„Crime&Wine“ Lesung am Sonntag den 30.4.

Wenn am kommenden Sonntag langsam die Walpurgisnacht herauf zieht, dann werden sich verdächtige Gestalten in der Ragnitz scharen.

Aber keine Angst, wir sind es nur. Ab 16 Uhr lesen wir im Rahmen des großen „Crime&Wine“ Nachmittags am Naturfreundeplatz in Hart/Graz (Haberwaldgasse 7) mehr oder weniger Alkohol getränkte kriminelle Texte. Dazwischen gibt es die Weine zu verkosten, für die unsere Texte Pate gestanden haben.   Und Vorsicht! Der, der sich auf diesem Foto versteckt hält, weiß genau, wo die toten Mädchen sind!

Eintritt gegen freiwillige Spende und so kommt ihr hin: Ragnitzstraße, Bus-Endhaltestelle 77 – rechts in den Mühlenweg (hier ist schon eine Tafel Naturfreundeplatz od.Rastplatz der Naturfreunde) – über die Brücke und links in die August Krispelgasse – dann rechts in die Haberwaldgasse und schon seht ihr die Fahne!

P.S.: Diese Lesung wird auch im Mittelpunkt unserer nächsten Radiosendung am 2.Mai (18.00) stehen.

„7 shades of Grauko“ wird am 13.4. wiederholt!

Liebes Publikum,

beginnend mit dem 13.4. habt ihr jeweils eine zweite Chance, „7 shades of Grauko“ auf der Welle von Radio Helsinki zu hören. Unsere Sendung wird in Zukunft immer eine Woche nach der Erstausstrahlung am Donnerstag von 10.00 bis 11.00 Uhr wiederholt. Dreht euren Radio dazu einfach auf 92.6, so ihr im Großraum Graz wohnt.

Natürlich könnt ihr Radio Helsinki auch weltweit im Livestream verfolgen. Und wer zu dem Zeitpunkt verhindert sein sollte, der kann unsere Aprilausgabe so wie alle älteren Sendungen auch im Archiv nachhören.

Die nächste Ausgabe von 7shoG folgt am 2.Mai um 18.00!

Theme from Subway sue

Schon mal von Subway Sue gehört? Ein Tipp: sie ist kein drogensüchtiges Original aus der New Yorker U-Bahn, auch kein Engel für Obdachlose ebenda. Sie ist auch keine Roman- oder Filmfigur, obschon der Titel „Theme from Subway Sue“ das vermuten lässt. Und ja, sie ist auch nicht die Hauptfigur eines Musicals. Sie ist das Geschöpf eines Menschen, der, wie er selbst sagt, nicht wirklich wusste, was er tat.

Dieser Mensch heißt David Surkamp. Mit 15 spielte er in einer Schülerband und entdeckte, dass er Lieder schreiben konnte. Aber weil er aus New Orleans stammte und naturgemäß dort nur Blues oder Dixieland zu hören bekam, wusste er damals nicht wirklich, was echte Musik ist. Erst als er Platten aus Übersee, also Europa hörte, lernte er die Welt der Harmonien ken­nen, sagt er. Und schrieb fortan Musik, die er Progressive Rock nannte, und das bis heute.

Er gründete eine Band, die seine Lieder spielen sollte. Aber weil er nicht wirklich wusste, was er tat, kamen ständig neue Musiker hinzu, ein Geiger, zwei Pianisten, und so weiter, bis sie zu siebt waren und noch immer keinen Sänger hatten. Nachdem das Los vergeblich seine Runde gemacht hatte, beschloss die Band, dass David seine Lieder selber singen solle. Das mochte er gar nicht, denn er hatte eine Stimme, als hätte er Helium inhaliert. Den Fans aber gefiel genau dieses Timbre, die Band wurde eine lokale Attraktion, und zwei Plattenfirmen ritterten um einen Vertrag mit ihr. David, immer noch nicht wissend, was er tat, unterschrieb beide Verträge, es regnete zweimal 500.000 Dollar für die erste LP, und die Platte kam tatsächlich binnen 4 Wochen zweimal heraus. Obschon sie sich gut verkaufte, erklomm sie nie die Charts, weil sie in diesen als zwei verschiedene LPs gezählt wurde. Und die zweite LP, die nur einmal raus­kam, verkaufte sich einfach so nicht, vielleicht wegen der europäischen Harmonien. Die dritte LP schließlich ging verloren, weil das Tonstudio abbrannte. Aber David hatte ohnehin vor, sich eine Zeitlang nur der Erziehung seiner neugeborenen Tochter zu widmen und so diverse Vertragssperren abzuwarten. Seine Fans rumorten, er sei an Heliumsucht verstorben.

Ich habe vergeblich zu eruieren versucht, warum er seine Band „Pawlow’s Dog“ nannte. Vermutlich wusste er auch da nicht, was er tat. Genauso wie bei seinem Song „Someday Soon“, der, vom Geiger als „Subway Sue“ vernommen, fortan nach der unbekannten U-Bahn-Lady benannt wurde. Das Stück übrigens genauso unglaublich wie sein Name: helium­ge­tränkte Theatralik meets belangloses Piano-Dixie-Geklimper on the rocks. Er werde spurlos verschwinden, kündet David an, und dabei nichts verlassen, nämlich jenes Nichts, das seine Ex hinterlassen habe.

