7 Shades of GRAUKO – 00/ 01

Liebe GRAUKO-Hörerinnen und – Hörer!

In Kürze startet unsere monatliche Sendung auf Radio Helsinki mit dem Titel „7 Shades of GRAUKO“ – damit sind wir die erste Lesebühne on Air. Selbstverständlich werden Sie in Zukunft all unsere Sendungen auf unserer Website  nachhören können.

7shog – das erste Mal live on air!

Am Dienstag um 14:00 erklang erstmals der 7shog-Jingle auf Radio Helsinki.

Die erste Sendung (wenn von Radio Helsinki auch als Probesendung geführt, bekommt sie von uns den Titel „Sendung 01“) ist bekanntlich immer die aufregendste. Das erste Mal ganze 60 Minuten lang live on air!

Peter Heissenberger schiebt die Regler, wechselt CDs, spielt die vorab eingesprochenen Textpassagen der einzelnen Mitglieder ab, dreht an den Lautstärkereglern, fährt die Studiomikros herunter – und plaudert ganz nebenbei mit seiner Kollegin Isolde Bermann, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan.

In unserer ersten Sendung plauderten wir über Bob Dylan, den Literaturnobelpreis, Leonhard Cohen, das Trauerjahr 2016 und den ebenfalls unvergessenen Franz Hofer. Außerdem hören Sie von jedem unserer Mitglieder eine 3-minütige Textpassage. Demnächst hier auf grauko.com!

 

Vorab können Sie schon einmal in die Live-Übertragung des Basis Workshops hineinhören,  während der Peter Heissenberger und Isolde Kerstin Bermann GRAUKO und die neue Sendung das erste Mal vorstellten.

 

Noch steht der künftige Sendetermin nicht fest – sobald wir diesen wissen, bekommen Sie eine Benachrichtigung. Für alle, die nicht live dabei sein können, werden wir Links zum Nachhören aller Sendungen setzen.

Wir wüschen allen eine gute Entspannung und viel Freude mit Seven Shades of GRAUKO!

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Veronika Unger hebt den Wortschatz 2016

Wir freuen uns, mitteilen zu können, dass wir auch dieses Jahr wieder auf eine Wortschatz-Gewinnerin stolz sein dürfen. Veronika Unger wurde für  ihre Kurzgeschichte mit dem Preis für südosteirische AutorInnen ausgezeichnet.

Dieses Jahr war jedoch alles ein bisschen anders – was für ein wenig Verwirrung im Publikum sorgte (denn dort saß u.a. die gerade aus Kroatien angereiste Unger-Fangemeinde, bestehend aus Maria Edelsbrunner, Peter Heissenberger und Margarita Kinstner). So gab es diesmal keinen ersten Preis – sondern 10 gleichwertige Preise für die Besten der einzelnen Kategorien.

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kleinezeitung.at *

 

Außerdem konnte man die Anthologie aus den Wortschatz-Jahren 2014 und 2016 erstehen – mit den besten Texten aus den letzten 2 Wettberwerben. Darin finden sich 2 Texte von Maria Edelsbrunner (die den Wortschatz 2014 gewann und auch dieses Jahr wieder unter die Auswahl der besten Texte kam), die ausgezeichnete Kurzgeschichte von Veronika Unger sowie viele andere Wort-Schätze.

 

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*:http://www.kleinezeitung.at/s/steiermark/weiz/peak_weiz/5042250/Wortschatz_Wenn-in-Markt-Hartmannsdorf-wieder-gelesen-wird?bild=21

 

 

Pécs 1

Auf der Flucht vor meiner großen Liebe, meinen Freundinnen und Freunden bin ich Anfang März 2014 in Pécs gelandet, so der Beginn von Christian Futschers Pécs -Tagebuch.  Seitdem das harp glissando mich geweckt hat,  stelle ich mir vor, wie es wäre, Futscher auf einen Kaffee zu treffen und über diesen, seinen ersten Satz zu reden.

Den ganzen Rotz der letzten 6 Monate herausschleimen und wieder ins Schreiben finden. Und das andere auf später verschieben. Flüchten, um wiederzukehren.

Als ich sagte: Ich fahre nach Ungarn, hat mich mein Junge ängstlich angesehen. Vor einem halben Jahr war Ungarn für ihn ein Fleck auf der Landkarte, Durchzugsbegiet. Er hat das Land nur unter sich rumpeln gespürt, nie gesehen. Ich sitze in der Bahn und schaue für ihn  aus dem Fenster. Schwemmland, Baumstümpfe, geduckte Häuser von denen die Fassade abblättert.

