Auf der Suche nach einem Lese-Wanderweg (I)

Am Sonntag, 11. Oktober 2015 um 14:00 treffen wir uns wieder mit unserem Publikum zur jährlichen Lesewanderung. Auf der Suche nach einem geeigneten Weg haben wir in den letzten Wochen unsere Rucksäcke gepackt und sind so einige Strecken probe-gewandert. 

Eine Rückschau von Isolde Bermann (Teil 1)

Allen unseren diesjährigen Probewanderungen war eines gemeinsam: sie waren HEISS!!! Tage, an denen normal Sterbliche in gekühlten Büros sitzen, sich in irgendeinem Gewässer abkühlen oder sich weiter südlich in angenehmer Kühle dem Nichtstun hingeben, sind die drei Unermüdlichen (oder sollen wir besser sagen: die SECHS Unermüdlichen?) tapfer auf Schusters Rappen unterwegs gewesen, um leichte, nicht zu lange, mit ausreichender Kulinarik  bestückte Wanderwege für ihr geschätztes Publikum zu erkunden. Äh – war das jetzt EIN Satz? Es war. Aber er soll verdeutlichen, dass wir keine Mühe und keine … schon gut! Ich hör ja schon auf und berichte:

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Wanderung Nr. 1 führte uns ins oststeirische Kirchberg/Raab. Wer dieses Örtchen nicht kennt, versäumt einen adretten Hügel, auf dem sich eine stilgemixte Kirche, in deren Turm sich angeblich eine der ältesten Glocken der Steiermark (1457 in Judenburg gegossen) befindet, ein paar pastellfarbene Häuser, eine unerhebliche Anzahl von Gaststätten und ein Seerosenbad.

Aber ich gebe nur an!! In Wirklichkeit haben wir uns, vom leichten Anstieg zur Kirche schon völlig verausgabt, sogleich auf einer schattigen Bank niedergelassen und auf eine Bekannte gewartet, die – und jetzt kommen wir dazu, weshalb wir ausgerechnet nach Kirchberg gefahren sind – uns diese Wandermöglichkeit zeigen wollte. Das besondere daran war, dass dieser Weg sich schon einmal als Literaturwanderweg bewährt hatte und ob dies auch für uns so sein würde, wollten wir herausfinden.

Unsere Dame erschien auch alsbald und schon folgten wir ihr den Hügel hinab Richtung Westen. Sie zeigte uns zuerst die Teiche und ganz besonders das Seerosenbad von oben. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie uns angesichts der grün schimmernden Gewässer zumute war, hatte es doch eine Temperatur, bei der selbst Seerosen ihre Köpfe lieber unters Wasser halten!

Doch der erste Teil des Weges erwies sich als angenehm schattig und auch das erste Leseplätzchen war bald gefunden. Mitten im Wald eine Bank! Peter fungierte als Lesefotomodell und schon ging es weiter. Der Weg führte uns nun ganz nah an die Teiche heran und schlängelte sich zwischen ihnen hindurch wie elegante Bänder um ein Schmuckstück. Die Luft wurde nur von den Flügelschlägen der Insekten bewegt, sonst regte sich nichts. Entlang des Weges zeigten uns Schautafeln die ortsansässige Flora und Fauna, Tierchen, von denen wir noch nie etwas gehört hatten! Wer kennt denn schon Schwarzhalstaucher und Mönchsgrasmücken, einmal ehrlich? Und wie unterscheidet man wohl eine Lachmöwe von einer Sturmmöwe?

Am Teichufer reihten sich hölzerne Häuschen auf hölzernen Stelzen aneinander, wozu sie dienten, konnten wir nur raten.  Ferienhäuser schied schon mal aus, auch Angelhütten werden es nicht gewesen sein, wozu also waren sie da? Vielleicht waren es Nistplätze oder Rückzugsorte für Wassersalamander, wenn sie einmal keine Lust auf Wasser haben? Wie auch immer, ein hübscher Anblick waren sie allemal. Vor allem, wenn ein Schwan davor lag wie ein weißes Kreuzfahrtschiff vor Anker.

So gingen wir in der zirpenden, surrenden und friedlichen Welt dahin, langsam, denn jeder Schritt kostete uns mindestens zehn Schweißperlen. Schließlich führte der Weg durch ein Wäldchen und Ursula erzählte uns, womit das Publikum an dieser Stelle überrascht wurde. Natürlich wird dies hier nicht verraten, denn wir gedenken, diese Idee zu klauen und eines Tages unseren geschätzten Gästen darzubieten!

