Smoke on the water

Es gibt Arthur Brown, einen großen, hageren Sänger mit aufgemaltem Frank-Zappa-Bart, der „Fire!“ schreit und dazu einen brennenden Kopfschmuck trägt. Und es gab einen gleich gro­ßen, gleich hageren Gitarristen mit gleich tiefer Stimme und echtem Frank-Zappa-Bart, näm­lich Frank Zappa, der am 04.12.1971 bei einem Konzert in Montreux „Fire!“ schrie und dazu noch „Off the ground, instantly!“, weil er entdeckt hatte, dass das Dach des Konzertsaales lichter­loh brannte. Dann entriss ihm glücklicherweise Claude Nobs (Spitzname ‚Funky Clau­de‘), der Veranstalter des Kon­zerts, das Mikrophon und forderte in weniger dramati­schem Ton die jungen Leute auf, geordnet den Saal zu verlassen. Er half bei der Evakuation, bis auch der letzte Besucher gerettet war. Niemand kam physisch zu Schaden, nur Zappa brauchte ein neues Equipment.

Und was hat das alles mit Deep Purple zu tun? Nun, die waren auch da, wollten am nächsten Tag hier ihr mobiles Tonstudio aufbauen und binnen einer Woche ihre neue LP einspielen. Während also Funky Claude publikumswirksam einen hustenden Jugendlichen nach dem anderen aus dem Inferno holte, spielte sich das wahre Drama in den Herzen der Purpurnen Fünf ab, die fassungslos mit ansehen mussten, wie ihre wohlausgesuchte Location in Flammen aufging, mit möglichen weltweiten Folgen für ihre Fans, die doch so dringend ein neues Meisterwerk von ihnen benötigten. It seemed that they would lose the race.

Der Rest ist bekannt. Sie schafften es dennoch, in einem leerstehenden Grandhotel, in alten Betten und bei schummriger Beleuchtung. Und hatten außerdem Stoff für einen neuen Hit, der in den USA zum bekanntesten Song nach der Nationalhymne werden sollte. Das unvergess­liche Riff besteht genau aus denselben Tönen wie das von Arthur Brown, sogar fast in derselben Reihenfolge. Wie aufmerksam und tiefsinnig! Da drückt man doch auch gern mal ein Auge zu, wenn heute irgendwo in der Welt irgendeine Band mitsamt ihrem Publikum „We all came out to Montreux ….“ grölt, obwohl keiner von ihnen dabei war. Deep Purple selber waren ja auch nur Zaungäste.

Maria Edelsbrunner liest in Nitscha/Gleisdorf!

Bei „Crime & Wine“ in der Ragnitz war sie leider krank, aber nur ein paar Hügel weiter könnt ihr sie am Montag den 8.5. um 19 Uhr live hören.

Maria Edelsbrunner wird im Rahmen des Buchfink Lesefestivals in der öffentlichen Bücherei Nitscha, Nitscha 2, Gleisdorf, mit anderen Preisträgern des Wortschatz-Wettbewerbs lesen.

Eintritt ist frei.

Crime & Wine zum Nachhören!

… und ein bisschen auch zum Nachbetrachten. Das „Crime & Wine“ Open-air ist Geschichte. Zuerst verzauberten unsere Hexen das Publikum mit ihren Texten,

dann tanzten sie gemeinsam in die Walpurgisnacht.

Wer den Tanz versäumt hat, dem ist nicht zu helfen. Aber die Texte haben sie mit ihren schwarzen Kräften für alle Zeiten festgehalten. Führt den magischen Pfeil über den folgenden Link und drückt auf die linke Taste der Zaubermaus – so könnt ihr sie ab sofort in unserer Radiosendung vom 2. Mai nachhören!

Das war die Lesung – das wird die Sendung!

Für alle, die am Sonntag nicht zu „Crime & Wine“ in den Naturfreundegarten in der Ragnitz kommen konnten, haben wir die Veranstaltung mitgeschnitten.

Und so gibt es heute, nur zwei Tage später, schon die Möglichkeit, sich die besten Stellen noch einmal anzuhören. Kriminell gute Geschichten rund um den Wein, in unserer neuen Ausgabe von „7 shades of Grauko“ auf Radio Helsinki. Am 2.Mai ab 18.00. Alles wie immer in Graz auf 92.6 und weltweit im Internet.

„Crime&Wine“ Lesung am Sonntag den 30.4.

Wenn am kommenden Sonntag langsam die Walpurgisnacht herauf zieht, dann werden sich verdächtige Gestalten in der Ragnitz scharen.

Aber keine Angst, wir sind es nur. Ab 16 Uhr lesen wir im Rahmen des großen „Crime&Wine“ Nachmittags am Naturfreundeplatz in Hart/Graz (Haberwaldgasse 7) mehr oder weniger Alkohol getränkte kriminelle Texte. Dazwischen gibt es die Weine zu verkosten, für die unsere Texte Pate gestanden haben.   Und Vorsicht! Der, der sich auf diesem Foto versteckt hält, weiß genau, wo die toten Mädchen sind!