Seit einem halben Jahr habe ich ein „Kind“. Nein, es sind sogar 2. Sei doch wenigstens  ehrlich und gib es zu. „Mama, ich vermisse dich“ schreibt der eine, der andere erkundigt sich nach meiner Reise, meinem Zimmer –  ob es mir gut geht. Seine Nachrichten kommen als heller Ton über den Facebook Messenger. Ich schreibe, ich sei müde. Wünsche eine Gute Nacht und klappe das Buch von Antonio Fian auf. 3 Wochen will ich noch einmal mein altes Leben führen. Mag nicht Teilzeit-Mutter sein, nicht Geliebte. Nicht einmal Freundin, Bekannte, und ja, vielleicht nicht einmal Autorin. Autorinnen schreiben nicht, Autorinnen kümmern sich um Honorarnoten, Steuern und SVA Beiträge, geben Zugverbindungen bekannt und streichen Lesestellen  an.

Am Morgen ertrinken an den Grenzen Kinder. Oder erfrieren. Oder werden erschossen. Vielleicht sollte ich meinen Facebookzugang sperren.  Vielleicht sollte ich den Router abdrehen. Vielleicht ist W-Lan in AiR-Wohnunen gar nicht so gut.… Wie sollen wir fliehen, wir, die Übersättigten?

Was machst du dir Gedanken über einen einzigen Satz von gestern, wenn heute Kinder erschossen werden?, brüllt mich das Posting eines Bekannten (vor dem ich nicht geflohen bin) an.  Und doch ist der Satz (harp glissando) mehr  in meinem Kopf als die erschossenen Kinder, mehr als die ertrunkenen oder niedergetrampelten, denn das Sterben ist zur Normalität geworden und die Liebe zu einer Unmöglichkeit. Warum sonst sprecht ihr von den Kindern?  Sterben mit den 20jährigen keine Hoffnungen?   Und was ist mit den 40jährigen? Habt ihr etwa Angst, öffentlich zuzugeben, euch mit euren 40 an das Leben zu krallen? Euch einzugestehen, dass ihr gar nicht bereit wärt, zu tauschen – euer Leben gegen das eines fremden Vierjährigen?

Wir leben in Puppenwohnungen, Puppenhäusern, Puppenstädten. Lackiert in bunten Farben. Die Kinder werden in den Kellern vergewaltigt, oben drehen sich die Windräder und erzeugen Ökostrom. Wir wollen keinen Smog, wir wollen keine Toten, wir empören uns auf unseren Facebookseiten und sehen uns Sonntagabend den Tatort an.

Ja, ich bin nach Ungarn gefahren. „Kannst dir den Zaun anschauen“, hieß es. 

In meinem Zimmer steht ein TV-Gerät.  Wissen sie denn nicht, dass wir  Reizsüchtige sind, die ihre Türen nie ganz schließen, dass  uns nicht einmal  die leisesten Stöhn- und Streitlaute, die aus einem gekippten Fenstern dringen, entgehen, dass wir zu tippen aufhören, nur um alles ganz genau mitzubekommen?

Heute musst du dich selbst disziplinieren. Alle Kanäle kappen, den Router abdrehen, das Smartphone am besten gar nicht erst aufladen. Bitte entfernt die Steckdosen aus diesem Raum! Neuerdings haben sie sogar die Roaminggebühren gesenkt … 6 Cent kostet die Brücke nach Südösterreich. Ich  beschließe, sie nur in den Abendstunden zu öffnen. Rede mich auf meinen Jungen aus, der schreibt immer gegen 22 Uhr. 

Wie damit umgehen, frage ich mich – ich, die ich immer nur für mich da war, die ich mich in der Einsamkeit und Melancholie gewiegt habe wie in einem Schaukelstuhl,  die Vorhänge vor die Fenster gezogen …

Puppenhaus.  Du lebst in einem Puppenzimmer. Du hast ein Bett, deckst dich mit 2 Decken zu. Am Abend lehnst du dich gegen die Rückenlehne und versteckst dich in einer fremden Welt zwischen Papierseiten. Wanderst durch Leben, die nicht deine Leben sind, lebst Gefühle, die nicht deine Gefühle sind.

