Kuno Kosmos gewinnt schon wieder

Was macht man so als Neo-Grazerin? Als Wiener Mädel, das es nach Graz verschlagen hat – als Literatin? Nun ja, man kann sagen, was man will, es gibt vielleicht keine echten Wiener Kaffeehäuser (wie ein Grazer mir gegenüber bemerkte), dafür gibt es die Kombüse. Eine kleine, bunte Holzhütte am Eingang bzw. Ausgang des Stadtparks – je nachdem, aus welcher Richtung man kommt. Eine kleine runde Holzhütte, benannt nach der Schiffsküche. Deswegen fordert Mario Tomic, der legendäre Kombüsen-Slammaster, gemeinsam mit den Zusehern die Literaten mit einem lauten „Schiff Ahoi!“ auf die Bühne.

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Die Gattung Poetry-Slam kannte ich ja schon sehr gut.  Den besten Wiener Slam (Achtung! persönliche Meinung!) sieht man im rhiz unter den Gürtelbögen. Die Stimmung dort ist immer hip und cool, der  unter der U6 gelegene, leicht abgefuckte „Saal“ immer voll.

Gut, die Kombüse ist kein Saal und U6 gibt es hier auch keine. Braucht es auch nicht, immerhin hat Graz bedeutend weniger Einwohner – möchte man meinen. Wer jedoch heute Abend in der Kombüse stand, wird morgen vielleicht bei Tageslicht nachschauen gehen, ob nicht doch die „Nähte“ (oder wie immer man das bei einem Schiff nennt) aufgegangen sind. Denn das Publikum platzte aus allen Türen. Drinnen war´s heiß und stickig, draußen schweinekalt und wer – so wie ich – nahe der Türe stand, bekam einen kalten Popo (denn nur zum Fenster will man ja doch nicht reinschauen, man will ja vor allem eines: hören). Die Stimmung war höllenheiß, der Körper heiß-kalt – und trotzdem: Ja, es war gemütlich! Eine Mischung, die man nur hier findet – vielleicht ist es das südliche Flair, dass man hier näher zusammenrückt und auch die Scherze des Slammasters nicht persönlich nimmt. Irgendwie wird hier weniger gestritten und gemault als in Wien, wo jede zweideutige Zusammenfassung diskutiert und jede Entscheidung beim Applaus-Voting prinzipiell immer in Frage gestellt wird.

Mario Tomic steht da – mit Kapitänsmütze und Schlagobers bewaffnet. Das sprüht er jenen Slammern, die ihre Zeit von 5 Minuten überziehen, beinhart in den Mund. Oder aber, er stopft ihnen eine Banane rein – so wie unserem lieben Kuno Kosmos in der ersten Runde. 300 Jahre Geschlechterkampf und Genentwicklung (Männer müssen bluten, die Frauen entdecken dafür Amerika neu!) brauchen ihre Zeit. Das Publikum entscheidet per Applaus-Voting: Kuno Kosmos zieht mit 4 weiteren SlammerInnen ins Finale ein.

Da steh ich also in Graz. Und bin auf meinem ersten Grazer Slam (nein, nicht ganz, den Minoriten-Slam besuchte ich schon, aber das war vor mehr als 4 Jahren  –  und weder war damals Kuno Kosmos  ein Grauko-Mitglied noch war ich Einwohnerin dieser Stadt). Und schon erlebe ich einen kosmonautischen Sieg! Da reisen extra die Kapazunder aus Wien an, um es den Grazern zu beweisen (Und die waren schon gut, immerhin kamen alle 4 ins Finale), aber das Rapunzel fährt eben doch – in leicht veränderter Form, kommt diesmal sogar Gott höchstpersönlich zu Wort. Kuno Kosmos rockt die Kombüse und das Publikum rockt mit. Auch noch nach dem Text, denn ich stand am Rande (eben bei dieser Tür, an der mein Popo kalt wurde) und habe es live beobachtet, wie lange die ZuhörerInnen noch nach jedem Satz ein gehauchtes „Baby“ anhängten.

Man muss eines dazu sagen: Bis auf die Leobener Slam Legende Tschif war das Publikum jung. Sehr jung. (So jung, dass ich mir schon alt vorkam.) Und auch die SlammerInnen waren es. Wie der junge Neil Young damals ja auch (Zitat Kuno). „Das, was Ende der 60er in der Musik passierte, passiert jetzt in der Literatur, und ich bin froh, das noch aktiv erleben zu können“, strahlt der glückliche Gewinner und schwenkt seinen Preis (einen riesigen Schinkenspeck, den er hoffentlich beim  GRAUKO-Brunch mit uns teilen wird).

Und wenn mich jetzt noch jemand mit erschrockenen Augen und weit aufgesperrtem Mund ansieht und fragt, wie in aller Welt man auf die Idee kommen kann, von Wien nach Graz zu ziehen, dem entgegne ich eines: Als Schriftstellerin  lebst du gut in Graz. Immerhin bin ich erst seit Donnerstag hier – und dies war schon der 3. literarische Abend. Und heute ist erst Dienstag!

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3 Gedanken zu „Kuno Kosmos gewinnt schon wieder“

  1. in diesem Zusammenhang möchte ich dem siegreichen und glorreichen Kuno Kosmos ein Gedicht widmen, dass vor unzähligen Jahren vom edlen Cubenot verfasst wurde.

    Andere Länder andere Sitten

    Andere Länder andere Sitten
    Andere Weiber andere Titten
    Andere Männer andere Schwänze
    Andere Leichen andere Kränze

    Cubenot I 1003 AY

  2. Poetry slam gibt es seit es Literatur gibt. Durch die Geschichte des Streites der Dichter und Sänger gab es nicht immer un überall das Prinzip „respect the poet“, wenn man da nur an Heine versus Platen denkt. So wie die Veranstaltung abgelaufen ist fand ich sehr gut und es war besser (wesentlich besser) als von mir erwartet. Ich bereue nicht aus meinem gemütlichen Haus im Thal in die große Stadt gekommen zu sein, wo es leider immer noch kein grinsteidliges Cafe gibt.

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