschen davor fürchten, dass uns der BOT in 25 Jahren überholt haben könnte … aber dann gehen wir einfach in Pension!)

Thomas Wollinger liest Texte seines mechanischen Ghostwriters

Wer wesentlich langsamer schreibt als ein BOT ist Margarita Kinstner (deswegen präsentiert sie in unserer Sendung 7shoG jetzt immer „Literatur aus anderen Galaxien“). In der Jurte las sie ihren Kurzkrimi „Tod einer guten Seele“, der gerade in „Radieschen von unten – Kriminell gute Gartenmorde“ erschienen ist, und in dem es um die Grabkammer des Tutanchamun im Bauerngarten von der Trudi und der Berta und ein paar böse Männer geht …

Margarita las aus: „Radieschen von unten“ (Hg. von Rotraut Schöberl)

… die alle einmal als böse Buben angefangen haben, wie Kuno Kosmos überzeugt ist.  „Böse Buben beißen in die Mutterbrust / böse Buben ha’m zum Spielen keine Lust!“, rappte der Poetry-Slammer und brachte damit das Publikum so richtig zum Swingen.

In ihrer Geschichte mit dem Titel »Most und Schnaps« zeigte Veronika Unger, dass dumme, im Schnaps-Rausch ausgesprochene Scherze tödlich enden können. Wer die tragische (und leider wahre) Geschichte vom Schusterjosl und seinem ältesten Sohn Sepp sowie den Rap von Kuno Kosmos noch einmal hören möchte, sollte am 12. Mai ab 14.00 Radio Helsinki aufdrehen!

Peter Heissenberger verrät, wie die Babyelefanten nach Österreich gekommen sind

Nach dem traurigen Ende des Sepp heiterte Peter Heissenberger das Publikum mit einer Legende der grandiosen Petra Oberbauer-Tucker auf und berichtete vom Fund einer Schriftrolle am Klausenkogel, die endlich enthüllt, warum Hannibal nach der Schlacht von Cannae nicht direkt auf Rom marschiert ist. Was ein Elefantentreiber aus dem Jahr 216 v. Chr. mit dem österreichischen Ratschlag immer einen Baby-Elefanten zwischen sich und andere zu bringen zu tun hat, erfahre Sie in unserer Sendung „ERDE“.

Vor und nach der Lesung gab es Country Musik, dazu eine würzige Linsensuppe, ein g’schmackiges Gulasch, Wein von WEINHOF FINZ und herrlich flaumige Buchteln!
Wir bedanken uns bei Jutta und Karl Scherz von den „Naturfreunden Hart bei Graz“ für die Einladung und das gelungene Fest!
Nächstes Jahr sind wir gern wieder dabei – und wenn alles gut geht, bringen wir 2023 endlich ein paar Marionetten der Gassenspielerei Graz mit in die Jurte – damit bei unserer Lesung für jedes Alter was dabei ist!

Ankündigungsplakat 2022

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Veröffentlicht von

Margarita

ist seit 2009 bei & Radieschen. Ihre Arbeit beginnt bei Einsendeschluss und endet bei den druckfertigen Fahnen. Dazwischen liest sie viel – und wenn ihr etwas gefällt, dann stellt sie es in unserer Zeitschrift oder auch hier vor.

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