7 Tage 7 Schichten – Ein Gemeinschaftsprojekt von GRAUKO

Nach jahrelangem Austausch / Feedback zu unseren Romanprojekten/ gemeinsamen Lesungen, etc. haben wir 2011 beschlossen, uns an ein herausforderndes Experiment heranzuwagen und gemeinsam einen Roman zu schreiben. Einen Roman, der die Schreibweise eines jeden von uns transparent werden lässt und trotzdem keine bloße Ansammlung von Geschichten ist, sondern ein Ineinanderweben einzelner Texte, die schlussendlich ein großes Ganzes ergeben.

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7 Tage, das heißt: Jeder von ins führt seine Figur unabhängig von den anderen 6 Tage durch Graz. Vorgaben existierten nur wenige, auch wissen wir bis zur Präsentation der Texte (siehe Marathonlesung) nichts von den jeweiligen Protagonisten der anderen.

Die Herausforderung lag darin, alle sieben ProtagonistInnen am 7. Tag  (21.12.2012 – Ende des Maya Kalenders, Weltuntergangspanik)  in einem Aufzug eines subterrestrischen Einkaufszentrum (SubSup) stecken zu lassen. Wie werden sie reagieren?

Dieser Blog dient dazu, die verschiedenen Schritte unserer Zusammenarbeit interessierten Lesern transparent zu machen. Wir wollten erfahren, was die Hürden und Hindernisse sind, zu siebent einen Roman zu schreiben – Ob dies überhaupt möglich ist. Deswegen haben wir alles dokumentiert und in einem kuren Blog festgehalten, damit interessierte LeserInnen unsere Arbeit mitverfolgen können.

Kleine Zeitung vom 26.8.2012
Kleine Zeitung vom 26.8.2012

Fazit nach 3 Jahren: Nach vielen Motivationseinbrüchen sind wir tatsächlich fertig geworden. Das gemeinsame Projekt hat unsere Gruppe zu dem gemacht, was wir heute sind, wir kommunizieren intensiver, wir verbringen mehr Zeit miteinander. Und wir haben einen tieferen Einblick in die Arbeitsweisen der jeweils anderen erhalten. Wir haben aber auch lernen müssen, wie es ist, wenn  Mitglieder das Kollektiv verlassen bevor das Projekt fertig ist und man sich fragen muss: Was nun? Wer übernimmt die Figur und wie sieht es mit dem Urheberrecht aus? Wir danken Traute und Alexandra für ihr anfängliches Dabeisein und ihre Ideen!

Letzte Überarbeitung im Hause Kosmos

Neujahrsvorsätze sollte man am besten gleich Anfang Jänner durchboxen – Deswegen setzen wir uns am 3.1. gemeinsam in das Wohnzimmer von Kuno Kosmos, denn dort gibt es einen Beamer. Vorab hat jeder den Roman selbst noch einmal gelesen, nach Fehlern durchforstet, die eigenen Stellen überarbeitet. Gemeinsam werden Fehler ausgebessert, wird manches, das zu lang ist, gekürzt. Kuno färbt alle Änderungen in Grün ein, damit unser krankes Mitglied Isolde im Nachhinein nachverfolgen kann, was wir getan haben. Nach einer weiteren Woche, die jeder zur Freigabe hat, werden die Änderungen wieder umgefärbt und Kuno lädt alle Schichten in eine Datei. Das Manuskript ist fertig.

Die Schichten neu montiert

Länger als unsere Protagonisten steckten wir selbst fest. Im Lift. 

Schon voriges Jahr tat sich eine Idee auf, sie Liftszene komplett neu aufzubauen. 7 Stimmen – so gut uns die von den einzelnen AutorInnen ausgearbeiteten Szenen gefielen – waren einfach nicht zu montieren. Als LeserIn verläuft man sich unweigerlich im Gedankendschungel, vor allem, wenn wir Wiederholungen vermeiden wollten. Auch verließ uns Stefan, so wurden aus sieben Protagonisten sechs.