Eintritt gegen freiwillige Spende und so kommt ihr hin: Ragnitzstraße, Bus-Endhaltestelle 77 – rechts in den Mühlenweg (hier ist schon eine Tafel Naturfreundeplatz od.Rastplatz der Naturfreunde) – über die Brücke und links in die August Krispelgasse – dann rechts in die Haberwaldgasse und schon seht ihr die Fahne!

P.S.: Diese Lesung wird auch im Mittelpunkt unserer nächsten Radiosendung am 2.Mai (18.00) stehen.

„7 shades of Grauko“ wird am 13.4. wiederholt!

Liebes Publikum,

beginnend mit dem 13.4. habt ihr jeweils eine zweite Chance, „7 shades of Grauko“ auf der Welle von Radio Helsinki zu hören. Unsere Sendung wird in Zukunft immer eine Woche nach der Erstausstrahlung am Donnerstag von 10.00 bis 11.00 Uhr wiederholt. Dreht euren Radio dazu einfach auf 92.6, so ihr im Großraum Graz wohnt.

Natürlich könnt ihr Radio Helsinki auch weltweit im Livestream verfolgen. Und wer zu dem Zeitpunkt verhindert sein sollte, der kann unsere Aprilausgabe so wie alle älteren Sendungen auch im Archiv nachhören.

Die nächste Ausgabe von 7shoG folgt am 2.Mai um 18.00!

Theme from Subway sue

Schon mal von Subway Sue gehört? Ein Tipp: sie ist kein drogensüchtiges Original aus der New Yorker U-Bahn, auch kein Engel für Obdachlose ebenda. Sie ist auch keine Roman- oder Filmfigur, obschon der Titel „Theme from Subway Sue“ das vermuten lässt. Und ja, sie ist auch nicht die Hauptfigur eines Musicals. Sie ist das Geschöpf eines Menschen, der, wie er selbst sagt, nicht wirklich wusste, was er tat.

Dieser Mensch heißt David Surkamp. Mit 15 spielte er in einer Schülerband und entdeckte, dass er Lieder schreiben konnte. Aber weil er aus New Orleans stammte und naturgemäß dort nur Blues oder Dixieland zu hören bekam, wusste er damals nicht wirklich, was echte Musik ist. Erst als er Platten aus Übersee, also Europa hörte, lernte er die Welt der Harmonien ken­nen, sagt er. Und schrieb fortan Musik, die er Progressive Rock nannte, und das bis heute.

Er gründete eine Band, die seine Lieder spielen sollte. Aber weil er nicht wirklich wusste, was er tat, kamen ständig neue Musiker hinzu, ein Geiger, zwei Pianisten, und so weiter, bis sie zu siebt waren und noch immer keinen Sänger hatten. Nachdem das Los vergeblich seine Runde gemacht hatte, beschloss die Band, dass David seine Lieder selber singen solle. Das mochte er gar nicht, denn er hatte eine Stimme, als hätte er Helium inhaliert. Den Fans aber gefiel genau dieses Timbre, die Band wurde eine lokale Attraktion, und zwei Plattenfirmen ritterten um einen Vertrag mit ihr. David, immer noch nicht wissend, was er tat, unterschrieb beide Verträge, es regnete zweimal 500.000 Dollar für die erste LP, und die Platte kam tatsächlich binnen 4 Wochen zweimal heraus. Obschon sie sich gut verkaufte, erklomm sie nie die Charts, weil sie in diesen als zwei verschiedene LPs gezählt wurde. Und die zweite LP, die nur einmal raus­kam, verkaufte sich einfach so nicht, vielleicht wegen der europäischen Harmonien. Die dritte LP schließlich ging verloren, weil das Tonstudio abbrannte. Aber David hatte ohnehin vor, sich eine Zeitlang nur der Erziehung seiner neugeborenen Tochter zu widmen und so diverse Vertragssperren abzuwarten. Seine Fans rumorten, er sei an Heliumsucht verstorben.

Ich habe vergeblich zu eruieren versucht, warum er seine Band „Pawlow’s Dog“ nannte. Vermutlich wusste er auch da nicht, was er tat. Genauso wie bei seinem Song „Someday Soon“, der, vom Geiger als „Subway Sue“ vernommen, fortan nach der unbekannten U-Bahn-Lady benannt wurde. Das Stück übrigens genauso unglaublich wie sein Name: helium­ge­tränkte Theatralik meets belangloses Piano-Dixie-Geklimper on the rocks. Er werde spurlos verschwinden, kündet David an, und dabei nichts verlassen, nämlich jenes Nichts, das seine Ex hinterlassen habe.

Er hat sich nicht daran gehalten. Wie denn auch bei einem Menschen, der niemals wusste, was er tat! Die jetzige Besetzung von Pawlows Dog sei die beste ever, verkündete er vor einigen Jahren. Sie könnten zum ersten Male die Lieder so spielen, wie er sie komponiert habe. Ein beneidenswerter Mensch. Er wusste sein ganzes Leben lang nie, was er tat, aber er tat wohl immer das Richtige.