Zuerst kamen sie und zerrten an den Gardinen. Drängten gegen Türen und Fensterläden. (Siehst du, Oma, was bringen schon Fensterläden, wenn die Welt vor deinem Haus steht?) Durch alle Öffnungen krochen sie, faulig war ihr Atem, abgerissen standen sie vor mir, zeigten auf ihre Beulen und Schürfwunden, hielten mir ihre Zahnlücken entgegen.

Puppenhaus. Puppenzimmer. Bunte Katzen aus Ton und Holz auf dem Buchregal. Um dich herum stehen sie mit Feder und Tinte und kratzen dir ihr Leben unter die Haut. 

Der Kaffee geht über, die Herdplatte zischt. Wie geht es dir, Mama? 

Später das harp glissando. Meine Sehnsucht ist dehnbarer geworden, seitdem ich hier bin.

Vielleicht sind wir, die wir hierherkommen, alle auf der Flucht. Vielleicht sind wir deswegen so ungern in angestellten Verhältnissen – nicht, weil uns die Arbeitsstunden die Schreibzeit stehlen würden,  sondern weil wir immer wieder in eine Bahn steigen müssen. Weg von den Freunden, den Kindern und sogar der großen Liebe. Wir flüchten vor dem Glück und dem Unglück gleichermaßen, wir flüchten vor der Eintönigkeit, wir fahren in eine Art Niemandsland, in der Hoffnung, aus der Zeit herausgeholt zu werden, um uns wieder auf etwas einlassen zu können, das nichts mit uns (und doch nur mit uns) zu tun hat. Und sei es nur für dreieinhalb Wochen .…

Schön war´s

Nach der verregneten Lesewanderung war GRAUKO froh, endlich wieder im Trockenen auftreten zu können. Am 28.10. trafen wir wieder mit den SchauspielerInnen des Theater Stockwerk zusammen. Vorab hatten sich vier Autorinnen und Autoren von GRAUKO von den Einsendungen zu unserem Fotowettbewerb inspirieren lassen.

Veronika Unger ließ sich von Ilona W.s Rose inspirieren. Auf der Bühne wurde daraus eine traurig-tragische Kriegsgeschichte, die eine Generation später doch ein Happy End fand, wenn die lang ersehnte Hochzeit letztendlich nicht aus romantischen Gründen geschah.

Originaltext von Veronika Unger

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Schon vorab inspirierte das Foto von Petra Schimbäck das Publikum zu schrägen Assoziationen. Aus der schwarzen Gestalt wurde das Schlossgespenst Lord Henry, das auf den Fotos der Touristen erschien und diese dazu verdammte, binnen 24 Stunden zu heiraten.

Das Foto entstammte jener Trilogie, die Kuno Kosmos aus den eingesandten Fotos von Petra Schimbäck gewählt hatte, um einen Krimi daraus zu basteln. Ein Schauspieler gab den Karl aus der Karlau,  der die Ermittlungen am Grund eines langweiligen Sees führte.

Originaltext von Kuno Kosmos

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Karl von der Karlau wurde schließlich in die Geschichte von Isolde Bermann herübergerettet, wo er sich auf die Suche nach jenem Mädchen machte, das von der Hängematte aus Angelika Andrea Weren-Neuhausers Foto verschwunden war. Seine Nachforschungen führten ihn in die Lebkuchenhütte einer Hexe, wo er neben der Gesuchten auch sein ganz persönliches Glück fand.

Originaltext von Isolde Bermann

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Zum Abschluss musste Peter Heissenberger dem Publikum leider mitteilen, dass er aufgrund des Fotos von Melanie Meinhart herausgefunden hat, dass skrupellose Musikgeschichtsfälscher damit begonnen haben, die berühmten August Becker Charts (ABC) zu fälschen.

Originaltext von Peter Heissenberger

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10 Tage später reiste GRAUKO auch schon wieder mit dem nächsten GRAUKAU weiter und gründete in der Bundeshauptstadt eine GRAUKOlonie mit Sitz im Café Anno.

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Laura Pabst : Die Gewinnerin des Lesekorbs

LauraEnde des Sommers trafen wir die Gewinnerin unseres Sommer-Foto-Wettberwerbs.

Mit dem Lesekorb am Tisch warteten Peter und ich gespannt auf die Ankunft der jungen Fotografin.

Es war nicht der erste Kontakt, den Laura Pabst zu GRAUKO hatte. „Ihr wart an meiner Schule“, verrät sie uns. Peter erinnert sich – an der Schule in Leibnitz bot GRAUKO vor Jahren einen kleinen Schreibworkshop an. „Keiner hat sich damals getraut, seinen Text vorzulesen“, lacht Laura.