Kurz und gut: Streichen aller Liftszenen, Beginn von Neuem. Kuno Kosmos traute sich über die siebente Schicht – die nun den Rahmen bildet. Seit zwei Wochen sind wir wieder guter Dinge und frohen Mutes, das Romanprojekt nun doch beenden zu können. Die 7. Schicht bildet eine Klammer. „Die sind immer noch drin“, so lautet das Motto, nun, da es ans Montieren und Überarbeiten geht. Interferenzen nicht ausgeschlossen.

Die Romanrettung ist gelungen, im Hause Kosmos wurde mit Sekt angestoßen.

 

 

Wiederbelebung

Nach einem halben Jahr, in dem unser Projekt in den einzelnen Schubladen und virtuellen Ordnern der AutorInnen herum kullerte, erfährt unser Gemeinschaftsprojekt nun neuen Aufschwung. Es wird spannend – mehr wird hier nicht verraten. Nur soviel: Wir haben endlich die Lösung, wie wir die Klammer gestalten. Manchmal tut es Projekten eben doch gut, wenn man sie eine Zeitlang ruhen lässt.

Man soll aber nicht denken, wir wären faul, nein, ganz und gar nicht. So sind in der Zeit andere Manuskripte fertig geworden, andere sind gewachsen, Slams wurden gewonnen und fast wurde ein Debütpreis ergattert.

Wir machen uns jetzt an den Überwachungsbändern des Aufzugs zu schaffen und hoffen, bis zur Fertiggestaltung des Andreas-Hofer-Platzes in Graz ebenfalls sagen zu können: Geschafft. (Langsam beschleicht uns sowieso der Verdacht, der Andreas Hofer Platz wird erst fertig sein, wenn auch wir es sind). In diesem Sinne wünsche ich allen ArchitektInnen, BauarbeiterInnen und Schreibenden Frohes Schaffen!

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Es geht wieder was weiter!!

Ruhig ist es geworden nach unserer Lesung – viel zu ruhig. Als wären die AutorInnen von 7Tage 7 Schichten im Lift eingeschlafen. (Winterschlaf hat sich breit gemacht) Aber so ist das mit dem Schreiben: Manchmal fehlt ein bisserl die Inspiration und/ oder die Lust. Oder man ist mit anderen Projekten beschäftigt.

vo68206,1290969843,WinterschlafVeronika hat uns aus der Lethargie gerettet und sich als erste über die Liftszene gewagt. Und jetzt tut sich wieder etwas. Unsere Protagonisten erleben gerade ihre herausforderndsten Stunden ihres bisherigen Lebens. Und was den Weltuntergang betrifft, haben wir uns auch was einfallen lassen – denn der Maya Kalender hat ja längst wieder von vorne begonnen, die Welt steht noch und der große, angekündigte Gott… nun, ICH bin ihm noch nicht begegnet.

Im Sommer wollen wir das Rohmanuskript fertig haben, dann fahren wir gemeinsam nach Kroatien und werden es dort erstmals gemeinsam überarbeiten. Dann wird noch immer ein Stück Arbeit vor uns liegen. Aber wir haben uns vorgenommen: Bis der Andreas Hofer Platz in neuem Glanz erstrahlt, soll auch das Buch fertig sein! Es gibt also keine Zeit, der Frühjahrsmüdigkeit zu frönen!!

Das Ende vom Ende der Welt….

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im Lift No 17

Die Welt ging also nicht unter. Gott sei Dank!!!!!

Und es ist ja nicht so, dass unser Roman jetzt nicht mehr funktioniert. Unterirdische Einkaufszentren, persönliche Untergänge und Lifte, die stecken bleiben, wird es immer geben!

img_0028Danke an alle Gäste, die trotz Weltuntergangspanik, Tote Hosen-Konzert und Weihnachtsstress gekommen sind.

Die Live-Schaltung von der UniGraz zum Andreas Hofer Platz hat einwandfrei funktioniert – August Becker berichtete live vom Geschehen und via  Handy konnten wir immer wieder einen Eindruck davon bekommen, was sich vor den Pforten des SubSup abspielt.