Er hat sich nicht daran gehalten. Wie denn auch bei einem Menschen, der niemals wusste, was er tat! Die jetzige Besetzung von Pawlows Dog sei die beste ever, verkündete er vor einigen Jahren. Sie könnten zum ersten Male die Lieder so spielen, wie er sie komponiert habe. Ein beneidenswerter Mensch. Er wusste sein ganzes Leben lang nie, was er tat, aber er tat wohl immer das Richtige.

„April! April!“ kann im Internet nachgehört werden!

Ab sofort kann die aktuelle Ausgabe von 7 shades of Grauko unter folgendem Link nachgehört werden: https://cba.fro.at/338074

Oder ihr wartet auf die Wiederholung auf Radio Helsinki am 13. April von 10.00 bis 11.00.

Natürlich stehen euch weiterhin alle alten Sendungen zur Verfügung:

Am 4.4. heißt es „April! April!“

Manches wird neu sein. So könnt ihr die April-Ausgabe von 7 shades of Grauko erstmals bei Tageslicht hören. Ein neues Hörerlebnis mit hoffentlich gewohntem Genuss. Diesmal haben sich unsere Autorinnen und Autoren ihre Gedanken zum Thema „April! April!“ gemacht. Und so gibt es Texte über den Frühling,

schlechte Scherze und den Monat, der macht, was er will. Dazu ein kleiner Ausblick auf unsere kommende Lesung.

Das alles wie immer live moderiert und kommentiert von Isolde Bermann und Peter Heissenberger.

Neu ist allerdings die zweite Chance für alle, die am Dienstag den 4. um 18.00 keine Zeit haben. Ab sofort wird 7shoG eine Woche nach der Erstausstrahlung am Donnerstag von 10.00 bis 11.00 wiederholt. Für diese Ausgabe ist das der 13.April.

Beide Male zu hören in Graz auf 92.6 und weltweit im Livestream.

Als Grazer Autorinnen und Autoren Kollektiv unterstützen wir uns durch ehrliche Kritik, getreu unseren Werten von Freundschaft, Feedback und Freiheit. Wir engagieren uns vielfältig bei Lesungen, Theaterstücken, Romanen, Radiosendungen und anderen literarischen Projekten.

die neue August Becker Chart ist da!

ARE YOU READY for Gospel?

Ein Feld voller Sklaven. Onyema, der Vorarbeiter und selbst  Sklave, treibt sie an, bis ihm die Stimme bricht. Obwohl sie alle schwarz sind, verstehen ihn nur ein paar seiner Brüder. Weil es in Afrika so viele Sprachen gibt wie Stämme. Immer länger werden Onyemas Pausen und die Arme der Sklaven im selben Maße langsamer. Das Plansoll rückt in die Ferne und damit auch die Abendmahlzeit.

Nur eine Gruppe von etwa zehn Mann hält das Tempo. Weil die Kerle singend in Trance versunken sind wie einst bei den tagelangen Tänzen in ihrer Heimat. Sie werden ihre Hauen schwin­gen ohne zu ermüden, bis jemand sie aufweckt. Onyema begreift sofort, was zu tun ist. Das ganze Feld soll singen, alle die gleiche Melodie. Der Gesang soll jene Sprache werden, die alle verstehen. Und er wird dazu den Vorsänger geben.

Zweihundert Jahre später. Die Schwarzen sind entsklavt, aber immer noch singen sie. In den Kirchen danken sie dem Gott der Weißen für seine Hilfe und Güte. „Good spell“ nennen sie ihre zumeist enthusiastische Darbietung, der christlichen Frohbotschaft entsprechend. Der Prediger ersetzt hierbei den Vorarbeiter, Ekstase die Arbeit. Musikwissen­schaftler werden in hundert Jahren allerlei Elemente wie etwa Pentatonik oder spezielle Vierteltöne benennen können, welche in den Nachkommen dieses „Gospels“ – Blues, Jazz und Soul – weiterleben.

Der vorliegende Artikel ist einem weiteren Gospel-Element gewidmet, dem Call and response genannten Wechselgesang, wie ihn der Vorarbeiter in obiger Geschichte ein­geführt hat. Der Chor hat hier nicht die Funktion der Begleitung, Verstärkung, harmoni­schen Färbung oder Verzierung einer Solo-Melodie, sondern fungiert als eigen­stän­dige Antwort auf einen Aufruf. Das durch den Chor dargestellte Volk bedient keinen Führer, sondern synchro­nisiert sich über einen Sprecher; demokratischer lässt sich Musik nicht gestalten.

Es verwundert daher nicht, dass um 1970, als in der Pop-Musik die alten Helden abdankten und an ihre Stelle die Botschaft trat, der Gospel ein Comeback feierte, bevor sich der Kommerz mit Glam und Glitzer wieder obenauf setzte. War in der Version von Edwin Starr und Are you ready von Pacific Gas & Electric geben Zeugnis einer in den USA gängigen musi­kalischen Grundausbildung, die man auf dem Kontinent vergeblich sucht, und die mit Norman Greenbaum sogar einen Weißen infizieren konnte (Spirit in the sky).

Let the gospel run through our veins. Man genieße besonders die Ekstase in War sowie die monoton-meditativen Gitarrensoli in Are you ready und Spirit in the sky. Dem Letzteren kann man getrost den seltenen Titel „Hard-Rock-Gospel-Song“ verleihen, nachdem er das typische Klatschen auf 2 und 4 mit schwerst verzerrtem Gitarrensound kombiniert. Und man wundere sich nicht über das Nebeneinander von engagiertem Protest und gläubiger Hingabe im selben Genre. Dieses existiert schon seit jener Zeit, als die Schwarzen noch Sklaven waren und auf den Feldern ihren Gesang zum Überleben benötigten.