20150920_191707Heute ist Laura Pabst selbst  Lehrkraft  – an der KLEX (Klusemann Extern). Es sei ihre erste Schulwoche dort. Die Arbeit an der Schule sei spannend, aber auch ganz schön fordernd. „Deswegen bin ich unter der Woche immer sehr beschäftigt.“ Tatsächlich haben wir ein wenig gebraucht, bis alle drei von uns Zeit hatten, um uns für die Übergabe des Lesekorbes zu treffen. Aber eine persönliche Übergabe macht halt doch mehr Freude als eine Postsendung.

Die Faszination für die Naturwissenschaften führte Laura Pabst nach der Matura an die Karl Franzens Universität Graz, wo sie die Studienrichtungen Biodiversität und Ökologie wählte, später kam noch die Zoologie hinzu.  Laura Pabst spezialisierte sich auf Insekten und Spinnen. So kam sie schließlich auch zur Makrofotografie.  „Ein Foto ist auch immer ein Beweisstück bzw. Nachweis und gleichzeitig eine Bestimmungshilfe““, erklärt uns Laura. 

Aus der Notwendigkeit wurde Leidenschaft. Das Bild, das sie für den GRAUKO-Wettbewerb einreichte, ist also durchaus ungewöhnlich, nicht nur für Laura Pabst selbst, deren Internetseite den Titel „Biology & Photography“ hat,  sondern auch für den Wettbewerb –  immerhin war unsere Gewinnerin die einzige, die ein Motiv mitten in der Stadt wählte. Kein romantisches, ruhiges Leseplätzchen in der Abgeschiedenheit der Natur, sondern eine Bank in Amsterdam. Ein Jurymitglied urteilte: „Mir gefällt die Natürlichkeit des Bildes. Es wirkt nicht gestellt und ist doch qualitativ sehr hochwertig.“

Laura Pabsts  Auge fürs Detail und ihr fotografisches Talent ließen sie bereits einige Fotowettbewerbe gewinnen – z.B. den Fotowettbewerb des Naturwissenschaftlichen Vereins für Kärnten, einen Fotowettbewerb der Tageszeitung „Der Standard“ sowie einen Wettbewerb des Naturschutzbunds Stmk. Immer wieder sind ihre Bilder im Kalender des Instituts für Zoologie der Universität Graz sowie auf der Tropenstation la Gamba (Costa Rica) zu sehen.

Dass Fotografie und Literatur einander nicht so unähnlich sind, stellen wir im Gespräch bald fest. Die Beherrschung gewisser Techniken sind Grundvoraussetzung. Das Auge fürs Detail sowie eine gute Beobachtungsgabe. Man zoomt einen Teil des Lebens ganz nah heran. Auch als Jurymitglied geht man bei Fotowettbewerben ähnlich vor wie bei Literaturwettbewerben. Fotos und Texte sollen neue Perspektiven des Betrachters / Lesers ermöglichen. Man beurteilt das Können, die Technik – letztendlich entscheidet man aber auch aus dem Bauch heraus. Was spricht einen besonders an? Welches Foto/ welcher Text berührt? Ein persönlicher Stil wird meistens belohnt.

Es wird kalt auf unserer Bank im Studentenviertel. Laura meint, auf den Tee im Lesekorb freue sie sich jetzt besonders. Ein ruhiger Ausklang bevor die neue Arbeitswoche startet.

„Plant ihr weitere Fotowettbewerbe?“, fragt sie. Peter und ich lächeln. Tatsächlich haben wir bereits eine Idee. Aber diese verraten wir erst nächsten Sommer.

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Laura Pabsts Fotos kann man auf Tumblr sowie auf Facebook bewundern:

http://laurapabst.tumblr.com/

Facebook-Profil „La Fe“ – hier sieht das breite Spekrtum von Laura Pabsts Können

Facebook-Seite : Laura Pabst – Photography and Biology


Unser Fotowettbewerb ist zu Ende – die Bilder jedoch bleiben und dienen weiterer Inspiration. Ende Oktober trifft GRAUKO wieder auf die SchauspielerInnen des „Theater im Stockwerk“. Im Moment wählen die GRAUKO-Mitglieder aus den eingereichten Fotos nach jenen, die sie zu einem Text inspirieren. Am 28. Oktober werden die SchauspielerInnen dann die Texte aufgreifen und die Figuren in einer Impro-Show zum Leben erwecken. Details folgen!