Bild 1„Hier ist die Hölle los, Frau Unger, aber nicht weil die Wekt untergeht, sondern weil die Welt hinunter geht! Es gibt hier völlig überraschend einen hell erleuchteten Eingang zu einer unterirdischen Einkaufs-Wunderwelt! Angeblich die größte Euopas! Sie nennen es SubSup, das Subterrane Superzentrum! Alle Leute wollen da hinein, die Schlangen stauen sich zurück bis zum Jakominiplatz! Gerüchtehalber soll die Eröffnung wegen des Riesenandrangs vorverlegt werden. Ah, ich sehe gerade unseren Bürgermeister kommen – gleich geht´s los!“
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V. Unger

Und dann war August Becker auf einmal weg, nicht mehr zu hören und das Radio berichtete von eindringenden Wassermassen. Eine besorgte Moderatorin (Veronika Unger) führte durch die Lesung und versuchte immer wieder Kontakt mit Becker herzuestellen. Bange 2 Stunden waren es.

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Alex Kumer liest Stefan

Die Autorinnen und Autoren schienen sich entgegen gar nicht um den Becker zu kümmern, sondern stellten derweil ihre Protagonisten vor, die in eben diesem Augenblick mit Becker im Lift feststeckten. Aber wie Isolde Bermann schon sagte: Zuviel verraten wurde noch nicht. Denn wir wollen das Buch ja noch verkaufen, wenn es einmal fertig ist. Und wer kauft schon ein Buch, wenn er im Vornhinein weiß, wie es ausgeht?

img_0094Die ZuhörerInnen nahmen teil an den persönlichen Untergängen – und wurden in die emotionale Welt der Handelnden hineingezogen.

„Da entstand sofort ein ganz starkes Bild“ meldete eine Leserin mit. „Ich sah sie direkt vor der erkalteten Heizung sitzen“.

img_0103Vor allem der perfomative Charakter der Lesung kam an. „Weltuntergang war nicht so viel dabei“, meinte einer. Denn unser August Becker hüpfte am Ende der Veranstaltung auf die Bühne und… die Uni stand auch noch, sodass das vegane Buffet samt Mayatempel doch noch gegessen werden konnte.

Und wie gesagt: Unser Roman ist ja kein reiner Weltuntergangsroman und funktioniert auch ganz ohne Maya-Kult. Denn Konsumgier, persönliche Untergänge und Lifte, die stecken bleiben, wird es immer geben!

Michael Brantner
Michael Brantner

Wir danken an dieser Stelle ganz herzlich Mag Franz Stangl vom UniGrazMuseum, denn ohne ihn, hätte diese Lesung nicht stattfinden können!!!!!!  Wir danken auch Michael Brantner, ohne dessen spooky-Gitarren-Begleitung die Lesung nur halb so spannend gewesen wäre. Weiters danken wir Thomas Wollinger für seinen Einsatz als August Becker und seine Fotos.

img_0106Wir wünschen ihnen und allen unseren Fans eine glückliche neue Maya-Periode (denn die hält bestimmt länger an als das Neue Jahr!)

Und wenn wir wieder einen Weltuntergang feiern wollen, warten wir einfach auf das Ende des Azteken-Kalenders!

Zum Nachhören und zum Live Hören

Es war zwar nur ein kurzer Beitrag, der übrig blieb – denn 4 Minuten sind nicht so lang. Wer trotzdem wissen will, was es mit dem Maya Kalender, dem Weltuntergang und unserem Roman auf sich hat, kann den Beitrag unter diesem Link nachhören.

Und wer neugierig geworden ist, sollte vom Weihnachtsstress abstand nehmen und umbedingt dem Weltuntergangsstress huldigen – bei unserer Lesung am 21.12. 2012 um 20:00. Denn so wirklich glauben wir eh nicht dran (würden wir sonst noch an den nächsten Romanen schreiben??)

http://www.uni-graz.at/universitaetsmuseen/Folder/GRAUKO_WEB.pdf

Lesung!