Kühl beschattet beendeten wir den Rundweg um die Teiche, um, nach einem kleinen Stück bergan und wieder bergab zumindest auf die Sessel des Seerosenteichbadcafés zu fallen, wenn wir uns schon das Bad im lockenden Olivgrün mangels mitgebrachtem Badezeug versagen mussten.

Nachdem Ursula uns verlassen hatte, machten wir uns auf die Suche nach oben erwähnten kulinarischen Genüssen. Doch Kirchberg hatte sich entschieden, die hungrigen Wandergesellen erfolglos um seinen „Berg“ zu schicken, sie ratlos nach Schildern wie „Gasthof zur …“ oder „Buschenschank XX“ Ausschau halten zu lassen, um sie dann, verschwitzt und hungrig, wieder nach Graz zurückzuschicken. Fast, aber nur fast, wäre dieser idyllische Wanderweg der Auserkorene gewesen, doch unser Publikum hungrig nach Hause zu schicken, würden wir niemals übers Herz bringen.

Wie die drei aber dennoch zu einem deftigen Essen auf einer schon abendkühlen Terrasse kamen und welche neuerlichen Strapazen sie dabei erdulden mussten, ist eine andere Geschichte ….


Zehn Tage später 

… brachen wir zur Wanderung Nr. 2 auf. Die „Leibnitzer Genussplatzrunde“ lockte uns diesmal in den steirischen Süden. Dass der Tag glühend heiß und völlig wolkenlos um unser Graukomobil waberte, brauche ich wohl nicht eigens zu erwähnen. Doch diesmal würde alles anders werden, denn diesmal hatten wir vorgesorgt! In unseren Rucksäcken steckten, nebst Wanderkarten und Wasserflaschen, auch Schokokuchen, Handtücher und Badesachen.

Leibnitz. Kein Mensch auf der Straße zu sehen. Nein, das stimmte nicht ganz. Da waren drei (oder sollte ich eigentlich sagen sechs?), die aus einem grauen Wagen mit Grazer Kennzeichen krabbelten und sich verzweifelnd suchend umsahen. Wo  – war – der – Kneippplatz ??? Wir drehten uns ein paarmal im Kreis, dann ward er gefunden. Sofort verliebten wir uns in diese hinreißende Stelle, denn: es gab Wasser! Wasser aus Wasserhähnen, in ein silbernes Becken sprudelnd. Verzückt tranken wir das kühle Nass, als wären wir bereits tausende von Kilometern gewandert. Dann wurde der Fußparcours umrundet – Peter entdeckte eine völlig neue Variante der Begehung und erntete lautstarke Bewunderung der hitzemüden Damen.

Doch wir hatten eine Mission zu erfüllen, richteten uns auf und überquerten tapfer die Landesstraße, um der „Genussplatzrunde“ zu folgen. Es ließ sich gut an, ein sandig-staubiges Wegerl führte durch eine Wiese, um in ein lockeres Wäldchen zu münden. Bald ertönte etwas ungemein Liebliches! Ein Rauschen! Wasserrauschen! Aber zuerst wurde das erste (oder zweite?) Leseplätzchen hinreichend getestet, die beiden Damen taten wieder einmal, worüber hier geschwiegen werden muss. Nur soviel sei gesagt: ein berückender Duft, ein graublau schwebender Hauch umgab sie und man kann kaum verstehen, weshalb Peter sich immer weiter auf den Rand der Bank zubewegte.

Danach musste dem Rauschen gefolgt werden. Ein kleiner Pfad führte zu etwas wahrhaft Himmlischem! Zwei Flüsse trafen einander, bildeten einen kleinen Wasserfall und ein steiniges Ufer, auf dem sich bereits einige, Abkühlung suchende,  Menschen eingefunden hatten. Margarita und Isolde entledigten sich flugs ihrer Sandalen und stiegen ins kühle Braungrün der äh Lafnitz? Oder war es doch die Sulm? Oder war der Fluss schon zur Sulmitz geworden? Wie auch immer, ein Plätzchen, das nur ungern verlassen wurde!

Wir kletterten die Uferböschung wieder hoch und wandten uns zielsicher nach links, Richtung Norden. Entlang des Flüsschens ging es dahin, müßig zu sagen, dass die Hitze uns zwar zu Boden drückte, aber unseren Plaudereien nicht wirklich etwas anhaben konnte.

Dann erschien es: das graue Band, das asphaltierte,  grässliche! Der Feind aller Fußsohlen! Eine fette Bundesstraße lag vor unseren entsetzten Augen! Dann sagte Peter die lähmenden Worte: Wir sind FALSCH abgebogen!! Ein paarmal noch zuckten meine Augen in der Gegend herum, dann musste ich ihm rechtgeben. Mein Renommee als Reiseleitung und Guide hatte etwas von seinem Glanz eingebüßt, ich musste es eingestehen.

Wir drehten also um und trotteten hängenden Kopfes zurück zur Flussvereinigungsstelle. Nun aber flugs nach Süden marschiert!! Wieder schlängelte sich der Weg lieblich die Sulm entlang um sich dann als fahrradbreites Weglein durch eine sonnenglühende Wiesenwüste zu winden. Doch dann wieder Grün und Schatten! Aufatmen und Schlucke aus der Wasserflasche trinken. Eigentlich war es doch ein sehr hübscher Weg, von unseren Fehltritten einmal abgesehen!

Fast konnte man es schon „mit weit ausholenden“ Schritten nennen, mit denen wir den Leibnitzer Stadtpark durchquerten. Wie jeder ordentliche Park beherbergte er natürlich Bäume,  Leseplätze in Form von Bänken und Wippen für unsere Kleinen! 

Frohen Mutes schlenderten wir im halsbrecherischen Tempo einer halb gerösteten Nacktschnecke den asphaltierten Weg neben dem städtischen Freibad (schönes Wort: Freibad, das roch so chlorreich und so hellblau und so küüühhhl ) dahin, bis, ja bis wir wieder auf ein graues Asphaltband stießen. Doch nun führte kein Weg zurück, die Richtung stimmte, die „Genußplatzetiketten“ klebten höhnisch da – also folgten wir der Landstraße. Kein Gehsteig, kein Fahrradweg, auch fast kein Bankett schützten uns vor dem Verkehr. Konnten wir DAS unseren Wanderern zumuten??? Mitnichten! Kaum auszudenken, wenn so ein verrückter, „sturm“geplagter Südsteirer mit seinem BMW ….. stop!!

Dieser Weg kam schon jetzt nur mehr sehr bedingt in Frage!! Und dies sollte sich auch nicht mehr ändern. Die restlichen gefühlten hundert Kilometer quälten wir uns durch die Leibnitzer Vorstadt, so es so etwas bei einer Einwohnerzahl von ca. 12.000 überhaupt gibt. Einfamilienhaus an Einfamilienhaus, Garten an Garten, aber zumindest war dann ein Gehsteig vorhanden, der unsere schlurfenden Schritte ertrug.

Mit letzter Kraft erreichten wir den Hauptplatz. Jetzt ein EIS!!! Wie freuten wir uns auf die cremige, kalte Köstlichkeit! Doch wo war ein Café? Das, was wir so zielsicher angesteuert hatten, entpuppte sich als Restaurant. Dies war der Hauptplatz einer Bezirksstadt. Es war unmöglich, dass es hier kein Café mit akzeptabler Eiskarte gab!

Und das tat es natürlich. Wir ließen uns glücklich nieder und versanken, samt siebenundzwanzig Wespen, im süßen Nichtstun.

Hier endete die Wanderung, aber nicht unser Tag! Den ließen wir auf besondere Weise ausklingen: beim Bad im „Steinernen Wehr“, Peter trotzte im Flussbett sitzend der Strömung, während Margarita und ich in der abendlich dunkelgrünen Sulm schwammen, bis uns herrlich kalt wurde! So schön kann Gänsehaut sein!

Und weil Schokokuchen allein einen hungrigen Wandermagen keineswegs hinreichend füllen kann, fuhr das Graukomobil noch zum „Kieslinger“, in dessen mediterranem Garten wir, in einen samtweichen Abend gebettet, „Brettljause“ und Salat genossen.

Beim Nachhausefahren durch die Tropennacht sagten wir einstimmig: Zu wenig Genuss auf der Leibnitzer Genussplatzrunde für unsere Lesewanderer!

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Fortsetzung folgt …

Welche Wege wir noch erwandert haben und wohin genau uns die diesjährige Lesewanderung führen wird, erfahren Sie in Isoldes nächsten Beitrag. Sicher ist: Man darf sich den 11. Oktober 2015 in den Kalender eintragen – denn an diesem Tag treffen wir uns wieder um 14:00 an einem schönen Ort in der Steiermark, um Natur und Literatur noch rechtzeitig vor dem Wintereinbruch zu genießen.

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